Erstreaktion auf EU-Vertragsverletzungsverfahren

Orawitzaer Umweltschützer bilanzieren ihre Halbjahresaktivitäten (2)

Mittwoch, 20. Mai 2015

Zu den Prioritäten der Ökologengruppe für Zusammenarbeit GEC Nera gehört seit einigen Jahren auch das Monitoring der sich über eine Fläche von fast 150 Hektar erstreckenden Abraumdünen Bosneag und Tausani des in Auflösung befindlichen ehemaligen Kupferanreicherungswerks SC Moldomin SA Neumoldowa. Weil diese durch das in Auflösung befindliche Werk nicht mehr gewässert werden, sind sie zu einem schwerwiegenden Bedrohungsfaktor für die am Donauufer befindlichen Ortschaften Neu- und Altmoldova, Macesti, Coronini und Pojejena am linken Ufer und Veliko Gradiste, Srebreno Jezero, Vinci und Pozezeno am rechten Donauufer – praktisch für alle Ortschaften am Eingang zum Donaudurchbruch beim Eisernen Tor, geworden.

GEC Nera versucht seit seiner Gründung, auf die hohe Vergiftungsgefahr und auf die steigende Zahl der Krebsfälle hinzuweisen, die in diesen Ortschaften wegen des vom örtlichen Sturmwind „Co{ava“ verwirbelten Giftstaubs auftreten – serbischerseits liegen dazu sogar besorgniserregende vergleichende Statistiken über (Krebs-)Erkrankungen vor, die vor und nach der Stillegung von Moldomin aufgetreten sind (ADZ berichtete). Seit Februar 2014 hat die EU-Kommussion wegen dieser ungesicherten Abraumhalden ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Rumänien eingeleitet. Denn die Halden am Donauufer sind im EU-Beitrittsvertrag Rumţniens ausdrücklich als  – durch Ökologisierung - vorrangig zu lösendes Problem angeführt, unter dem Sammelbegriff „Verbesserung des Managements von Industrieabfällen“. Nur hat das bisher keine Regierung und keinen Minister für Umweltschutz sonderlich gekümmert.

 

Conversmin rührt sich. Langsam

Der Fall liegt dem Europäischen Gerichtshof in Form einer Unterlassungsklage egegen Rumänien vor und dürfte, wenn ein Urteil gefällt wird, dieses Land teuer zu stehen kommen. Voraussichtlich teurer, als wenn das Problem umwelt- und menschenschützend beizeiten gelöst worden wäre.

Erst Anfang Mai hat Rumänien erste, sehr kleine, Schritte zu einer Änderung der Situation unternommen: Conversmin, das Staatsunternehmen zur Konversion aufgegebener Bergbaugebiete, hat angekündigt, erst mal 20 Hektar der weit über 120 zu ökologisieren. „Es ist ein erster Schritt“, sagte Matei Lupu, Bürgermeister in Neumoldowa und Ex-Gewerkschaftchef bei Moldomin. „Die 20 Hektar sind genehmigt, ausgeschrieben worden und demnächst beginnen die Arbeiten. Damit wird das Problem des Giftstaubs nicht gelöst, aber es ist immerhin ein Anfang. Das Wirtschaftsministerium und das Ministerium für Umweltschutz haben die Genehmigung zur şkologischen Schließung der Abraumhalden ausgestellt. Ich hoffe, dass in kürzester Zeit dieses Problem ganz gelöst wird, denn die EU sitzt uns im Nacken. Definitiv wird dieses Problem aber erst gelöst sein, wenn es eine Finanzierung für die Ökologisierung der Gesamtfläche der Halden gibt.“

Fakt bleibt, dass das Ministerium für Umweltschutz die einvernehmlich als „dringend“ eingestuften Schutzmaßnahmen seit acht Jahren hinauzögert, trotz der Tatsache, dass alle seitherigen Umweltminister zumindest durch die Schreiben von GEC Nera, aber auch durch persönliche Inaugenscheinnahme, mit dem Problem vertraut waren.

Gegenwärtig beginnt sich GEC Nera auch auf die Abraumhalden des aufgelassenen Kupferbergwerks von Deutsch-Saska zu konzentrieren, die potenziell das selbe Risiko beinhalten wie jene von Neumoldowa, mit dem Unterschied, dass hier nicht der in der Donauklamm oft orkanartige „Co{ava“ bläst, dass also weniger Luftverwirbelungen voller Giftstaub entstehen, dafür aber die Gewässer und das Grundwasser empfindlicher belastet werden.

 

Sorge um künftige Umweltschützer

GEC Nera kümmert sich dauernd und erfolgreich um Nachwuchs. Jeden Winter werden aus den Reihen der Lyzeumsschüler Nachwuchs-Volontäre herangebildet, die anschließend im Südbanat oder, als Studenten und Hochschulabsolventen, landesweit tätig sind. Die jüngste Serie von Volontären hat Ende April 2015 ihre Eignungsprüfungen abgelegt. Sie wurden entweder „freiwillige Ökologie-Agenten“ oder „freiwillige Ökotourismus-Führer“ durch die größtenteils unter Naturschutz stehende  Bergwelt des Südbanats. Zu ihrer Ausbildung wird jährlich das Programm „Stopp den illegalen Holzschlägen in den Wäldern der Naturparks und Schutzareale des Südbanats!“ aufgelegt, das vom Fonds für Bürgerliche Erneuerung finanziert wird, der seinerseits vom Trust for Civil Society in Central and Eastern Europe über ein Sponsoring der Raiffeisenbank versorgt wird. Im gleichen Kontext der Nachwuchsförderung zum Umweltschutz wird zunehmend die Woche außerschulischer Aktivitäten im April, „Schule mal anders“, genutzt. Auch hier kommt die Finanzierung aus der selben Quelle, die durch die Stiftung zur Entwicklung der Zivilgesellschaft verwaltet wird. Im April dieses Jahres sind außer den bereits genannten Lyzeen aus Orawitza, Anina und Neumoldowa auch die Allgemeinbildenden Schulen aus Naid²{ und Deutsch-Saska/Sasca Montan² mit einbezogen worden. Diese Schulwoche war gleichzeitig die Trainings- und Praktikumswoche der Volontäre, die eine Woche darauf ihre Abschlussprüfung ablegten. Alle kamen letztendlich zur Schlussfolgerung, dass die wunderbare Natur des Südbanats in peinlichem Kontrast zu den dürftigen bis fehlenden Bemühungen zu ihrem Schutz und ihrer Konservierung steht.

 

„Herumschlendernd“ Natur sachützen

Bereits jetzt bereitet GEC Nera das „Große Herumschlendern/Marea Hoin²real² 2015“, die alljährliche Sommer- und Ferienaktion mit Jugendlichen und Schülern vor. Damit soll von den Volontären in den geschützten Arealen der Mikroregion für grenzüberschreitende Zusammenarbeit Donau-Karasch-Nera ein Monitoring der Umsetzung der öffentlichen Politiken zum Schutz der Umwelt durch die Regierung und ihre Institutionen durchgeführt werden. Außerdem wird eine ständige Aufklärungskampagne durchgeführt in den Reihen der Bevölkerung, die in unmittelbarer Nähe der geschützten Areale lebt, aber auch unter den Touristen, die in diesen Räumen wandern oder campen. Durchschnittlich nehmen an einem solchen „Herumschlendern“ um die 25 Volontäre teil, die sich einen größeren Raum vornehmen und sich immer wieder an bestimmten Punkten treffen, um Eindrücke und Meinungen auszutauschen und das Festgestellte schriftlich festzuhalten. Ihre Meinung: „Der Schutz- und Konservierungszustand gesetzlich geschützter Areale im Südbanat ist relativ gut, aber es ist ein zunehmender Druck durch Massentourismus feststellbar, wobei mancher Typus von „Besuchern“ sich wie Umweltfrevler benimmt. Im April 2015 mussten die Volontäre beispielsweise feststellen, dass „Kletterer“ unbedingt die Beu{ni]a-Wasserfälle hochklettern wollten und dabei dicke Moospolster, die die Festwände festigen und den Charme dieser Wasserfälle ausmachen, abgerissen haben. Außerdem werden immer wieder Asche- und Kohlenreste wilder Feuerstellen entdeckt sowie unzählige Bäume am Wegrand, in deren Rinde sich die „Naturliebhaber“ ihre Namen oder Initialen „verewigen“.

In diesem Jahr „schlenderten“ die Orawitzaer Naturschützer bereits durch den Naturpark Nera-Schluchten – Beusnita-Wasserfälle in Begleitung ihrer Partner aus Serbien, „Banatsume“ aus Werschetz/Vrsac, mit denen sie am rechten Donauufer anschließend eine Inspektionswanderung durch die nordserbischen Naturschutzgebiete („Banatske Planine“) unternahmen.

 

 

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