„Er hat der Kirche eindeutig den Stempel seines Geistes aufgedrückt“

200 Jahre seit der Geburt von Georg Daniel Teutsch

Dienstag, 12. Dezember 2017

Georg Daniel Teutsch, Gemälde von Prof. Karl Ziegler (1902) im Presbyterialsaal des Stadtpfarrhauses Schäßburg. Bis zur Verstaatlichung 1948 hing es in der Aula der Bergschule, wo Georg Daniel Teutsch als Lehrer und später als Direktor wirkte.

Heute, am 12. Dezember 2017, erfüllen sich 200 Jahre seit seiner Geburt und bereits am 19. September d. J. erfüllten sich 150 Jahre, seit er zum Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in den siebenbürgischen Landesteilen Ungarns gewählt worden war. Im kommenden Jahr 2018, werden es 125 nach seinem Tod sein. Er war eine der bekanntesten siebenbürgisch-sächsischen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts und er hat – wie kaum ein anderer – in vielen Gesellschaftsbereichen segensreich gewirkt: Georg Daniel Teutsch war Bischof und Visionär, Historiker und Schulmann, Politiker und Stratege. Er war der erste Bischof, der seinen Sitz wieder in Hermannstadt hatte, und dies 295 Jahre nach dem zweiten lutherischen Bischof unserer Landeskirche, Matthias Hebler, der von 1556 bis 1571 „Superintendent“ (so hieß das höchste geistliche Amt damals) der „Ecclesia Dei nationis Saxonicae“ war.

Georg Daniel Teutsch wurde in Schäßburg geboren und entstammte kleinbürgerlichen Verhältnissen. Hier besuchte er die Schule, wobei die beiden Lehrer Michael Gottlieb Schuller (der spätere Schäßburger Stadtpfarrer und Gegenkandidat für das Bischofsamt) und Carl Goos (der spätere Rektor der Bergschule) einen tiefen Eindruck bei ihm hinterließen. Nach der Reifeprüfung verließ er im Alter von 19 Jahren Schäßburg, um sein Studium an der evangelisch-theologischen Lehranstalt in Wien zu beginnen. Da ihm das dort angebotene Studienprogramm nicht behagte, wechselte er bereits 1838 nach Berlin. Hier hörte er die Vorlesungen des Historikers Leopold von Ranke und wurde in seinem historischen Denken maßgeblich von ihm beeinflusst, ebenso wie jene des Geografen Hinrich Ritter. Da während seines Aufenthaltes in Berlin sein Vater verstarb, musste der dortige Studienaufenthalt sich auf zwei Semester beschränken.

Knapp 22-jährig kam er nach Siebenbürgen zurück. Da in Schäßburg zunächst keine Lehrerstelle frei war, ging er zunächst als Hauslehrer nach Karlsburg. Im Jahr 1842 wechselte er an die Bergschule nach Schäßburg, an die Schule, die später seinen Namen – „Bischof-Teutsch-Gymnasium“ – tragen sollte; dies bis zur Enteignung im Jahr 1948. Das Jahr 1842 ist wichtig für seinen weiteren Werdegang als Historiker, weil er zum ersten Mal an der Tagung des siebenbürgischen Landeskundevereins teilnahm. Er sollte ein verdientes Mitglied desselben werden, wobei ein Preisausschreiben des Landeskundevereins ihn dazu herausforderte, das wichtigste Werk seines Lebens zu verfassen: „Geschichte der Siebenbürger Sachsen für das Sächsische Volk“, die sogenannte „Sachsengeschichte“.

Im Jahr 1845 wurde er Konrektor und im selben Jahr heiratete er Charlotte Berwerth, die aber bereits ein Jahr nach der Heirat verstarb. Im Jahr 1848 heiratet er ein zweites Mal, und zwar die Schwester seiner verstorbenen Frau, Wilhelmine. Zehn Kinder hatten sie gemeinsam, von denen zwei Jungen und ein Mädchen sowie der Sohn aus erster Ehe früh verstarben.

Georg Daniel Teutsch wurde 31-jährig zum Hauptmann der Schäßburger Bürgerwehr gewählt und war als solcher an der Revolution von 1848 beteiligt. Im Februar 1849 wurde die Stadt Schäßburg geräumt, weil man einen Angriff befürchtete. Schon ab dem Sommer 1849 ging er aber wieder seiner wissenschaftlichen Arbeit nach. Im Jahr 1850 wurde er zum Gymnasialdirektor der Bergschule gewählt. Er hatte dieses Amt 13 Jahre lang inne.

Die Neugestaltung des höheren Schulwesens beschäftigte ihn, und es ist sein Verdienst, dass die Deutsch unterrichtenden Schulen in Siebenbürgen die damalige Zeit der Magyarisierung fast ohne Schaden überstanden haben. Aber auch die Neuordnung der Kirche lag ihm am Herzen. Seinem vorausschauenden Handeln ist die damalige staatsunabhängige konsistoriale Kirchenverfassung zu verdanken, die im Jahr 1861 auf der ersten Landeskirchenversammlung beschlussmäßig angenommen wurde und die – wenn auch mit den notwendigen Anpassungen nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie nach der Wende von 1989 versehen – in ihrer Struktur uns bis heute erhalten geblieben ist.

Evangelische Kirche und deutsche Schule führten bis 1948 in Siebenbürgen eine symbiotische Existenz. Es war üblich, aus dem Lehramt ins Pfarramt zu gehen. Im Jahr 1863 übernahm Georg Daniel Teutsch das Pfarramt von Agnetheln, wurde im Jahr 1864 zum Dechanten des Schenker Kirchenbezirkes gewählt und schließlich am 19. September 1867 zum Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Siebenbürgen.

Das Zitat, welches an der Decke der Aula der Bergschule (des heutigen „Joseph-Haltrich-Gymnasiums“) neben seinem Namen steht, trifft den Nerv bzw. sagt das Wesentliche darüber aus, wie Georg Daniel Teutsch gedacht und gelebt hat: „Ein Volk, das eine Schule und eine Evangelische Kirche hat, ist eigentlich nie als verloren anzusehen“.

Im zweiten Band „Die Bischöfe der Evangelischen Kirche A. B. in Siebenbürgen“ schreibt Ludwig Binder: „An Ideenreichtum und Originalität mögen ihm andere Männer im 19. Jahrhundert, wie Stefan Ludwig Roth, überlegen sein, die innerkirchlichen Notwendigkeiten mag um die Mitte des Jahrhunderts Joseph Fabini sachkundiger beurteilt haben; in der Kunst der Darstellung und in den scharfgeschliffenen Formulierungen überragt ihn sein Mitarbeiter und Nachfolger Friedrich Müller d. Ä. Gewiss gab es auch Pfarrer, die auf dem Gebiet der Theologie besser Bescheid wussten als Georg Daniel Teutsch. Aber keiner war so erfolgreich in der kirchenpolitischen Tätigkeit, und keiner hat der Kirche so eindeutig den Stempel seines Geistes aufgedrückt wie er. Das ist letztlich auf seine außerordentliche politische Begabung zurückzuführen, die ihn, selbstverständlich bei Einbeziehung der veränderten geschichtlichen Lage, wohl an die Seite Samuel von Brukenthals stellt.“

Der Historiker Thomas Nägler vergleicht ihn mit dem im Jahr 2011 heiliggesprochenen siebenbürgischen Metropoliten Andrei [aguna (1808 – 1873), welcher „ähnlich geartet“ und mit ähnlichen Problemen konfrontiert war: „Ihr Wissen und ihre Sorge um ihr Volk in bedrängter Zeit stellen sie trotz unterschiedlicher Ausgangspunkte Seite an Seite.“ (T. Nägler in „Briefe an G. D. Teutsch“). Garant für die Verbindung zwischen den beiden war vor allem der Jurist Jakob Ranicher, der als Hauptanwalt der Evangelischen Kirche A. B. federführend an der Erstellung der konsistorialen Kirchenordnung beteiligt war und als persönlicher Berater und Freund von Andrei Şaguna einen maßgeblichen Beitrag an der Erarbeitung der Kirchenordnung für die Orthodoxe Metropolie von Siebenbürgen hatte.

Gerade seiner Begabung auf politischem Gebiet ist es zu verdanken, dass in der Zeit, als die Siebenbürger Sachsen als politische Entität aufhörten zu existieren – dies bedingt durch die Auflösung der Nationsuniversität, der politischen Selbstverwaltung –, ihnen der Lebensnerv nicht durchschnitten werden konnte. Mit einer frappierenden Intuition hat Georg Daniel Teutsch den Puls der Zeit, in der er lebte, gefühlt, und die richtigen Konsequenzen daraus gezogen und für die Praxis fruchtbar gemacht. In und durch die Institution Evangelische Kirche A. B. und der dazu gehörenden Schule versuchte er das aufzufangen und wettzumachen, was durch den Verlust der politischen und verwaltungsmäßigen Eigenständigkeit verloren gegangen war.

Nicht ganz ohne Stolz dürfen die Schäßburger diesen so wichtigen Mann als den ihren betrachten.

Kommentare zu diesem Artikel

Anne, 12.12 2017, 19:46
Informativ und knappe aber übersichtliche Darstellung. Formale Aspekte wurden berücksichtigt und das schwierige Unterfangen eine Biographie, also dem Leben einer großen Persönlichkeit in seiner Problematik und Eigendynamik auf den Grund zu sehen, ist dem Autor in telegraphischer Manier gelungen. Ob künftige Generationen nach der Erforschung der genauen Details neugierig geworden sind oder nicht bleibt noch zu erwarten, zumindest liefert der Artikel, trotz seiner Schwächen (Knappheit, Gedankenwiederholungen) genügend Anhaltspunkte zu ferneren historiographischen Recherchen. Gut punktiert ist die politische Einbettung der Gestalt Teutsch´s und die Parallelen zu anderen Persönlichkeiten jener Tage, die Siebenbürgen sein heutiges Gesicht geben sollten.

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