Erstes Museum Siebenbürgens und Rumäniens (III)

200 Jahre seit der Eröffnung des Brukenthalmuseums in Hermannstadt

Sonntag, 06. August 2017

Die Anlage wurde als siebenbürgisches Eden gepriesen. Auch auf den anderen Gütern errichtete er Sommerhäuser. Die Landsitze dienten nicht nur der Erholung und Entspannung, sondern auch Festen und Begegnungen. Die Gartenbaukunst erlebte durch Brukenthal in Siebenbürgen volle Blüte.

Zur Förderung der Landwirtschaft gründete der namhafte Baron eine „Gesellschaft zur Förderung der Künste des Ackerbaus“, die sich um die Einführung einer modernen Agrikultur bemühte. Brukenthal selbst ging mit gutem Beispiel voran. So ließ er einen der ersten Äcker Siebenbürgens mit Kartoffeln anbauen, die damals nur zögernd Eingang fanden. Ihm gebührt auch das Verdienst, das erste Feld mit Rotklee angelegt zu haben. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er dem Garten- und Gemüsebau. In seinen sechs Treibhäusern züchtete er Ananas, Orangen und Zitrusfrüchte. Seine Baumschule lieferte Setzlinge an Interessenten.

Besonders stolz war Bruken-thal auf sein Gestüt, wobei er die Zucht edler Pferderassen betrieb. Er konnte davon öfters Pferde an Wiener Interessenten liefern. Im Jahre 1789 zählte das Gestüt Brukenthals 141 Stück. Zur Veredlung der Schafzucht importierte er langhaarige, spanische Schafböcke, deren Nachwuchs an Bauern abgegeben wurde. Das Unternehmen zeigte jedoch wenig Erfolg, da die neuen Zuchtschafe das Klima Siebenbürgens nicht vertrugen.
Um die Errichtung von Manufakturen zu ermöglichen, wurden die Zunftsatzungen gelockert. Es entstanden so mehrere Manufakturen, die Glas, Schießpulver und Textilien erzeugten.

Das öffentliche und private Leben des Ehepaars Brukenthal war ausgefüllt mit vielfältigen gesellschaftlichen Verbindungen und Empfängen. Ein Heer von Mägden, Knechten, Kammerdienern, Pferdewächtern, Kutschern, Vorreitern und sonstiges Personal bediente die Häuser unter der Führung eines Haushofmeisters. Fast täglich fanden sich Tischgäste in dem Hermannstädter Palais oder in den Sommerhäusern ein. Nicht selten waren es bis zu 20 Gäste, zu besonderen Anlässen aber auch über 40. Es war ein alter Brauch hochgestellter Herrschaften, freie Tafel zu bieten, und sie wurde von vielen in Anspruch genommen.

Brukenthal hatte in seiner Gattin eine tatkräftige Lebenspartnerin, der er zum guten Teil die wirtschaftliche Verwaltung des Besitzes anvertraute. Ihr oblag die Aufsicht über den Haushalt sowie die Empfänge und Betreuung der Gäste. Sie war auch in die wichtigsten politischen Entscheidungen ihres Ehemanns eingeweiht. Von Maria Theresia ist sie liebevoll empfangen worden. Bei der Abschiedsaudienz erhielt sie von der Kaiserin als Zeichen ihrer Huld eine goldene Dose mit einem goldenen Armring.

Leidenschaftlicher Sammler von Gemälden, Büchern und Münzen

Dem Beispiel königlicher und adliger Häuser folgend, wurde Bruckenthal ein leidenschaftlicher Sammler von Gemälden, Kupferstichen, Büchern, Münzen und Medaillen, später auch von Mineralien. Diese Sammlungen wurden vor allem während der Dienstzeit in Wien angelegt und nach der Ernennung Brukenthals zum Gubernator und der Heimkehr nach Hermannstadt verlegt. In Hermannstadt hatte Brukenthal in den Jahren 1778 bis 1788 ein imposantes barockes Palais gebaut, das bis heute zu den repräsentativsten Gebäuden der Stadt gehört und das Museum beherbergt. Der Palast entwickelte sich zugleich zu einem Kultur- und Kunstzentrum, in dem die Sammlungen untergebracht und sich Freunde und Geladene zu Gesprächen und Lesungen, zur Besichtigung der Gemäldegalerie, zu Musikdarbietungen einfanden.

Da Brukenthal keine direkten Nachkommen hatte, wählte er seine Verwandten zu Erben. Das größte Interesse gewährte er seinem Neffen Michael Gottlieb Brukenthal zu, der seit 1790 Sachsengraf war. Er bestimmte ihn zu seinen Haupterben. Die Sachlage änderte sich aber, als Michael Gottlieb in zweiter Ehe 1897 die ungarische Gräfin Christina von Teleki heiratete. Der Oheim hatte ihm davon abgeraten und religiöse und nationale Überlegungen zu bedenken gegeben. Als Sachsenkomes würde er das Vertrauen seines Volkes durch die Ehe mit einer ungarischen Adligen aufs Spiel setzen. Auch befürchtete er, dass durch einen solchen Erben sein Vermögen samt Sammlungen dem sächsischen Volk verloren gehen könnten. Als Michael die Heirat dennoch einging, änderte der Oheim insgeheim 1802 das Testament. Bald danach schloss er am 9. April 1803 für immer die Augen. Der Leichnam wurde an der Seite seiner Gattin in der evangelischen Stadtpfarrkirche bestattet.

Gründung des Brukenthalmuseums

Bei seinem Tode umfassten die Sammlungen Brukenthals 1118 Gemälde aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, etwa 400 Kupferstiche, annähernd 16.000 Bücher, 76 Wiegendrucke, etwa 200 Handschriften, rund 17.500 Münzen und etwa 2500 Stück wertvollster Mineralien. Mit diesen Sammlungen wurde 1817 im Palast auf dem Großen Ring in feierlichem Rahmen ein Museum eröffnet, das den Namen seines Stifters erhielt. Das war vor 200 Jahren und das erste Museum Siebenbürgens und auf dem heutigen Gebiete Rumäniens.

Die Öffnung des Testaments bereitete der Verwandtschaft, die von der Änderung des Stifters nichts wusste, eine Überraschung. Es sah nämlich vor, dass der gesamte Besitz als Einheit von Generation zu Generation nur an einen einzigen männlichen Universalerben der Familie Brukenthal übergehen erden durfte. Als Universalerben bestimmte das Testament, aber nicht wie allgemein erwartet, Komes Michael von Brukenthal, sondern überging ihn und seine Nachkommen, und erklärte den ältesten Sohn eines anderen Neffen zum alleinigen Erben.

Für den Fall des Aussterbens der Familie Brukenthal im Mannesstamme sah das Testament vor, alle Sammlungen zum „immerwährenden Eigenthum“ dem Hermannstädter evangelischen Gymnasiums zu schenken. 1872 war es soweit. Als der Universalerbe Baron Hermann von Brukenthal im Alter von 29 Jahren ohne männlichen Erben starb, meldete Gyula (Julius) von Brukenthal, ein Enkel von Michael von Brukenthal, Ansprüche auf die Stiftungen. Es kam zum Prozess, der sich mehrere Jahre dahin zog, in letzter Instanz vom obersten Gerichtshof in Budapest zu Gunsten der evangelischen Kirche entschieden wurde So gelangte das Brukenthalmuseum 1878 in den Besitz des deutschen Gymnasiums bzw. der evangelischen Kirche als Träger der siebenbürgisch-sächsischen Schulen.

(Fortsetzung folgt)

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