„Es geht um unsere Schule“

Ehemalige Honterianer gründen Alumniclub

Donnerstag, 21. Januar 2016

Die ehemaligen Honterianer denken gerne an ihre Schuljahre zurück. Nun wollen sie zusammen etwas für ihre Schule tun
Foto: KR Archiv

Der Verein „Honterus Alumni-Club“ wird wie ein Netzwerk ehemaliger Schüler funktionieren
Foto: Facebook „Honterus-Absolventen“

„Hallo, eine Bekannte von mir sucht einen Lehrer oder eine Lehrerin, die interessiert wäre, Nachhilfestunden zu bieten!“. „Hallo, wenn jemand in Klausenburg einen Job sucht, bitte mit mir Kontakt aufnehmen“. „Falls jemand interessiert ist, es gibt diese Woche ein Studententheaterfestival in der Redoute“.

So lauten die Postings auf der Facebook-Gruppe „Honterus-Absolventen“, die seit 2010 im virtuellen Raum existiert. Am Tag der Verfassung dieses Artikels zählte die Gruppe 1131 Mitglieder. Alle haben sie etwas gemeinsam: sie haben die Honterusschule besucht.

In der Gruppe wird wenigstens einmal pro Woche gepostet. Außer den vielen Job-angeboten gibt es auch andere interessante Nachrichten. Ein junger Schriftsteller stellt seinen neuesten Roman vor, von einem anderen Mitglied erfahren wir, dass zwei ehemalige Honterianer einen wichtigen Werbespot-Wettbewerb gewonnen haben. Es gibt manchmal auch interne Witze, Postings auf „Honterusdeutsch“ und Ankündigungen von wichtigen Events in der Stadt - eben alles, was einen ehemaligen Honterianer interessieren könnte.
 

Ein Absolventen-Netzwerk

Im Dezember 2015 erschien auf der Facebook-Gruppe eine wichtige Ankündigung: „Bald werden wir unseren eigenen Verein (NGO) haben. Der Name ist für uns reserviert. Alumni Club, so wie international fast jeder Absolventen Verein heißt“. Die Initiative stammt von Robert Marian, Absolvent des Jahrgangs 2008.

Auf die Idee, einen Alumni-club zu gründen, kam Robert im Jahr 2009, als er an der Wirtschaftsuniversität Wien studierte. An den österreichischen Unis gab es unzählige Alumniclubs. Um einen ähnlichen Club mit Ex-Honterianern gründen zu können, musste er aber zuerst eine Möglichkeit finden, sich mit Absolventen aus anderen Jahrgängen in Verbindung zu setzen. Außer Facebook gibt es kaum ein Netzwerk, wo man so viele Leute erreichen konnte.

So wurde als erster Schritt die Facebook-Seite gegründet. Als zweiter Schritt wurde ein Honterus-Alumnitreffen in informellem Rahmen organisiert. Ziel war das Kennenlernen und untereinander Vernetzen. Das Treffen war ein Erfolg und wurde zur Tradition. In jedem Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr (zu dieser Zeit kommen die meisten Leute, die im Ausland arbeiten oder studieren, nach Hause nach Kronstadt) treffen sich Absolventen mehrerer Generationen zum Feiern. Das Treffen findet meistens in einer Bar im Stadtzentrum statt. Diese Treffen führten 2013 zum dritten Schritt, und zwar die Honterus-Absolventengala, vom Kronstädter Jugendforum organisiert. Die Idee war, ehemalige Honterianer, die es geschafft haben, sich in einem bestimmten Bereich hervorzutun, zu würdigen. Dank einer Finanzierung seitens des Hauses des Deutschen Ostens in München wurde die Idee zur Wirklichkeit. Die Honterus-Gala fand 2013 und 2014 statt. 2015 wurde „eine Pause“ eingenommen, man will die Tradition aber Ende dieses Jahres fortsetzen.

Parallel zur Gala gab es in jedem Jahr ein Treffen in den Räumen des Forums.
„Die wichtigste Frage war: In welche Richtung geht die Schule? Wir sind uns alle bewusst, dass die Zukunft des deutschsprachigen Unterrichts eher unklar ist. Dagegen muss man etwas tun“, meint Robert Marian.


Das Hauptziel ist, der Schule zu helfen

Die Unterstützung und Offenheit der Teilnehmer für diese Diskussionen war groß. Deshalb wagte es Robert zum wichtigsten Schritt bisher: die Gründung eines Alumni-Clubs.

Zuerst musste man einen Namen für den Verein reservieren. „Der Name Honterus Alumni Club ist für 3 Monate reserviert, in dieser Zeitspanne haben wir Zeit, alle nötigen Papiere zu sammeln, um den Verein zu gründen“, sagt Robert.

In Kronstadt gibt es einen ähnlichen Verein, „Şagunişti pentru Şagunişti“ des Andrei Şaguna-Nationalkollegs, dessen Bekanntheitsgrad inzwischen relativ hoch ist.

Es gibt, laut Robert, mehrere Gründe, die für die Gründung des Honterus-Alumniclubs stehen. „Unsere Absolventen sind gut ausgebildete Leute, die im In- und Ausland gereist sind und viel Erfahrung haben. Wir sind in verschiedenen Bereichen tätig und können uns gegenseitig helfen. Oft kennen wir uns vom Sehen her aus der Schule. Wenn wir einen Anwalt, einen Arzt, einen Buchhalter oder einen Programmierer brauchen, ist es immer angenehmer, wenn es jemand ist, der den gleichen Hintergrund hat. Also kann der Club wie ein Netzwerk funktionieren, wenn man auf der Suche nach Dienstleistungen ist.

Zweitens sollten wir etwas für unsere Heimatstadt tun. Kronstadt ist eine schöne Stadt, aber wir erkennen alle, vor allem weil wir öfters in anderen Städten und Ländern sind, wie viel dieser Stadt noch fehlt. Wir müssen etwas tun, um der Stadt zu helfen“, meint Robert. Der dritte und wichtigste Grund, um einen Club zu gründen, ist die Schule. Die Absolventen haben erkannt, dass es in den letzten Jahren sehr schwer geworden ist, deutschsprachige Lehrer zu finden, die andere Fächer unterrichten als Deutsch. „Es ist irgendwie normal - die jungen Leute wollen keine Lehrer werden. Wer sehr gute Sprachkenntnisse hat, hat Chancen auf einen viel besser bezahlten Job. Deshalb müssen wir einen legalen Rahmen finden, um finanzielle Zuschüsse für die Gehälter der Lehrer zu erhalten. Noch wissen wir nicht, inwiefern das klappen könnte. Diese sind die dringendsten Probleme, die wir identifiziert haben. Zusammen als Gruppe können wir anfangen, Lösungen zu suchen“.
 

„Der einzige Vorteil ist emotional“

Am 26. Dezember fand ein erstes Treffen im Deutschen Forum statt, in dem das Projekt „Alumniclub“ besprochen wurde.

Dabei wurde unter anderem die Höhe des Mitgliedsbeitrags bestimmt und der Vorstand vorgestellt. Gründer des Clubs sind Robert Marian, Paul Binder und Şerban Roman.

Man bekam auch eine gute Nachricht: die Schwarze Kirche hat den Absolventen einen Raum im Stadtzentrum zur Verfügung gestellt. Dieser muss noch eingerichtet werden, dann hat der Club einen offiziellen Sitz. Dann muss ein Konto eröffnet werden, der Club muss einen Stempel haben. Im Januar werden die Papiere beim Gericht eingereicht, dann existiert der Verein auch offiziell. Der nächste Schritt wäre dann, auch Leute aus älteren Generationen auf den Verein aufmerksam zu machen. „Das nächste Ziel ist, Mitglieder anzuziehen. Der einzige Vorteil, Mitglied im Alumniclub zu sein, ist emotional“, meint Robert. Für das Jahr 2016 wünscht er sich, dass die Mitglieder des Clubs gute Kontakte untereinander und auch nach außen pflegen. Er denkt daran, einige Ehrenmitglieder für den Club zu wählen. Das sollten Lehrer oder Eltern sein, die einen besonderen Beitrag für die Schule geleistet haben. „Unser Hauptziel ist, der Schule zu helfen. Es muss eine Möglichkeit geben, die guten Lehrer weiterhin zu unterstützen. Später, wenn der Verein einen höheren Bekanntheitsgrad erreicht, können wir auch Finanzierungen aus anderen Quellen erhalten. Wir wollen, dass auch die nächsten Schülergenerationen der Honterusschule, vielleicht unsere Kinder, in deutscher Sprache unterrichtet werden. Ich hoffe, dass sich in Zukunft viele Leute anschließen werden“.

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Jeder ehemalige Honterianer, der Ideen für Projekte hat und im Club mithelfen will, ist eingeladen, dem Alumniclub eine Mail zu schreiben: honterus.alumni.club@gmail.com.
 

Was ist ein Alumniverein?

Alumni-Veranstaltungen bzw. -Organisationen bemühen sich um die Erhaltung der Beziehungen zwischen Ehemaligen. Der erste Alumni-Club wurde 1821 von den Absolventen des Williams College in Williamsburg gegründet. Seitdem heißen die Abgänger amerikanischer Universitäten und Colleges allgemein Alumni. In Amerika sehen es die Alumni als selbstverständlich an, dass sie ihrer Universität für die empfangene fachliche Ausbildung und die reichen Angebote zur Persönlichkeitsbildung als Gegenleistung in vielfältiger Weise Unterstützung zukommen lassen. Dieses Engagement wird als moralische Pflicht angesehen.

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