„Es gibt eine talentierte Generation von Filmemachern“

Kurzgespräch mit dem Regisseur Călin Peter Netzer

Mittwoch, 17. April 2013

Regisseur Călin Peter Netzer (links) und ein Teil der Filmbesetzung bei der Vorführung von „Die Stellung des Kindes“ in Temeswar. Luminiţa Gheorghiu, Nataşa Raab und Bogdan Dumitrache ließen sich mit dem Goldenen Bären fotografieren.
Foto: Zoltán Pázmány

Der 37-jährige Regisseur Călin Peter Netzer schaffte es, den Goldenen Bären der 63. Filmfestspiele in Berlin nach Rumänien zu bringen. Für seinen Film „Die Stellung des Kindes“ (Poziţia copilului), der derzeit in den rumänischen Kinos läuft, wurde Netzer mit dem Hauptpreis der Berlinale bedacht. Unlängst erhielt er von Präsident Traian Băsescu für sein Schaffen den Nationalorden für „Treue Dienste“ im Grad eines Ritters. Der in Petroschen/Petroşani geborene Călin Peter Netzer wanderte im Alter von acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland aus, kehrte jedoch später wieder nach Bukarest zurück, um an der Fakultät für Theater- und Filmkunst zu studieren. In seinem Film „Die Stellung des Kindes“ thematisiert Netzer eine pathologische Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem erwachsenen Sohn in einer korrupten rumänischen Gesellschaft – eigentlich ein „Universalthema“, wie es der Regisseur selbst beschreibt. ADZ-Redakteurin Raluca Nelepcu traf Călin Peter Netzer in Temeswar/Timişoara und führte mit ihm folgendes Gespräch.

Zum ersten Mal hat ein rumänischer Film den Hauptpreis der Berlinale gewonnen. Inwiefern wurde dadurch der Weg geebnet für weitere Auszeichnungen?

Vor zwei Jahren hat ein anderer Film den Silbernen Bären gewonnen (Anm. d. Red.: Florin Şerbans „Eu când vreau să fluier, fluier“). Ich glaube, das war damals so der Bruch des Eispanzers, wenn Sie wollen, für den Goldenen Bären jetzt oder zumindest für die Einladung, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Ich bin überzeugt, dass sich auch andere Festivals über neue rumänische Produktionen freuen.

Wo situiert sich der rumänische Film in Europa oder, warum nicht, im internationalen Vergleich?

Der rumänische Film ist irgendwo vorne und das sagen nicht wir, sondern das sagen Kritiker und Filmfachleute.

Die jungen Filmemacher in Rumänien bekommen kaum Unterstützung vom Staat, und trotzdem erfreut sich der rumänische Film einer bemerkenswerten Anerkennung. Woran kann das liegen?

Es ist schwierig zu sagen. Ich glaube, es gibt eine talentierte Generation von jungen Filmemachern. Cristian Mungiu war zum Beispiel mein Kollege an der Uni, wir waren im selben Jahrgang. Es kann sein, dass gerade wegen der geringen finanziellen Förderung die Filmemacher Anreize haben. Wir stimulieren uns auch gegenseitig, es gibt eine gesunde Konkurrenz unter uns, was möglicherweise mit dazu beiträgt, dass die Produktionen immer besser werden.

Sie wurden vom Staatspräsidenten Traian Băsescu ausgezeichnet. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Es ist eine Ehre für mich, vom Präsidenten diese Auszeichnung zu bekommen. Täglich passieren aber so viele Dinge. Mein Film wird in vielen Ländern verkauft, in Spanien oder China, jede Stunde bringt etwas Neues und man kann das alles nicht so richtig verdauen, man hat kaum Zeit, darüber nachzudenken.

Wie viel Prozent Ihrer eigenen Biografie ist in diesen Film geflossen?

Wie viel Prozent das waren, das weiß ich nicht so genau. Es gibt da einige Elemente aus meiner eigenen Lebensgeschichte, ja, das stimmt.

Welche negative Kritik haben Sie denn für „Stellung des Kindes“ bekommen und wie sind Sie damit umgegangen?

Es gab Kritik daran, wie der Film gefilmt wurde, am Umgang mit der Kamera. Es gab auch Kritik an der Sprache, also wie die Schauspieler sprechen. Aber das waren Leute, die den Film nicht verstanden haben und das hat mich gar nicht negativ beeinflusst. Die positiven Kritiken überwiegen.

Sie meinten, dass der Film auch eine therapeutische Wirkung haben könnte. Auf wen?

Auf mich, denn es gibt darin einige Sachen aus meinem Privatleben. Der Ausgangspunkt ist autobiografisch, die Beziehung zwischen mir und meiner Mutter. Natürlich ist es therapeutisch, wenn man eine Geschichte über sich öffentlich macht. Ich hoffe zumindest, dass es eine therapeutische Wirkung hat.

Wem würden Sie den Film empfehlen?

Allen. Den Film können gleichermaßen junge Leute sehen wie ältere. Viele finden sich in der Rolle der Eltern oder in der Rolle des Kindes wieder. Alle können sich irgendwie in den Gestalten erkennen.

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