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Donnerstag, 17. Januar 2013

Symbolfoto: sxc.hu

Es ist gewiss kein Geheimnis, dass die Gehälter in Rumänien zu den kleinsten in der Europäischen Union zählen. Auch der Unterschied zwischen den Summen, welche die sogenannte Oberschicht kassiert, und jenen, mit denen die Mindestverdiener abgespeist werden, ist enorm. Die Gehaltsschere klafft hierzulande weit auseinander. Dies entspricht der Tendenz in den  Industrienationen. So beklagt zum Beispiel Deutschland statistisch einen achtfachen Unterschied zwischen Gut- und Geringverdienern. Ein statistischer Gutverdiener in Deutschland sackt dabei fast das Fünffache dessen ein, was ein solcher in Rumänien kriegt. Ein Geringverdiener in Deutschland, eigentlich ein Sozialfall, würde hierzulande wiederum zu den Wohlbetuchten gehören.

Laut einer Studie, die von der  schweizerischen Gewerkschaft Unia publik gemacht wurde, lag der Lohnunterschied in den 41 untersuchten Unternehmen bei 1:39! Man sollte darauf verzichten, die genauen Summen zu nennen.
Was kann man gegen eine solche zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit tun? Eine Revolution wäre keine gute Lösung. Sie brächte nur eine andere Oberschicht hervor. Die Unterschiede blieben. Vor nunmehr zwölf Jahren entstand die Idee der Lohnteilet. Einfach und effektiv. Und was am wichtigsten ist, sie ist gerecht. Was ist Lohnteilet? Zwei Menschen, Familien oder Gruppen vereinbaren einen Prozentsatz ihrer Löhne, den sie in einen gemeinsamen Korb einzahlen. Die entstandene Summe wird durch zwei geteilt und jeder Partner bekommt die gleiche Summe. Gewiss kriegt der wohlhabendere Partner etwas weniger, als er eingezahlt hat, der schwächere hingegen etwas mehr. „In absoluten Zahlen verschiebt sich das Geld; hinsichtlich der eigenen Beteiligung sind sie auf Augenhöhe“, heißt es im Infoblatt der Initiative.

Bereits 2002 wurde die erste Lohnteilet eingerichtet. Sie verbindet eine schweizerische Familie mit einer aus Rumänien. Der Unterschied ist krass: ein Einkommen von 7000 Franken steht den rund 200 Euro gegenüber. Der Lohnteilet-Satz liegt bei drei Prozent, was für den ärmeren Partner etwa sechs Euro pro Monat bedeutet. Aus dem gemeinsamen Korb bekommt er aber rund 89 Euro zurück. Eigentlich könnte diese Idee auch innerhalb Rumäniens und in vielen anderen Ländern funktionieren. „Ich kenne kein Land, in dem die Lohnschere nicht groß genug dafür wäre“, schrieb mir ein Freund aus der Schweiz. Stimmt. Nur sollten sich die Menschen überwinden, ihr ehrlich (hoffentlich) verdientes Geld mit den anderen zu teilen, die nicht so viel bekommen, wie sie wirklich verdienen. Es wäre menschlich. Und nicht zu vergessen, es wäre christlich oder islamisch oder jüdisch. Die Nächstenliebe wird ja in jeder Religion großgeschrieben.

Am 7. September 2012 wurde in Bern (Schweiz) der Verein Lohnteilet gegründet. Im November beschloss die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, dass der Verein für seine Tätigkeit keine Banklizenz brauche. Zurzeit wird er auf die „Verhinderung der Geldwäscherei“ geprüft. Mehr Information zum Verein und zur Idee der Lohnteilet findet man auf der Vereinshomepage: www.lohnteilet.ch.

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