Eine visuelle Reise durch Europas jüngste Vergangenheit

Ausstellung in Bukarest vereint Werke von Künstlern aus elf Ländern

Sonntag, 15. Juni 2014

Iosif Király beschäftigt sich durch seine multiperspektivischen Bilder unter dem Namen „Reconstruction“ mit der Art und Weise, wie der Mensch sich erinnert und vergisst. Im Mittelpunkt befinden sich bei ihm Themen wie Zeit und Gedächtnis.

In kleinen Spannplatten-Abteilen oder an eine riesige Wand überdimensional projiziert, mit Musik oder ohne jeden Ton, digital aufgearbeitet oder von der Zeit vergilbt, farbig oder schwarz-weiß, Stillleben oder mit dynamischen Figuren, im Dunkeln oder bei Tageslicht zu betrachten: Eine südosteuropäische Vergangenheit mit Hilfe von Instrumenten wie Fotos, Videos oder Installationen zusammenbauen und wiedergeben – das war das Ziel der Ausstellung „Europa. Südost – Eingeschriebene Erinnerungen“, die im Bukarester Museum für zeitgenössische Kunst (MNAC) eröffnet wurde. Dabei geht es zwar um ausgewählte Fragmente der früheren Zeiten, da die Schau mit Werken von insgesamt mehr als 20 Künstlern aus verschiedenen südosteuropäischen Ländern aus Ungleichartigem zusammengesetzt wurde.

An der Vernissage haben sich Dr. Bruno Gross (Goethe-Institut) und die Kunstkritikerin Liviana Dan (MNAC) beteiligt. Anwesend war auch die Leiterin des Goethe-Instituts in Bukarest, Beate Köhler. Kuratiert wurde die Schau von Constanze Wicke und anderen Spezialisten aus den elf Ländern Südosteuropas, die vertreten sind. Dem Betrachter stehen Darstellungen mit verschiedenartigem Hintergrund gegenüber, die eher individuelle Erfahrungen schildern. Vorrang hat die Art und Weise, wie sie damals wahrgenommen wurden. Bezug genommen wird auf verschiedene historische Ereignisse.

Eine wertvolle Geschichte hat jedes Werk zu erzählen, da es aus einer bestimmten kulturbedingten Ferne stammt. Sie setzt den Interessierten von einer Vergangenheit in Kenntnis, von der er nie betroffen war. So wie Erhan Muratoglus Video-Installation – ein beiläufiges Gespräch mit einer 94-jährigen Frau, die als Kind aus Bulgarien in die Türkei ausgewandert war, Fanis Zguros (Albanien) Fotos mit seinem eigenen Vater, in dem Gesichter aus Sicherheitsgründen ausradiert wurden, oder Ana Adamovics Video-Installation „Mein Land ist das allerschönste“. Fragen der Identität stellte der griechische Künstler Panos Kokkinias durch die starken Kontraste zwischen dem antiken und dem heutigen Griechenland in seinem Werk „Arkadia“.

Ausgestellt sind auch Werke rumänischer und moldauischer Künstler wie Iosif Király, Michele Bressan, Ştefan Sava und Pavel Braila, deren Beiträge von Irina Cios ausgewählt wurden.
Viele Werke hinterlassen einzeln einen tiefen Eindruck; das Resultat – eine komplexe Sammlung von Erinnerungsstücken, die gewissermaßen einen Überblick über Geschichte und Kultur im osteuropäischen Raum geben. Betrachtet werden könnte sie fast als eine künstlerisch dargestellte Anthropologie-Studie. Die Ausstellung kann bis 10. August besichtigt werden.

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