Endentscheid im Temeswarer Radisson-Fall

Finanzchefs wurden freigesprochen

Freitag, 09. August 2013

Temeswar – Nach einem vierjährigen Prozess und vier aufeinanderfolgenden Aufschüben bei Gericht erließ nun das Amtsgericht Bukarest einen Endentscheid in dem viel Aufsehen erregenden Temeswarer Immobilienbetrug Radisson: Die Drahtzieher des millionenschweren Immobiliengeschäfts, dessen Gesamtschaden sich auf etwa zwei Millionen Euro beläuft, wurden zu insgesamt 24 Jahren Haftstrafe verurteilt, das heißt Ciprian Nistor, der Kopf des Unternehmens, zu zehn Jahren Haft, seine Komplizen, Andreas Nadasdy und Dumitru Cojocaru, zu acht bzw. zu sechs Jahren, verurteilt. Die Mitangeklagten, alle mit leitenden Ämtern im Temescher Finanzwesen, Gheorghe Ilas, ehemaliger Chef des Temescher Finanzamtes, Ionel Olari und dessen Sohn Răzvan, beide Kommissare der Finanzpolizei, wurden jedoch letztlich freigesprochen. Desgleichen wurde auch Octavian Mareş, Eigentümer der Temeswarer Reghina-Hotels, von der Anklage auf falsche Zeugenaussage zugunsten der Mitangeklagten Ionel Olari und Răzvan Olari freigesprochen. Der Entscheid sieht auch die Entschädigung der in diesem Fall geprellten 100 Privatpersonen aus dem Kreis Temesch mit Summen zwischen 6000 und 120.273 Euro vor. Die als Sicherheitsmaßnahme von der Antikorruptionsbehörde vorgenommene Beschlagnahmung der Häuser von Ionel und Răzvan Olari wurde rückgängig gemacht. Da ein Teil der Angeklagten freigesprochen wurde, ist zu erwarten, dass der Ankläger DNA in Kürze Einspruch gegen dieses Gerichtsurteil erheben wird.

Laut der Anklage durch die Antikorruptionsbehörde DNA – der Fall hat übrigens auch zur vorzeitlichen Pensionierung des damaligen Leiters von DNA Temesch, Vlad Speriusi, geführt – hatten die Angeklagten Nistor und Nadasdy, Gesellschafter und Verwalter von Immobilienfirmen, sich als seriöse Immobilienentwickler ausgegeben, mit  zirka 100 Personen Bauverträge abgeschlossen und von diesen hohe Geldsummen für die Errichtung dieser Neubauwohnungen kassiert. Die Untersuchungen ergaben, dass die Gutgläubigen für eine Wohnung in den beiden Radisson-Wohnblocks Summen zwischen 50.000 und 80.000 Euro voraus bezahlt hätten. Als hauptsächliches „Lockmittel“ und Werbung für ihren Coup hatte das Betrüger-Duo den schon fertiggestellten vierstöckigen Wohnbau in der Temeswarer Dej-Straße genutzt. Dieser Wohnbau kam dann im Frühjahr 2010 durch eine öffentliche Versteigerung in die Hände des syrischen Geschäftsmanns Achmed Jabri Tabrizzi, da die Beiden bei diesem eine ungetilgte Schuld von 700.000 Euro hatten. Der Bau wurde darauf von der rumänischen Gesellschaft mit italienischem Kapital „Sinergy Est“ für über eine Million Euro angekauft.

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