Erster evangelischer Kirchentag im Banat

Dienstag, 17. Oktober 2017

Im Rahmen des 500. Jubiläums der Reformation und des Anschlag der Thesen Luthers am Tor der Wittenberger Kirche fand in Reschitza am vergangenen Wochenende der erste Banater evangelische Kirchentag statt. Veranstalter waren das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen, der Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ und die evangelische Gemeinschaft des Banater Berglands. Als quasi „Hausherr“ fungierte der sichtlich gerührte Semlaker Pfarrer Walther Sinn (im Hintergrund Bischof Reinhart Guip und der Generalvikar der römisch-katholischen Diözese Temeswar, Monsignore Johann Dirschl), der auch sonst die evangelischen Gemeinschaften im Banater Bergland betreut.

Der Bischof der evangelischen Kirche A.B. von Rumänien, Reinhart Guib , predigte zum Thema der Reformation und deren Auswirkungen auf unser heutiges demokratisches Leben, wobei er die von ihr ausgehenden Neuerungen und gesellschaftlichen Impulse unterstrich, aber auch die Rückbesinnung auf Urwerte des christlichen Glaubens, die Luther dringend anmahnte. Diese richtungsweisende Predigt (für deren schriftliche Form sich auch die anwesenden Geistlichen aus Deutschland und Österreich interessiert gezeigt haben) wird in einer unserer nächsten Ausgaben veröffentlicht.

Auf dem Kirchhof der Reschitzaer evangelischen Kirche pflanzten die anwesenden Geistlichen, aber auch Vertreter der Gläubigen unterschiedlichsten Glaubens, ein Apfelbäumchen der siebenbürgischen Batull-Sorte, ganz im Sinne der Luther zugeschriebenen Aussage, wenn morgen die Welt unterginge, würde er heut noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Das Bäumchen, das Bischof Guib der Pflege der Gemeinschaft aus Reschitza anvertraute, steht in der Reihe der zwölf Apfelbäumchen, die im Reformations-Jubiläumsjahr in Mitteleuropa gepflanzt wurden und noch werden. Symbolisch die Geste des katholischen Generalvikars Dirschl, gemeinsam mit dem evangelischen Bischof das Bäumchen grade zu stellen und zu befestigen .

Traditionell hält bei jedem Trachtenfest von Reschitza der Aufmarsch beim Denkmal der Opfer der Russlanddeportation. Hier werden von den Geistlichen und Laien ökumenische Gebete gesprochen und Kränze niedergelegt. Es ist dies eine Geste des Hochachtung denjenigen aus den Reihen der Deutschen gegenüber, die Opfer stalinistisch-kommunistischer Willkür wurden, die von der heutigen Jugend und der Erwachsenen gleichermaßen dargebracht wird.

Im Anschluss an den ersten evangelischen Kirchentag im Banat fand das Reschitzaer deutsche Trachtenfest statt. Hier zeigte sich erst einmal, wie viele der Teilnahmeinteressierten am Kirchentag gar nicht in die Kirche beim Reschitzaer Hüttenwerk hinein konnten: der Zug des Trachtenfestes, dem sich alle Teilnehmer am Kirchentag anschlossen, war etwa 400 Meter lang und zeigte sich der Stadt unter den Klängen der exzellenten Blasmusik aus Bistritz. Besonders beeindruckend war, neben dem Zug der in deutsche Volkstrachten Gekleideten, das einträchtige Beieiandersein von Seelsorgern verschiedenster Glaubensrichtungen und die angeregten Gespräche, die sie während ihres gemeinsamen Mitdefilierens führten. Übrigens: laut Angaben von Erwin Josef Ţigla, dem Hauptinitiator des evangelischen Kirchentags, und mit Bestätigung von Bischof Reinhart Guib, soll der nächste Banater evangelische Kirchentag bereits 2019 organisiert werden.

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