Einzigartigkeit in Verschiedenheit

Das 21. Internationale Theaterfestival Hermannstadt/Sibiu beginnt am Freitag

Mittwoch, 04. Juni 2014

Mit derartigen Instrumenten trat 2013 eine Kapelle aus Italien in der Heltauergasse auf …
Foto: Hannelore Baier

Hermannstadt  - 381 Events an zehn Tagen. Rund 2500 Künstler und geladene Gäste sind angesagt, das Publikum wird auf tägliche 62.000 Personen geschätzt. Diese Ziffern dürften genauso wie die 66 Darbietungsorte übertrieben sein. Dennoch: das Internationale Theaterfestival Hermannstadt/Sibiu gehört auch heuer zu den kulturellen Großveranstaltungen. Europaweit, sagt Festivaldirektor Constantin Chiriac. Wer keine Karten in dem seit April möglichen Vorverkauf erstanden hat, hat den Moment verpasst. Die meisten Vorstellungen in den kleineren Sälen (Theater-, Studio-, Thaliasaal) sind ausverkauft (zumal eh wenige in den Freiverkauf gelangen, da viele Plätze für Einladungen vergeben werden). 70 Prozent der Veranstaltungen finden jedoch im Freien statt und denen kann man kostenlos beiwohnen. Das sei eine Hommage an die Bürger von Hermannstadt und die Umgebung sowie die zahlreichen Touristen, so Chiriac auf der Pressekonferenz am Montag. Das Festival beginnt, wie bekannt gegeben, am Freitag und dauert bis zum 15. Juni. Der Etat beträgt heuer fast 8 Millionen Euro, etwa 17,5 Prozent sind Mittel aus öffentlicher Hand. Das Motto der 21. Ausgabe lautet: Einzigartigkeit in Verschiedenheit.

Veranstaltungen geboten werden in 13 Sektionen von Theater und Tanz über Musik und Zirkus zu Film, Konferenzen und Ausstellungen. An Letztgenannten stehen zehn im Programm, wobei es sich nicht bloß um Fotoausstellungen zu Vorstellungen handelt, sondern auch um ein Triptychon von Ştefan Câlţia im Foyer des Thalia-Saales. Wieder am Werk sein wird am Theaterzaun Dan Perjovschi. Quasi zum Rahmenprogramm gehören Buchvorstellungen, eine Buchmesse (am Kleinen Ring/Piaţa Mică (ab dem 13. Juni) und die Veranstaltungsbörse. An Konferenzen kündete Chiriac jene des Historikers Lucian Boia, des deutschen Regisseur Peter Stein (im Dialog mit Emil Hurezeanu am 14. Juni) und des amerikanischen Autors Neil LaBute an. Geboten werden für Theaterstudierende und sonstige Interessenten Workshops außer von LaBute fernerhin von Francisco Gelabert, Nakamura Yo sowie Yuri Kordonsky, zur Vorführung gelangen (im Astra-Kinosaal am Kleinen Ring) auch auf Film gebannte Klassiker unter den Theateraufführungen, darunter solche, die Peter Brooks inszeniert hat. Am 14. Juni findet erneut eine Gala (im Thalia-Saal) statt, Sterne auf dem Walk-of-Fame erhalten heuer Martin Hochmeister (der Gründer des ersten Theaters in Hermannstadt und Erbauer des Dicken Turms), Radu Stanca (der Namensgeber des hiesigen Theaters), aber auch die zeitgenössischen Regisseure Peter Stein, Peter Brook, Lev Dodin und Krystian Lupa sowie der Choreograf Gigi Căciuleanu.

An deutschsprachigen Aufführungen steht am 12. Juni die Contra-Trilogie von Esteve Soler im Programm („Gegen die Demokratie“ um 17 Uhr im Studio-Saal, „Gegen die Liebe“ um 18.30 Uhr im Gong-Theater und „Gegen den Fortschritt“ ebenda um 20 Uhr). Ausverkauft ist „Der Geizige“ nach Molière des Schauspielhauses Wien am Samstag. Geboten werden die Inszenierungen von Silviu Purcărete am Radu-Stanca-Theater („Faust“, „Gullivers Reisen“, „Oedipus“), vertreten ist desgleichen Radu Afrim mit zwei Stücken. Gespielt wird wiederum auch auf der Michelsberger Burg, ebenso wie in Sportsälen von Schulen. Die musikalischen Darbietungen reichen von einem Orgelkonzert von Ursula Philippi (12. Juni, 19 Uhr, Johanniskirche) über Fado-Musik hin zum Cantabile-Quartett aus London. Das Festival umfasst auch heuer Pop-Rock-Konzerte am Großen Ring u.a. von Andra (6. Juni), „Pasărea Rock“ (7. Juni) oder Viţa de Vie (13. Juni). Nicht zu kurz kommen Blasmusikfreunde: Zu hören sein werden die Kapelle aus Cozmeşti, jene aus Pisa aber auch die Stadtkapelle Sachsenheim (11. Juni, 19 Uhr, Kleiner Ring; 12. Juni, 19 Uhr, Heltauergasse). Als Novum ist „Luminarium Mirazozo“ (6. bis 9. Juni am Kleinen Ring) angekündet, ein 48 Meter langes und 27 Meter breites aufblasbares Kunstgebilde der britischen Architects of the Air, die nach Eintauchen in die Farbwelt eine einzigartige meditative Erfahrung versprechen. 30 der über 200 diesjährigen Volontäre – sie kommen aus Hermannstadt aber auch Japan, Südkorea, Polen, Großbritannien, Frankreich, Finnland und der Türkei – haben das Bedienen der Installation geübt. 

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