Erstmals Dörflerprotest vor der Gemeinde

Es geht (nicht nur) um den Zustand der Verbindungsstraße Bersowia-Fizeş

Donnerstag, 05. Februar 2015

Bokschan – 30 Bewohner des Bersowia/Berzovia bei Bokschan/Bocşa eingemeindeten Dorfes Fizeş/Füsesch, das knapp zehn Kilometer von der Hauptstraße Reschitza/Reşiţa – Temeswar/Timişoara entfernt liegt, protestierten Mitte dieser Woche vor dem Rathaus in Bersowia. Sie forderten Bürgermeister Ion Aurel Luca (PSD) zu einer Unterredung auf und wollten wissen, wann endlich die Kreisstraße DJ 572 in ihre Ortschaft angemessen befahrbar gemacht wird. Gegenwärtig wäre es kaum möglich, diese Straße mit einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit als 10 km/h zu befahren, so voller Schlaglöcher sei sie und in so schlimmem Zustand, dass das kein Fahrzeug lange Zeit aushält, ohne kaputtzugehen. Der auch mit ihren Stimmen schon in der fünften Legislaturperiode amtierende Bürgermeister möge endlich was Konkretes auch für seine Landsleute aus dem eingemeindeten Füsesch tun.

Der ziemlich überraschte, aber gefasste Bürgermeister nahm die Aufforderung der Bürger an, in ihrer Anwesenheit mit dem Kreisrat ein Telefongespräch zu diesem Thema zu führen. Und er redete mit den Vizepräsidenten des Kreisrats, dem für den Bau und die Instandhaltung der Kreisstraßen zuständigen Ionesie Ghiorghioni, nachdem er den Füseschern vorher vergeblich vorgeschlagen hatte, sich doch gemeinsam zu einem Gespräch nach Reschitza, in den Kreisrat zu begeben. Ghiorghionis Reaktion hörte sich am Telefon an, als sei er aus allen Himmeln gefallen. Der Protest überrasche ihn, gab er zu, weil seines Wissens die DJ 572 vor ein paar Monaten, im vergangenen Herbst, im November, repariert worden sei mit Geldern des Kreisrats. Sogar eine Brücke sei instandgesetzt worden und ihm hätte man berichtet, dass die Straße in gutem Zustand sei und unter guten Bedingungen befahrbar. Eventuelle Schäden hätten bloß wegen dem Winter entstehen können, gab er auf die Proteste hin trotzdem zu, aber die könnten erst im Frühjahr beseitigt werden. Und der Vizepräsident fragte zum Schluss, ob „die Leute nicht von irgendjemand in die Irre geleitet worden seien?“ Diese Frage, aus Reschitza nach Bersowia so einfach hingeworfen, brachte die Bürger von Füsesch erst recht auf.

Und sie begannen aufzuzählen, was in ihrem Dorf seit Jahren der Haushaltsgelder harre, um endlich repariert zu werden: neben der Straße die Dorfstraßen und die Gehsteige des Dorfes, die Schule, die immerhin noch Schüler in allen acht Klassen habe (während im gesamten Banater Bergland das Klassensterben weitergeht), die Müllabfuhr, die gänzlich eingestellt wurde.  Bürgermeister Aurel Luca musste sich das alles anhören und gab kleinlaut zu, dass seine Gemeinde kein Geld habe, um das alles, das seit vielen Legislaturperioden auf Reparaturen warte, instandzusetzen. Deshalb wurde von den Protestierenden sein Vorschlag letztendlich positiv aufgenommen, gemeinsam mit ihm am heutigen Freitag in die Präfektur und zum Kreisrat nach Reschitza zu fahren und alle ihre Forderungen und Sorgen dort direkt aufs Tapet zu setzen. Schließlich sei das meiste unter ihren Forderungen und Unzufriedenheiten nur mit Geld vom Kreisrat oder mit Regierungsgeldern – die von der Präfektur angefordert werden können – zu erledigen, beginnend mit den rund 25 km Gemeindestraßen, die den Status von Kreisstraßen haben und die die eingemeindeten Ortschaften mit dem Gemeindezentrum verbinden. Oder die Schule. Die Geschichte geht also weiter.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 07.02 2015, 16:24
fünf Legislaturperioden im Amt aber wahrscheinlich nie in dem Dorf gewesen, das auch zu seiner Kommune gehört. Keine ordentliche Straße, keine Straßenbeleuchtung, keine Müllabführ, kein gar nix, aber trotzdem brav Steuern zahlen müssen. Da fragt sich der Dorfbewohner, wozu es überhaupt einen Staat gibt, der einen so offensichtlich komplett vergessen hat.

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