Einer harten Konkurrenz standhalten

ADZ-Gespräch mit Henrike Brădiceanu-Persem von der „Stafette“

Mittwoch, 09. November 2016

Seit Anfang der 1990er Jahre besteht der deutschsprachige Literaturkreis „Stafette“, der gleich nach der Wende mit dem Ziel gegründet wurde, Deutsch als Literatursprache im Banat zu erhalten. ADZ-Redakteur Robert Tari hat sich mit der Leiterin der „Stafette“, Henrike Brădiceanu-Persem über das Festjahr und anstehende Projekte des Literaturkreises unterhalten. Lesen Sie auch den entsprechenden Artikel in der Banater Zeitung.

Es ist ein wichtiges Jahr für die „Stafette“: Der Literaturkreis wird 25 Jahre alt. Wie wird das runde Jubiläum gefeiert?

Dieses schöne Alter wird gebührend gefeiert – unsere Festveranstaltung fand am 21. und 22. Oktober im Rahmen der Kulturtage statt. Es gab Festreden und Vorträge von Gästen aus dem In- und Ausland und selbstverständlich Buchvorstellungen und Lesungen. Wir freuen uns, dass es Frau Dr. Podlipny-Hehn erneut gelungen ist, mehrere Bände herauszugeben: Es gibt einen Jubiläumsband, der einen Überblick des literarischen Schaffens der Stafette aus den letzten 25 Jahren bietet, aber es wurden auch Neuerscheinungen vorgestellt – nicht weniger als drei Autoren der Stafette werden Kostproben aus ihren neuen Bänden zum Besten geben. Es freut uns, dass unsere Gäste aus dem In- und Ausland auch Bücher präsentierten und sogar mit Lesungen, teils mit musikalischer Untermalung, zum Programm beigetragen haben. Natürlich gab es eine Gruppenlesung der Stafette-Mitglieder, die immer wieder unter Beweis stellt, wie verschiedenartig im Rahmen unseres Kreises geschrieben wird und wie viel Freude es einem jeden von uns bereitet, zu schreiben – und zwar – was sehr wichtig ist - in deutscher Sprache.

Sie waren Anfang Oktober in Lugosch, wo Sie zusammen mit Stafette-Autorin Bianca Barbu eine Lesung für Schüler der Ani{oara-Odeanu-Schule gehalten haben. Wie wurden die Texte aufgenommen?

Es war eine sehr schöne Ausfahrt, aus der wir mit positiven Eindrücken zurückgekehrt sind. Die Schüler der „Anişoara-Odeanu”-Schule in Lugosch, unter der Leitung ihrer Lehrerinnen Roxana Murariu und Lucia Radu, haben sich sehr interessiert gezeigt und aufmerksam zugehört. Wir haben erfahren, dass sie im Rahmen des Unterrichts des Öfteren Aufsätze schreiben und es ihnen sehr gut gefällt. Einige der anwesenden Schülerinnen und Schüler nehmen auch erfolgreich an den Landesphasen der Deutscholympiaden teil und haben im letzten Jahr auch beim Schreibwettbewerb der „Stafette“ mitgemacht und sogar Preise gewonnen. Angesichts der Tatsache, dass die Stafette-Bände, die wir als Kostproben mitgebracht hatten, sofort vergriffen waren, denke ich, dass die Texte gut angekommen sind und das Interesse zum Weiterlesen geweckt haben.

Haben die Schüler Fragen gestellt? Was hat sie am meisten interessiert?

Weil wir wussten, dass die Zuhörer aus den Klassen 5-8 kamen, haben wir uns entschieden, solche Texte vorzutragen, die eher an diese Altersgruppe angepasst waren. Es kam aus zeitlichen Gründen zu keinem Dialog über unsere Texte. Wir haben es vorgezogen, diejenigen Schüler, die den Mut aufgebracht haben – es waren bis zuletzt drei Schülerinnen -  dazu aufzufordern, ihre eigenen Texte vorzulesen und ihren Kollegen zu zeigen, dass es nie zu früh ist, sich im Spiel mit der Sprache zu versuchen. Unser Interesse ist es ja, junge Leute für das Schreiben zu begeistern.

Was ist das Sprachniveau der Schüler?

Man kann sehen, dass die Schüler beim Schreiben noch die Unterstützung ihrer Lehrer brauchen, es sind immer wieder noch kleine Fehler, die aber durch Übung und Fleiß – und daran fehlt es den interessierten Schülern nicht – behoben werden können. Und viel zu schreiben und zu lesen sind wohl einige der besten Mittel dafür.

Inwiefern kann man noch Jugendliche finden, die gerne auf Deutsch schreiben möchten?

Es ist eine harte und etwas unfaire Konkurrenz, der wir standhalten müssen. Es gibt so viele Freizeitbeschäftigungen, denen sich Jugendliche heute gerne widmen, so dass Schreiben wahrscheinlich immer seltener als Hobby praktiziert wird. Tatsache ist aber auch: Schreiben passt nicht zu jedem. Aber diejenigen, die gerne schreiben und dies vielleicht vorerst versteckt und bescheiden im Versteck der eigenen vier Wände tun und das Geschriebene sofort irgendwo verstecken, die haben bei uns ein offenes Ohr. Wir heißen all die bei der Stafette willkommen, die talentiert sind und es wagen, ihre Texte auch mit anderen zu teilen. Dass sie diese Texte in deutscher Sprache verfassen, auch wenn es nicht ihre Muttersprache ist, das begrüßen wir und sind gerne bereit, ihnen dabei zu helfen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Denn bei der Stafette versuchen wir, Lob und konstruktive Kritik zu vereinen. Diejenigen von uns, die mehr Erfahrung haben, sparen nicht an Tipps und Tricks, was das Schreiben anbelangt – vorausgesetzt, das Interesse ist da. Ich bin zuversichtlich, dass sich, solange es deutschsprachige Schuleinrichtungen gibt, immer wieder talentierte Schüler finden werden, die das geschriebene Wort schätzen und ihren Spaß daran haben, in einem Literaturkreis mitzumachen, zu schreiben, bei Lesungen und Workshops mitzumachen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, sie zu unterstützen und zu fördern.

Sie möchten im November eine Schreibwerkstatt in Wolfsberg veranstalten. An wen richtet sich die Werkstatt?

Wie eben vorausgeschickt, stellen die Schüler der Schulen mit Unterrichtssprache Deutsch unsere Zielgruppe dar. Das Programm wird in Kürze vollständig sein und dann beginnen die Einschreibungen. Wir freuen uns schon auf zwei volle Tage, an denen wir spielend schreiben und hoffentlich ein tolles Endergebnis haben werden.

Welche sind die Programmpunkte?

Das Programm sieht vor, dass die Jugendlichen in Gruppen arbeiten und ein Thema zu einem kurzen Theaterstück oder einer Moritat ausarbeiten. Es würde uns freuen, wenn es uns gelingen würde – und so planen wir es – dass die Ergebnisse in elektronischer Form im Internet auf unseren Plattformen online gestellt und somit einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Und vielleicht werden sie auch im folgenden Stafette-Sammelband veröffentlicht.

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