Es ist für alle etwas da...

In der Temeswarer Innenstadt macht sich der Kitsch breit

Dienstag, 22. August 2017

Trotz einer Gesetzgebung, die das untersagt, sind am Temeswarer Opernplatz weiterhin bunte, auffällige Werbe- und Firmenschilder aus Plastik an den Gebäudefassaden angebracht.
Foto: Zoltán Pázmány

Ein Handyservice, Langosch- und Brezelstuben, Juwelierläden, ein altes Kino, dazu noch Schuhläden, Apotheken und Optikläden, eine Eisdiele und Mobiltelefongeschäfte, Fast-Food-, Imbissbuden und Restaurants, Lebensmittel- und Blumenläden, Reisebüros, eine Buchhandlung, und gleich zwei Glücksspielsäle – sie alle reihen sich linker und rechter Hand des sogenannten „Corsos“ in der Innenstadt von Temeswar aneinander. Etwas weiter, in der Fußgängerzone, in den Straßen, die den Opern-, Freiheits-/Parade- und Domplatz verbinden, kann man noch Second-Hand-Läden, zahlreiche Kaffeehäuser und Konditoreien und allerlei andere Geschäfte finden. Es ist für jedermann/-frau etwas da. Und all diese Geschäfte sind keineswegs übersehbar, denn für fast jeden einzelnen Laden gibt es ein großes, farbiges Firmenschild aus Metall, Plastik oder Glas, einige mit funkelnden Lichtern. Die Schilder sind an den Gebäudefassaden angebracht oder hängen einfach an oder in den Schaufenstern. Hier mischt sich Modernes mit Retro, Elegantes und Angenehmes mit Kitsch. Und gerade diesen Kitsch sollte man doch vermeiden. Zumindest war dies schon mehrmals ein Diskussionsthema in der Bega-Stadt.

Seit mehreren Jahren wird in Temeswar über eine gewisse Ordnung betreffend das Aussehen der historischen Entspannungs- und Promenadenmeile der Stadt gesprochen. Dabei sollten schon vor mehreren Jahren die leuchtenden Firmenschilder und die allzu auffälligen Werbetafeln in der Innenstadt verschwinden und ein einheitliches, ästhetisch ansprechendes Aussehen der Geschäfte und Gebäude – nach Muster der Hermannstädter Innenstadt – eingeführt werden.
Bereits während der Gheorghe-Ciuhandu-Stadtverwaltung, vor dem Jahr 2012, wurde das mehrmals in Erwägung gezogen. Infolge eines Stadtratsbeschlusses wurden damals neue Regeln in dieser Richtung für den Domplatz eingeführt. Alle Sommerterrassen auf dem Platz mussten mit einheitlichem schmiedeeisernem Mobiliar und weißen Sonnenschirmen ohne Werbung versehen werden. Wer sich an die Vorschriften nicht hielt, wurde empfindlich mit Geldstrafen belegt. Die Jahre vergingen, der Domplatz wurde saniert, alte Terrassen sind verschwunden, neue entstanden. Mittlerweile hält sich niemand mehr an jenen Beschluss.

Doch das größte Chaos herrscht am Temeswarer Opernplatz. Trotz mehreren Diskussionen und Beschlüssen, die hier die leuchtenden Firmenaufschriften und Werbeschilder verbieten sollten, hat sich in den letzten Jahren nichts konkret geändert. Im Frühling des vergangenen Jahres hat man zuletzt darüber gesprochen. Damals sollte die Direktion für Stadtentwicklung innerhalb des Temeswarer Bürgermeisteramts eine neue Gesetzgebung in dieser Hinsicht entwickeln und zur Anwendung bringen. Die großen, bunten und leuchtenden Werbeschilder aus Plastik und Glas sollten dabei verschwinden, betonte auch Nicolae Robu, der Temeswarer Bürgermeister, auf dieses Thema zu sprechen kommend. „Die Innenstadt ist die Nullzone, ein Touristenmagnet. Alles soll hier in Ordnung gebracht werden“, sagte damals Bürgermeister Robu. Ein Jahr später verspricht nun auch der Vizebürgermeister von Temeswar, Dan Diaconu, dass sich demnächst hier was zum Guten ändern wird. Der Opernplatz soll noch bis zum Jahr 2021 saniert werden. Dann soll er neu gestaltet werden und all die neuen Regeln werden angewandt, lässt Diaconu wissen.

Während in der Bega-Stadt weiterhin in fast jeder Hinsicht Chaos herrscht, sorgt ein Beschluss in Großwardein/Oradea landesweit für Bewunderung. In den nächsten zwei Jahren soll das Bürgermeisteramt in der Innenstadt keine Genehmigung mehr für Second-Hand-Läden, Pfandstuben, Glücksspielsäle, Autowerkstätten und Autowäschereien erteilen. Ziel ist es, die Innenstadt so attraktiv wie möglich für Touristen zu gestalten. Dieses Projekt wurde Anfang August vom Bürgermeister von Großwardein, Ilie Bolojan, vorgestellt. Laut „Ziarul Financiar“ sollen die Maßnahmen bereits ab 2018 angewandt werden.
Zuerst werden im Umfeld der Stadtmitte keine Autowerkstätten und -wäschereien mehr erlaubt, dann soll ab 2019 auch die Tätigkeit von Pfandstuben, Second-Hand-Läden und Glücksspielsälen nicht mehr genehmigt werden. Hingegen sollen vor Ort mehrere Terrassen, Kaffeehäuser und Restaurants entstehen. Dabei sollen Altbauten aus der Innenstadt von Großwardein um 50 Prozent mehr (Immobilien-)Steuern bezahlen, wenn sie nicht dazu übergehen, die Räume im Erdgeschoss für diverse  sozial-kommerzielle Zwecke nutzbar zu machen. „In der Innenstadt dürfen keine leeren Räumen stehen“, sagte Bürgermeister Ilie Bolojan der Presse gegenüber. All diese Absichten sind von der Webseite des Bürgermeisteramts www.oradea.ro abrufbar und werden im September zur öffentlichen Debatte gestellt.

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