Erinnerungen eines Kronstädter Forstingenieurs über seine Tätigkeit in Ceylon

Zu: „Drumuri prin junglă“ von George Monel Vătăşan, Verlag Transilvania Expres, Kronstadt, 2016

Freitag, 02. September 2016

Drumuri prin junglă“ von George Monel Vătăşan, Verlag Transilvania Expres, Kronstadt, 2016

George Monel Vătăşan (rechts) und der Bergsteiger Mircea Noaghiu, der das Vorwort des Bandes verfasst hat.
Foto: Ralf Sudrigian

„Wege durch den Dschungel“ ist ein Buchtitel der zunächst auf Abenteuer und Entdeckungsreise schließen lässt. In dem Erinnerungsband des Kronstädter Forstingenieuren George Monel Vătăşan findet der Leser auch etwas an Abenteuer und Entdeckung einer uns noch wenig bekannten Welt mit ihrer Lebenskultur. Es geht aber um den Einsatz rumänischer Fachleute, ab 1969 in Ceylon, dem späteren Sri Lanka, im Rahmen eines Entwicklungsprojektes zur Förderung der lokalen Forstindustrie. George Monel Vătăşan, gebürtiger Kronstädter, Jahrgang 1933, war mit dabei und zuständig für das Anlegen von Forststraßen. Er hatte das Glück, dass ihm bald nach Ceylon seine Ehefrau Nina Vasiliu folgen konnte. Beide hatten sie die Kronstädter Fakultät für Forstwissenschaften absolviert, beide waren jung und liebten die Berge … und die Freiheit. Denn schnell erkennen sie, dass diese einmalige Chance, via Sri Lanka, aus dem kommunistischen Lager in den freien Westen zu fliehen, unbedingt genutzt werden musste. Das Buch endet mit der Beschreibung der Ankunft in Westdeutschland, der Anpassung an die neuen Gegebenheiten, wobei der Verfasser hervorhebt, wie viel ihnen damals die ehemaligen Schulkollegen und -kolleginnen von Nina von der deutschen Schule in Kronstadt (ausgewanderte Siebenbürger Sachsen) geholfen haben.

Der Band ist reich illustriert (über hundert Farb- und Schwarzweißfotos, die in den Text an den passenden Stellen eingegliedert sind) und leicht zu lesen. Man erfährt vieles aus dem Leben in Ceylon was noch an die britische Kolonialzeit erinnert. Der Dschungel hat zwar seine Gefahren (z.B. Begegnungen mit den wilden Elefanten) ist aber nur dort schwer zugänglich, wo alte mächtige Bäume umgestürzt sind und der wilden spontanen Vegetation nun das lebenswichtige Licht durchdringen lassen. Lesenswert sind die Beschreibungen über die Zustände und Verhältnisse in diesem südasiatischen Inselstaat aber auch die eigentliche Zusammenarbeit zwischen Rumänen und Einheimischen.

Der Verfasser erweist sich bald als praxisorientierter Experte, der schnell Lösungen findet und zu seinem Wort steht und außerdem als einer der wenigen Rumänen, der das gesprochene Englisch sehr gut versteht und nicht nur, wie viele seiner Kollegen, das Schul-Englisch aus den alten Lehrbüchern. Schnell merken die Partner aus Ceylon, dass er mehr bewegen kann als seine Vorgesetzten. Vătăşan beschreibt kritisch das Verhalten mancher Kollegen (aus diesem Grund sind einige Namen auch geändert, wie der Verfasser uns zugab): die einheimischen Arbeiter werden von oben herab betrachtet, sie gelten als „Zigeuner“; viele der Rumänen sind auf jeden Cent vom in harter Währung ausbezahltem Tagesgeld scharf (zu jener Zeit viel Geld im Vergleich zum im sozialistischen Rumänien ausgezahlten Lohn). Günstige Gelegenheiten für rumänische Erzeugnisse gute Werbung zu machen, werden verpasst, weil das eigene Interesse Vorrang hat, aber auch weil die rumänischen Behörden oft oberflächlich und unprofessionell reagieren. Neid und Misstrauen der Parteifunktionäre gegenüber dem Ehepaar Vătăşan lassen nicht auf sich warten.

Monel und Nina nützen die Gelegenheit, über ihre Bekanntschaften den Jahresurlaub nicht in ihrer Heimat sondern auf einer Reise in Japan, Indonesien, Singapur und am Fuße des Himalaja-Gebirges zu verbringen, ohne noch auf Bewilligung aus Bukarest zu warten. Da wird ihnen schnell klar, dass das bei der Rückkehr nach Rumänien Folgen haben wird, so dass der Rückweg in die Heimat eigentlich zu einem Neuanfang in der freien Welt werden muss. Die Schilderung dieser Urlaubsreise spricht für den Drang des jungen Ehepaars Neues kennenzulernen, für den Mut unbekannte Wege zu betreten und auf die eigenen Kräfte zu setzen. Interessant ist auch zu erfahren, wie wenig entwickelt Anfang der 70er Jahre der internationale Tourismus noch war, wie man es sich noch leisten konnte, ein Taxi für mehrere Stunden zu mieten oder wie großzügig die Fluglinien noch bei Übernachtungen wegen Zwischenlandungen waren.

„Wege durch den Dschungel“ kombiniert die Beschreibung von für uns exotischen Lebensräumen mit persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen, wobei alles an Spannung gewinnt, weil dabei auch die aus Rumänien in den Westen geplante Flucht im Hintergrund mitspielt.

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