Ergebnis der Gleichberechtigung der Geschlechter in der Kunst

Das Frauenmuseum in Bonn stellt ausschließlich Künstlerinnen aus

Donnerstag, 09. Januar 2014

Die Künstlerin Marianne Pitzen erhielt 1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Sie gründete 1981 das Frauenmuseum und ist Mitglied der Künstlerinnengruppe „zart & zackig“.
Foto: Annik Trauzettel

Mitten in Bonn, etwas versteckt in einem Hinterhof, liegt das erste Frauenmuseum der Welt. Aus dem einstigen Einkaufszentrum entschied sich die deutsche Künstlerin Marianne Pitzen mehr zu machen. Nämlich eine Einrichtung für Künstlerinnen, die sonst in einer von Männern beherrschten Kunstlandschaft nicht die Beachtung erhielten, die sie und ihre Werke verdienten. Es war ein ambitionierter Traum, den Pitzen Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre hatte. „Wenn man als junge, werdende Künstlerin durch die Museen damals gegangen ist, hat man doch feststellen müssen, dass Frauen zwar nackt im Museum sind: Sie liegen, sie knien, sie recken sich und alles treiben sie als nackte Modelle. Aber die aktiven Künstlerinnen fehlten“, meint die inzwischen 65-jährige Künstlerin. „Und da ist man doch als junge, werdende Künstlerin völlig fertig und man denkt sich: Gehöre ich etwa nicht zu den kreativen Wesen?“
Ehe sie das Frauenmuseum 1981 eröffnete, musste sie mit der Stadtverwaltung Bonn zurechtkommen und das alte leer stehende Kaufhaus für ihre Sache gewinnen. Mit einer Gruppe von Architektinnen startete sie zuerst mit Bürgerinitiativen sowie Projekten zur Stadtplanung. „Aber immer mit dem Gedanken, wir müssen ein Museum haben.“

Seit 33 Jahren besteht inzwischen das Frauenmuseum. 2011 wurde Geburtstag gefeiert. 700 Ausstellungen und fast genauso viele Kataloge sind das Ergebnis von drei Jahrzehnten unermüdlicher Arbeit. Rund 2500 Künstlerinnen haben im Frauenmuseum bis heute ausgestellt. Es dauerte nicht lange, bis auch andere Länder eine ähnliche Initiative starteten. Obwohl Pitzens Museum das erste war, so sieht sie es doch als eine Idee, die schon in der Luft lag. „Denn kaum waren wir gegründet, da kamen auch schon die Ladys aus Dänemark und Schweden, sie hätten dieselbe Idee und sie wollten sich bei uns abgucken, wie man es machen könnte.“ So hatten sie auch von vornherein zusammengearbeitet.
Für Pitzen und ihr Team war es keine leichte Arbeit. Künstlerinnen wurden lange Jahre nicht so beachtet, wie ihre männlichen Kollegen. „Frauen standen bis 1980 sehr im Schatten.“ Die Frauenbewegung, die 1968 entstand, befasste sich zuerst mit sozialen Themen. „Wir haben gesagt, wie wollen auch die Zukunft gestalten und haben erstmals eine Gruppe gegründet, die hieß „Frauen formen ihre Stadt“ bzw. „Frau + Futura“ und dann haben wir uns eine bundesweite Ausschreibung geleistet, sodass Frauen aus ganz Europa ihre Pläne an uns geschickt haben, wie sie sich eigentlich eine ideale Stadt vorstellen würden.“

Heute stehen Frauen nicht mehr nur als Aktmodelle im Museum, sondern auch als Namen auf Plaketten neben ihren eigenen Bildern. „Die Situation hat sich geändert“, so Pitzen. „ Als wir anfingen, sah man noch wenige Künstlerinnen in den Museen und heute sind sehr viele da. Aber sie sind nur temporär in den Museen. Sie sind die Teilnehmerinnen verschieden toller Ausstellungen, aber wenn es darum geht, für den Bestand der Museen, also nachhaltig zu arbeiten, da sind sie dann nicht mehr da.“
Nicht nur Ausstellungen organisiert das Frauenmuseum Bonn. Es wird auch wissenschaftlich in der Einrichtung gearbeitet. Im Museum befindet sich ein Archiv mit 100.000 Einträgen von Politikerinnen aus der ganzen Welt. Pitzen und ihr Team haben sich für das Wahlrecht in Europa stark gemacht. Sie haben sich um Themen wie „Frauen und Geld“, „Erotik“, „Gesundheit“ oder „Umwelt“ gekümmert. Kein wichtiges, für Frauen relevantes Thema lässt das Museum aus.
Auch rumänische Künstlerinnen haben in den letzten zwanzig Jahren im Frauenmuseum ausgestellt. Die erste Gruppenausstellung fand Anfang der 1990er Jahre statt. Eine rumänische Ärztin setzte sich mit dem Frauenmuseum in Verbindung und brachte 24 Künstlerinnen nach Bonn. „Und die hatten dann eine Ausstellung aus zwei Museen mitgebracht. Das war einmal das Militärmuseum und das waren Bilder von Frauenheldinnen. Die machten sich hier in Deutschland sehr gut.“

Es war eine aufregende Zeit sowohl für die Rumäninnen als auch für Pitzen. Denn die Künstlerinnen wollten sich im Ausland absetzen. „Sie wollten hier mindestens vier Wochen leben und überleben, darum verkauften sie auch ihre Arbeiten. Sie haben hier im Haus gewohnt und das war sehr dramatisch. Immer wenn wir ein kleines Problem miteinander hatten, denn mit 24 Damen war es nicht einfach, dann haben sie eine Riesenflasche gebracht und da war natürlich ein bestimmtes Getränk da drin und das hat uns wieder besänftigt.“
Namhafte Künstlerinnen aus aller Welt waren mindestens einmal im Frauenmuseum zu Gast. Es ist ein wichtiger Ort, wo Frauen auf gleicher Augenhöhe mit ihren Künstlerkollegen stehen durften. Inzwischen ist das Frauenmuseum keine Insel mehr. Heute stellt es nicht mehr nur eine Zuflucht für Künstlerinnen dar, die von der Welt nicht beachtet werden. Im Frauenmuseum Bonn wurde das Feuer entfacht und es hat sich in den letzten drei Jahrzehnten erfolgreich ausgebreitet.

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