Eisenbahnstrecke gepachtet

RC-CF Trans muss Orawitza-Jam mit bisherigem Personal betreiben

Mittwoch, 05. September 2012

An der Rumänischen Warenbörse konnte die Nationale Eisenbahngesellschaft CFR im Rahmen ihrer finanziellen Sanierungsmaßnahmen in den vergangenen Monaten drei weitere Bahnstrecken verpachten. Die Lokalstrecke Ploiesti Crâng – Ploiesti Vest, die für den Pendlerverkehr in der Erdölstadt wichtig ist, wurde von Vest Transrail gepachtet, in Siebenbürgen wurde Buda-Slanic von Transferoviar Group aus Kronstadt übernommen und im Südostbanat ist die älteste Bahnlinie Rumäniens, Orawitza/Oravita - Jam/Iam von RC-CR Trans übernommen worden.

CFR hatte die Bahnstrecken zu einem Jahrespachtpreis angeboten, der bei der Ausschreibung bei 12.700 Lei begann. Die Bahnstrecke Orawitza-Jam ist letztendlich für 41.000 Lei/Jahr verpachtet worden. Zur Übernahmeverpflichtung von RC-CR Trans gehört, dass die neuen privaten Betreiber dieser Bahnstrecke das gegenwärtig dort tätige Personal auf Zeit mit übernehmen müssen. Damit erfüllt CFR „das soziale Minimalpaket“, zu dem sich der Staat selbstverpflichtet hat, als der Beschluss zur finanziellen Sanierung der Nationalen Eisenbahngesellschaft CNCFR SA gefasst wurde.

Die Verpachtung der drei Bahnstrecken über die Bukarester Warenbörse geschah bereits Ende Juli. Die Verträge sind im Laufe des August ausgehandelt und unterzeichnet worden. Ab 1. September werden die Bahnstrecken privat betrieben.

Orawitza-Jam ist 1854 für den Verkehr freigegeben worden, nachdem der zu Beginn der 1840er Jahre begonnene Bau der Bahnstrecke durch die Wirren der bürgerlich-nationalen Revolution im Habsburgerreich 1848-49 unterbrochen worden war. Ursprünglich war die Bahnlinie als „Kohlenbahn“ für den Transport der Anina-Steierdorfer Steinkohle zum Donauhafen von Basiasch/Bazias gedacht, wo eine Verladestation der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft (DDSG) eingerichtet war. Kurz nach Inbetriebnahme und (fast) bis zum heutigen Tag ist die Bahnstrecke für gemischte Personen-Warentransporte genutzt worden, wobei neben ein-zwei Perrsonenwagen auch eine variable Zahl von Güterwagen hier verkehrten.

Den ersten schweren Schlag erlitt die älteste Bahnstrecke Rumäniens zu Beginn der 1950er Jahre, mit Ausbruch des Konflikts zwischen Tito und Stalin, als der Streckenabschnitt, der von Jam aus über jugoslawisches, also „feindliches“, Territorium nach Basiasch ging, herausgerissen wurde, um keine Verbindungsmöglichkeit zu den „Lakaien des Kapitalismus“ zu belassen. (In der selben Zeitspanne ist die „Banater Maginotlinie“, der Befestigungsgürtel parallel zur rumänisch-jugoslawischen Grenze, der heute noch als verbuschtes Territorium inmitten landwirtschaftlicher Flächen – hinter dem sich verwilderte Bunker und Verteidigungsgräben verbergen, deren Anlageplan heute noch auf „Geheimkarten“ des Verteidigungsministeriums archiviert ist – an der Straße von Wojtek/Voiteni nach Stamora-Morawitza gesehen werden kann.)

Den größten Schlag aber erlitt die Bahnstrecke nach der Wende, als der Kohlenbergbau im Anina-Steierdorfer Becken eingestellt wurde und durch die Entwicklung des Autoverkehrs und die stufenweise Verbesserung des Straßenzustands kaum noch jemand die Bahnlinie befuhr. Laut Angaben der Nationalen Eisenbahnkompanie CNCFR betragen die monatlichen Einkommen von dieser Bahnstrecke knapp 2000 Lei, die Ausgaben mit Instandhaltung und Personal für die rund 50 km lange Strecke liegen bei einem Monatsdurchschnitt von über 20.000 Lei.

Der Streckenabschnitt Anina-Orawitza steht übrigens immer noch zur Pacht frei. Allerdings gibt es bezüglich der gern „Banater Semmeringbahn/Semeringul Banatean“ genannten Strecke auch zahlreiche, oft phantasievolle Ausbaupläne zu touristischen Zwecken - allerdings bis heute keinen Investor, der zupackt. Vor ein paar Monaten hat der Kreisrat Karasch-Severin seine Option für die Übernahme der Bahnstrecke Orawitza-Anina ausgesprochen, jedoch verfügt dieser mitten im Haushaltsjahr 2012 über kein Geld zu einer effektiven Übernahme. Die Geste kam eher, um ein vorschnelles Demontieren zu vermeiden und Zeit zu gewinnen. Gegenwärtig gibt es in Reschitza Überlegungen, mit RC-CR Trans, dem Pächter der Teilstrecke Orawitza-Jam, eine Assoziierung einzugehen, um auch den Streckenabschnitt bis Anina in die Pacht/Nutzung einzubeziehen.

Zudem kommt, dass die Gespräche mit Serbien ziemlich weit gediehen sind, ein gemeinsames grenzüberschreitendes EU-Projekt (CBS) auszuarbeiten und einzureichen, um die Banater Semmeringbahn zwischen Anina und Basiasch zu einer grenzüberschreitenden Touristikbahn wiederherzustellen und gemeinsam zu nutzen und damit europäisches Industrieerbe zu retten.

Laut Angaben der Eisenbahnverwaltung (Strecke L1 Karansebesch) beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit, mit der gegenwärtig auf den Eisenbahnstrecken im Banater Bergland verkehrt werden kann, zwischen 70 und 80 km/h, alle Schnellzüge der Strecke Temeswar-Bukarest, die hier verkehren, mit eingeschlossen. Auf den Bahnstrecken des Südostbanats, von denen hier die Rede ist, können bloß Höchstgeschwindigkeiten von 40-45 km/h erreicht werden. Diese durchschnittliche Langsamkeit ist auf den Streckenzustand zurückzuführen, der nicht einmal auf dem vor ein paar Jahren generalüberholten Abschnitt Temeswar – Lugosch Geschwindigkeiten um die 100 km/h über längere Abschnitte zulässt.

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