„Es gibt nur die Kunst“

Zu der DSTT-Premiere „Das Maß der Dinge“ von Neil La Bute

Mittwoch, 21. Mai 2014

Die wie ein Manifest klingende Sentenz führt wie ein roter Faden durch das Vierpersonen-Stück „Das Maß der Dinge“ von Neil La Bute, das seine Premiere im DSTT als letzte der Spielzeit 2013-2014 erlebte. Es ist dies nach „GESCHLaECHTER-Die Furien& Der große Krieg“ die zweite Inszenierung an der deutschen Schauspielbühne Temeswar eines Textes des in der gegenwärtigen Theaterszene vielgespielten und erfolgreichen US-amerikanischen Autors Neil La Bute. Das Stück, das im Stil an den small-talk eines Woody Allen erinnert, mit seiner provozierenden, direkten Art in der Darstellung menschlicher Beziehungen den besonderen Stempel dieses Gegenwartsautors trägt, geht auf einem eher ruhig und untypisch scheinenden Schauplatz, dem Hochschul- und Kunstmillieu einer amerikanischen Kleinstadt, über die Bühne. Im Mittelpunkt des Geschehens, das Themen wie Kunst, Liebe, Subjektivität und Objektivität, Lüge und Wahrheit, Manipulation und Naivität zur Debatte stellt, stehen zwei Gegenpole: Der schüchterne, eigenbrötlerische Anglistikstudent Adam (Traian Savescu) trifft im Kunstmuseum, wo er in seiner Freizeit als Wächter arbeitet, eine junge Besucherin, die Kunststudentin Evelyn (Ioana Iacob), die letztlich sein ganzes unscheinbares Leben umkrempeln soll. Die ehrgeizige und jedwelcher Konvention trotzende junge Künstlerin nimmt den nichtsahnenden Adam selbst als Modell für ihr einzigartiges Kunstwerk bzw. Thema für ihre Diplomarbeit. Unter ihrer mitunter auch skrupelloser Anleitung wird der belächelte und bemitleidete Adam von Evelyn aus seinem anonymen Alltag herausgerissen, umgeformt, aus der grauen Maus wird ein moderner junger Mann, eine selbstsichere Person. Dabei geht auch dessen bisher starke Beziehung zu seinen einzigen Freunden, Philipp (Konstantin Keidel) und Jenny (Daniela Török), in die Brüche: Adams bester Freund Philipp, gutaussehend und gesellig, fast eine Klischeefigur, sowie dessen Verlobte, Jenny, die Schüchterne, Unsichere, werden gleichfalls im Laufe des Kunstexperiments verstört, Jenny wird dabei wie Adam ein sicheres Opfer der Künstlerin. Am Ende des Stücks schenkt Evelyn allen reinen Wein ein und präsentiert in provozierender Art ihre „Diplomarbeit“. Viele Fragen bleiben offen, doch moderne Kunst soll das auch tun.

Die vier jungen Darsteller agieren nonchalant, ganz im Zeichen der modernen Auffassungen des jungen Spielleiters Cristi Juncu: Gefühlvoll aber vor allem direkt, der Bühnenwahrheit gemäß, scheinen offensichtlich zu den wichtigsten Regieanweisungen dieses jungen rumänischen Theatermachers zu gehören. Der Spielleiter und Dramatiker wurde übrigens 2007 für die beste Regie („Das Pulverfass“ von Dejan Dukovski) beim Festival für Zeitgenössische Dramatik in Kronstadt ausgezeichnet. Hervorzuheben auch die einfühlsame minimalistische Bühnenausstattung von Cosmin Ardeleanu.

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