Erlebnis- und Durchreiseland Schweiz

Europäisches Musterbeispiel in vielen Bereichen

Freitag, 10. August 2012

Bald geht es durch den Gotthard-Straßentunnel.

Das alte Stadtzentrum von Basel bietet viele Sehenswürdigkeiten.
Fotos: der Verfasser

Allein schon beim Aussprechen des Namens der Schweiz stellt man unwillkürlich eine Verbindung zu wunderschönen Berglandschaften her, wo sich die Alpen in den Seen widerspiegeln, zu Autobahnen und Eisenbahngleisen, auf denen man aus einem Tunnel in den anderen über in schwindelnder Höhe gebaute Viadukte fährt, zu Sessellifts oder Seilbahnen, mit denen man auf höchste Gipfel gelangen kann. Durch seine zentrale Lage im Zentrum Westeuropas, benachbart mit hoch entwickelten Wirtschaftsgebieten wie Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg), Westösterreich (Vorarlberg, Tirol), Norditalien (Lombardei), Südostfrankreich (Grenoble, Lyon), ist die Schweiz auch ein stark beanspruchtes Durchreiseland, sowohl für Touristen als auch den Güterverkehr. Durch die sehr gute Straßeninfrastruktur kann man als Durchreisender bestens vorankommen, doch die Landschaft tut es einem an und man vergisst dabei, auf die Uhr zu schauen – gerade auch, wenn es nicht eine schweizerische ist –, um rechtzeitig an sein Reiseziel zu gelangen. Man kann sich kaum satt sehen an den Berggraten, den wie im Bilderbuch auf diesen befindlichen Wiesen, auf denen Rinder – nicht die lila Milka-Kühe – weiden, an den abseits liegenden Ortschaften mit den spezifischen Bauernhäusern oder in die Landschaft bestens eingegliederten Neubauten, an den Seen, an denen man Kilometer entlang fährt und in denen sich Landschaft und Sonne spiegeln.

Berge, Brücken, Tunnel, Seen

Dieses Mal sind wir auf der Durchreise durch die Schweiz in Richtung Italien. Doch lassen wir es uns nicht nehmen, Basel und Lugano zu besichtigen. Natürlich werden der Luganer See und der Gotthard Straßentunnel auch zum Erlebnis.

Von Bonn kommend, übernachten wir noch im „Kaiserhof“ in Bad Bellingen, bevor wir die Grenze überschreiten und die Reise durch einen Teil der Schweiz fortsetzen. Bald geht es vorbei an Basel, der Hauptstadt einer der 26 Kantone der Schweiz. Die Fahrt verläuft zügig und bald haben wir zu unserer Linken den Luganer See, in dem sich die Gipfel von Monte Bre, Monte Generoso, Monte San Salvator, Monte San Giorgio und andere Berge widerspiegeln. Insgesamt 48,7 Quadratkilometer umfasst der Luganer See, von denen sich 30,7 auf dem Gebiet der Schweiz befinden und 18 zu Italien gehören. Der See, dessen tiefste Stelle 288 Meter misst, ist eines der beliebtesten Reiseziele im südlichsten Kanton der Schweiz, im Tessin. Eine Fahrt mit dem Schiff auf dem See bleibt sicher in der Erinnerung jedes Reisenden, der die Landschaft, aber auch das hiesige milde Klima genießt, sich an der subtropisch-mediterranen Pflanzenwelt erfreuen kann. Am Strand des Luganer Sees, bekannt auch als die Riviera des Tessins, tummeln sich zu Hunderten die Badefreudigen. Weiter geht es in die Stadt Lugano, der wichtigste Standort am Luganer See, in dem es sich unbedingt empfiehlt, außer einigen interessanten Museen, die Kathedrale San Lorenzo und die Kirche Santa Maria degli Angioli zu besichtigen.

Dann geht es auf der Autobahn in Richtung Süden weiter, um durch den Sankt Gotthard-Straßentunnel nach Italien zu gelangen. Allein dieses wird schon zu einem weiteren Erlebnis. Der 16,9 km lange Tunnel wurde am 5. September 1980 für den Verkehr frei gegeben, nachdem mit dem Bau 1970 begonnen worden war. Der Gotthard-Tunnel ist Bestandteil der Autobahn A2 von Basel nach Chiasso, die vierspurig und richtungsgetrennt ist. Der Tunnel ist allerdings nur zweispurig und wird im Gegenverkehr befahren. Dieser wird ununterbrochen durch Fernsehkameras überwacht. Auf speziellen Frequenzen können die Verkehrsmeldungen empfangen werden. Bei wichtigen Informationen der Polizei werden diese unterbrochen. Der Tunnel ist bestens beleuchtet. Bei Stromausfall bleibt man nicht im Dunkeln, da ein Notstromnetz sofort einspringt. Im Brandfall schaltet sich automatisch eine spezielle Brandnotbeleuchtung ein. Außer weiteren Straßentunnels der Schweiz, wie Simplon oder San Bernardino, kann auch dieser als ein Wunder der technischen Leistung bezeichnet werden. Allgemein kennzeichnend für die Schweizer ist, dass diese ein Musterbeispiel für Produktivität darstellen, aber auch viel Sinn für die Gestaltung der eigenen Freizeit zeigen, mindestens Mitglied in einem Verein sind, in dem sie sich für die Gemeinschaft einsetzen.

Bei schönstem Wetter fahren wir in den Gotthard-Straßentunnel ein, der die Verbindung zwischen zwei der wichtigsten Wirtschaftsgebiete Europas sichert: Dem aus dem nördlich gelegenen Teil der Tunnelseite, bestehend aus Deutschland, Frankreich, England, Skandinavien und den Benelux-Ländern mit dem südlich befindlichen Italien. Zugleich stellt dieser Tunnel die kürzeste Nord-Süd-Verbindung im Alpenbogen dar. Überraschend begrüßt uns bei der Ausfahrt aus dem Tunnel nicht mehr der Sonnenschein, sondern ein Schneeregen. In den tieferen Lagen kam es sogar zu großen Überschwemmungen in Norditalien. Kaum zu fassen, doch leicht zu erklären, da wir uns auf der anderen Seite der Alpen befinden.

Basel – Weltstadt mit Geschichte

Auf der Rückreise haben wir uns zwei Tage für Basel reserviert, dieser drittgrößten Stadt der Schweiz nach Zürich und Genf. Im Jahr 44 v. Ch. gründeten die Römer eine Siedlung, etwa 20 Kilometer stromaufwärts der Stelle, wo Basel heute ist. Eine Burg wurde auf dem Münsterhügel errichtet, wo sich heute das Basler Münster befindet. Jahrhunderte hindurch gab es da die einzige Brücke über den Rhein zwischen Bodensee und Nordsee, sodass viele Warentransporte diesen Umweg auf sich nehmen mussten, um den Rhein zu überqueren. Die Brücke wurde 1225 errichtet. Die erste Universität der Stadt wurde 1459 von Papst Pius II. gegründet. Wichtige Persönlichkeiten unterrichteten hier, zahlreiche Studenten aus Europa haben dort ihr Studium absolviert. Zu gleicher Zeit wurde dort durch Schüler Gutenbergs auch der Buchdruck eingeführt. Und sind wir bei den Persönlichkeiten Basels, gilt sicher als eine der bedeutendsten Erasmus von Rotterdam, der 1536 dort gestorben ist. Paracelsus war von 1527 bis 1528 Stadtarzt in Basel, der Philosoph Friedrich Wilhelm Nietzsche hat da unterrichtet und, nicht zu vergessen, Tennisstar Roger Federer wurde 1981 in Basel geboren. Nicht zu vergessen auch der international bekannte Fußballklub FC Basel. Zudem war Basel Gastgeber einiger Spiele der vor vier Jahren in Österreich und der Schweiz ausgetragen Europa-Fußballmeisterschaft.

Heute gibt es acht Brücken über den Rhein, wobei die letzte 2006 eingeweiht wurde. Zudem gibt es noch vier Fähren, die als „Schwimmende Rheinbrücken“ bezeichnet werden. Basel hat die Verbindung zur Nordsee durch den Rhein gesichert. Auf beiden Seiten des Flusses gibt es viele Freizeitanlagen, viele Grünflächen, wo zahlreiche Stadtfeste ausgetragen werden. Basel, wegen seinem Multikulturalismus und der Geografie auch als „Manchester der Schweiz“ bezeichnet, bietet viele Sehenswürdigkeiten, die man auf seiner Tour nicht auslassen sollte: Das Münster, die Altstadt gelegen am linken Rheinufer, gekennzeichnet durch alte, aber auch neue Architektur, den Münsterplatz, die Einkaufsstraße, als Clara-Straße bekannt, das Geschichtsmuseum, den Botanischen Garten und natürlich den Marktplatz mit dem Rathaus.

Kleines Land der Superlative

Die Schweiz belegt heute in Europa und weltweit Spitzenpositionen, was wirtschaftliche Entwicklung und Tourismus betrifft. Sie wird aber auch durch Tradition, Unabhängigkeit und demokratische Entwicklung gekennzeichnet. Seit dem 13. Jahrhundert bestand sie als locker organisierter Staatenbund. In der gegenwärtigen Form beginnt ihre Geschichte mit der Annahme der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1848. Erst 2002 trat die Schweiz der UNO bei, obwohl sie schon lange vorher den europäischen Sitz der UNO in Genf sicherte. Mit einer Gesamtfläche von 41.285 Quadratkilometern und einer Bevölkerungszahl, die unter der Acht-Millionen-Grenze liegt, ist die Schweiz zum Sinnbild eines Musterbeispiels für Europa geworden.

Kommentare zu diesem Artikel

Fred aus Siebenbürgen, 16.09 2012, 11:54
Als Schweizer, der Siebenbürgen als seinen endgültigen Lebensmittelpunkt gewählt hat, danke ich für den netten Artikel über die Schweiz und den ach so wahren Kommentar von Herrmann99ro. Der guten Ordnung halber möchte ich aber betonen, dass Rumänien landschaftlich einem Vergleich mir der Schweiz durchaus Stand hält. Bis die Rumäninnen und Rumänen hier aber dasselbe politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Selbstvertrauen und die Liebe zu ihrem Land entwickeln, wie wir Schweizerinnen und Schweizer, dauert es leider noch sehr lange.
Meine Lieben, euch mangelt es meines Erachtens vor allem am Mut zum positiven Wir-denken, am Gemeinschaftssinn der von unten, also von euch kommt, den ihr selber gestaltet und den ihr nicht den institutionalisierten Autoritäten überlasst. Nach dem klaren demokratischen Grundsatz, wir sind das Volk. Der Schweizer Humanist Heinrich Pestalozzi sagte es treffend, dass im Hause beginnen müsse, was leuchten soll im Vaterland. Und das Vaterland seid nun einmal Ihr, nicht die Politiker. Und der US-Präsident Kennedy formulierte es auch treffend mit den Worten: Fragt nicht, was der Staat für euch tun kann sondern fragt, was ihr für den Staat tun könnt.
Und dann in den Medien bald auch, dass Rumänien ein Musterbeispiel für Europa ist. Nebenbei bemerkt ist in der Schweiz beileibe lange nicht alles Gold, was da glänzt.
Hermann99ro, 20.08 2012, 13:29
Ja,ja die schwytzer, schöne Landschaften,die auch voll Turistisch ausgenützt werden, aber alles ist .au-teuer,und wenn man nicht aufpasst ist man schnell pleite. sonst kann ich nur positives melden was die Schweiz anbetrifft.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*