Ende einer Odyssee?

Barockorgel aus Rosch kann in Mühlbach wieder erklingen

Sonntag, 16. Juni 2013

Die Orgel wurde einst in die Kirche in Rosch „eingepasst“.

In der schönen Kirche in Mühlbach ein weiterer Schmuck: die restaurierte Orgel aus Rosch

Im Chorraum der evangelischen Kirche von Mühlbach/Sebeş steht seit einigen Jahren eine barocke Orgel. Sie wurde im 18. Jahrhundert vom Hermannstädter Meister Johannes Hahn erbaut und befindet sich bereits an ihrem dritten Aufstellungsort. Endlich ist ihre Restaurierung vollständig abgeschlossen. Im Mai 2013 wurde das letzte Register, die Mixtur, die Klangkrone jeder Orgel, eingebaut und gestimmt. Ein Kammerkonzert des Ensembles flautissimo setzte am 26. Mai den Schlusspunkt hinter die lang dauernden Arbeiten mit einer  komplizierten Finanzierung.

Schon im 19. Jahrhundert kam diese 10-registrige pedallose Orgel aus Meschen/Moşna nach Rosch/Răvăşel. Wohlhabende Gemeinden konnten sich damals neue, größere und modernere Orgeln leisten und verkauften, wenn das möglich war, ihre alten Instrumente weiter. Ein historisches Foto aus Rosch im Kaltwassertal belegt, wie die Orgel hier „eingepasst“ wurde. Als die Kirche, die am Berg liegt, schwere Schäden aufzuweisen begann, und als der Raum für Gottesdienste längst nicht mehr genutzt wurde, kam der Moment ihrer zweiten Übersiedlung. Im Herbst 2004 begann Orgelbauer Albert József aus Klausenburg mit der Demontage des Instruments und ersten Schritten zur Restaurierung.

Es fehlten zahlreiche Metallpfeifen. Holzpfeifen waren stark vom Wurm beschädigt, die Windladen und alle mechanischen Teile der Orgel mussten repariert werden. Die Pfeifen der Schauseite (des Prospekts) wurden schon im Ersten Weltkrieg ein Opfer der Metallsammlung und später durch minderwertige Pfeifen ersetzt. Jetzt besitzt die Orgel dank einer großzügigen Spende der Firma Kronospan wieder glänzende und wohlklingende Zinnpfeifen im Prospekt. Sie hat sich an die veränderten klimatischen Bedingungen in Mühlbach gewöhnt, nachdem es anfangs hier und dort hakte oder klemmte.

Die Liste der Sponsoren für dieses Instrument ist lang. Mehrere runde Geburtstage mussten gefeiert werden, wobei die Gäste ihr Geschenk der Orgel widmeten. Bettel- und Dankbriefe, Aufrufe im In- und Ausland führten endlich dazu, dass alles an der barocken Hahn-Orgel restauriert werden konnte. Schlank steht sie zwischen zwei Säulen des gotischen Mühlbacher Chorraums. Ihr Klang, vom zarten Flötenregister bis zum strahlenden Pleno des vollen Werks, füllt den Raum und bildet einen reizvollen Kontrast zur spätromantischen Rieger-Orgel auf der Westempore.

Nicht alles, was diese Orgel erleben musste, ist uns heute bekannt. Zu ihren schönen Erlebnissen in jungen Jahren gehört das Vergolden und Bemalen durch Stephan Adolph und Josephus Valepagy im Jahr 1791, wie eine seitliche Inschrift am Gehäuse belegt. János Mesnyi, Hermann Binder, József Albert und die Mitarbeiter der Honigberger Lehrwerkstatt COT haben der alten Orgel-Dame im letzten halben Jahrhundert aufgeholfen und ihr Überleben gesichert. In Mühlbach steht nun eine strahlend schöne Orgel, ein zeitloses Dokument alter siebenbürgischer Orgelbaukunst. Das Ende einer Odyssee?

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