Einzig sicher ist der Wandel

Feierliche Einweihung der renovierten Gräfenburg mit Glockenturm in Urwegen

Dienstag, 17. Juni 2014

Die Pfarrer und Ehrengäste bei der Weihe der renovierten Gräfenburg und des Glockenturms.

Aus EU-Mitteln und Spenden der Urwegner wurden der Glockenturm und der Torturm zur Gräfenburg saniert.

Zahlreiche Urwegner hatten ihre wunderschöne Tracht angezogen.

In der Ruine der Bergkirche fand die Gedenkfeier für die Vorfahren statt.
Fotos: die Verfasserin

Hermannstadt - Zwei Gräfen- und nicht Kirchenburgen gehören dem siebenbürgisch-sächsischen Baudenkmalerbe an, beide stehen im Unterwald in Kelling/Câlnic und Urwegen/Gârbova. Der Bau der letztgenannten hat im 13. Jahrhundert begonnen, im 15. Jahrhundert übernahm die sächsische Ortsgemeinschaft die Burg in Besitz und Verwaltung. Sie wurde mit Türmen versehen und hielt den Anstürmen stand. Im Verlauf der Jahrhunderte hat sie mehrere bauliche Veränderungen erlitten, immer wieder musste sie repariert werden. Die letzte umfassende Instandsetzung wurde am Sonntag, dem 15. Juni, im Rahmen des Urweger Treffens gefeiert. Das eigentliche Zusammensein der Urweger findet zu Pfingsten statt, zu dem zahlreiche mittlerweile  in  Deutschland lebende Urweger ins Dorf kommen, um die Maibäume zu setzen. Heuer kamen einige in den Heimatort, nachdem sie zunächst am Sachsentreffen in Dinkelsbühl teilgenommen hatten. So war die wunderschöne Kirche auch am Sonntag vollbesetzt bei dem Festgottesdienst, mit dem die Einweihungsfeier der renovierten Gräfenburg und dem Glockenturm begann. Liturg war der für den Ort zuständige Pfarrer Wilhelm Meitert, der den Gottesdienst zusammen mit Dechant Dr. Wolfgang Wünsch und dem aus Urwegen stammenden Reener Stadtpfarrer Hans Zey gestaltete. In seiner Predigt ging Reinhart Guib, der Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, auf die Bedeutung ein, welche der Klang der Heimatglocken hat.   

Die Geschichte des Baudenkmals und der Gemeinde stellte Karl Broos, der Kurator des Mühlbacher Kirchenbezirks, in der Gräfenburg vor, wo die Weihehandlung des vor dem Verfall geretteten „Kleinods im Mühlbacher Bezirk“ (Bischof Guib) stattfand. Da die evangelische Gemeinschaft nur mehr 32 Mitglieder zählt, konnten diese für die Sanierungsarbeiten an den Mauern und am Glockenturm nicht aufkommen. Die Gräfenburg gehörte zu den 18 Baudenkmälern, die im Rahmen des aus EU-Mitteln finanzierten 18-Kirchenburgen-Projekts gefördert wurden. Wie der Tafel im Dorf zu entnehmen, betrug der Gesamtwert der Arbeiten 22 Millionen Lei, wovon 14 Millionen aus dem EU-Topf kommen. Den Großteil der Differenz brachten die HOG und die Nachbarschaft der Urweger in Deutschland auf. Auf die Bedeutung der EU-Mittel für die Sanierung wies Judith Urban, die Konsulin der Bundesrepublik Deutschland, in ihren Worten hin.

Die Burg soll nicht mehr vor Angreifern schützen, sondern Besucher von nah und fern anlocken, sagte Kurator Broos. Geplant ist, sie in das Projekt „Entdecke die Seele Siebenbürgens“ einzubeziehen, mit dem Baudenkmäler, die in der Verwaltung der Evangelischen Kirche stehen, neu belebt werden können. Die Kirchenburgen und die Gemeinschaften haben sich im Verlauf ihrer Geschichte mehrmals verändert und ein solcher Wandel ist erneut im Gang, sagte Projektmanager Dr. Stefan Cosoroabă. Ein Ziel des Projekts ist es, eine transnationale Gemeinschaft der Kulturerben zu konstituieren, die sich mit den Burgen identifizieren und eine Kulturerbgemeinschaft jener bilden, die Interesse an ihnen haben. Wir können bleiben, was wir sind, nur wenn wir uns wandeln, hatte Bischof Guib in der Predigt gesagt, die Veränderung ist das einzig Sichere, so Dr. Cosoroabă. Als richtigen Weg bezeichnete der Siebenbürgenforumsvorsitzende Martin Bottesch in seinen Worten das Suchen und Finden von Verbündeten außerhalb der evangelischen Kirche und der sächsischen Gemeinschaft, um die Kirchenburgen zu erhalten.  

Die in Europa einzigartige Kulturlandschaft benötigt Botschafter, die dieses Erbe im In- und Ausland bekannt machen. Zum Kulturbotschafter der Kirchenburgen wurde am Sonntag Leonard Orban, der ehemalige Chefunterhändler Rumäniens bei den EU-Beitrittsverhandlungen und danach EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit, ernannt. Siebenbürgen stellt im Kleinen dar, was Europa als Makrokosmos bedeutet, sagte Orban in seinen Dankesworten nach dem Empfang der Botschafter-Urkunde.   
Zum Gottesdienstbeginn und jenem der Weihefeier hatten Urweger Adjuvanten aus der Reihe der Heimatbesucher geblasen, sie gestalteten auch die Gedenkfeier am Friedhof in den Ruinen der romanischen Basilika, der Bergkirche, feierlich. Zum Abschluss der Weihefeier sang ein vom HOG-Vertreter Hans Schuller am Akkordeon begleitetes Gesangstrio das Urweger Heimatlied „Die Glocken der Heimat“ von Thomas Buortmes. „Wie bist du so schön, du Urwegen mein“ heißt es in dessen Refrain. Urwegen ist tatsächlich schön und so soll es auch bleiben.

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