„Es ist unglaublich schön, nach 30 Jahren in dieser Band immer noch jungfräuliche Erlebnisse zu haben“

Gespräch mit dem Sänger der Toten Hosen, Campino

Sonntag, 26. August 2012

Andreas Frege alias Campino begeisterte seine Fans aus Rumänien. Foto: ArtMania

Die Toten Hosen lieferten ein Konzert der Superlative. Foto: Holger Wermke

Die Toten Hosen sind eine Punkrock-Band aus Düsseldorf, die 1982 gegründet wurde und bis heute noch weltweit großen Erfolg hat. In ihren Liedern üben sie nicht nur harte Kritik an die Gesellschaft, sondern es geht auch um Liebe, Beziehungen oder Trennung. Campino, Andreas von Holst, Michael Breitkopf, Andreas Meurer und Vom Ritchie heißen die fünf Mitglieder der Toten Hosen. Vor Kurzem kam die Band nach Hermannstadt/Sibiu, wo sie ein Konzert der Superlative darbot. Holger Wermke und Raluca Nelepcu trafen dort den Lead-Sänger der Gruppe, Campino, und führten mit ihm folgendes Gespräch.

Der Titel eures neuen Albums könnte gut die aktuelle Lage in Rumänien beschreiben. Was habt ihr Euch dabei gedacht?

Bei uns ging es darum, so ein Gefühl in Deutschland zu beschreiben, was vielleicht auf alle Menschen zutrifft. Alle, die einen ostdeutschen Hintergrund haben, und die Westdeutschen. Es ist immer noch so, dass wir nicht richtig zusammen gewachsen sind nach 20 Jahren und jeder dem anderen mit Skepsis begegnet. Aber, was auch immer man tut, beide Seiten müssen mit der Geschichte leben. Und das ist das, was wir mit „Ballast der Republik“ bezeichnen. Sie können machen, was sie wollen, aber man kann sich nicht diese Vergangenheit abstreifen.

Nach 30 Jahren kommt ihr endlich mal nach Rumänien. Wieso erst so spät?

Wir freuen uns sehr, das erste Mal hier zu sein. Es ist sicherlich sehr spät, aber besser spät als nie. Das sind manchmal Zufälle, die uns in irgendwelche Gegenden verschlagen. Ich meine, wir sind 1984 schon das erste Mal in Ungarn gewesen und in Polen und das war sicherlich Glück, weil es irgendeine Verbindung gab, da telefonierte man miteinander und so war es möglich, zu kommen. Das lag nicht an uns, aber manchmal ist es einfach Schicksal, dass man nicht den richtigen Leuten begegnet. 

Spürt auch die Punkrock-Szene diese Krise irgendwie bei Konzerten?

Ich weiß es nicht. Wenn wir rausgehen und spielen, sehen wir ja eigentlich unsere Aufgabe auch darin, trotz der ganzen Umstände und Ängste, die die Menschen haben, einen guten Abend zusammen zu zelebrieren. Das soll nicht heißen, dass wir nicht trotzdem immer wieder versuchen, auf Sachen aufmerksam zu machen. Zum Beispiel gibt es ja das Stück „Europa“ auf der neuen Platte, wo es um die ganzen Asylflüchtlinge geht aus Afrika. Ich denke, man kann Spaß haben und muss trotzdem nicht vergessen, wo die Probleme sind oder sollte seine Position und Einfluss benutzen, um darauf aufmerksam zu machen. Aber ich glaube, dass wir in Deutschland innenpolitisch schon so viel zu tun haben, dass wir erstmal dort anfangen, bevor wir in Ländern den Leuten sagen, was sie zu tun haben. 

Ihr fahrt im September auf Tour nach Argentinien. Macht es noch Spaß, so viel zu reisen?

Die Lust aufs Reisen ist uns noch nie vergangen. Das war auch eigentlich immer ein Motor für uns, um zusammen zu bleiben, um Abenteuer zu erleben. Es ist unglaublich schön, nach 30 Jahren in dieser Band immer noch jungfräuliche Erlebnisse zu haben, zu sagen: Heute sind wir das erste Mal in Rumänien und wir sehen alles mit neuen Augen. Und das ist eigentlich das Tollste, was man in so einer Band haben kann. Und genauso schön ist es natürlich, zurückzukommen nach Argentinien, wo wir jetzt schon so oft gespielt haben. Zu sehen, dass diese Leute mittlerweile ganz eng mit uns verbunden sind. Es ist fast wie eine zweite Heimat für uns. 

Auf euren alten Alben erzählten die Lieder ganz viele Geschichten. Auf dem neuen ist es nicht mehr unbedingt der Fall. Was hat sich da verändert?

Das kann ich gar nicht beurteilen. Ich schreibe die Songs, aber ich weiß nicht, was mich dazu bringt, das zu tun. Manchmal merke ich für mich selber, dass ich einen Hang habe zu melancholischen Themen. Und wenn mir das auffällt, versuche ich das Steuer rumzureißen und lockerer zu werden. Was da am Ende rauskommt, das muss ich dann selber einfach akzeptieren. Es gibt Zeiten, da brennt einem ein Thema auf der Seele, weil man vielleicht Erfahrungen gesammelt hat. Ich war zum Beispiel mit Breiti und Andi vor fünf Jahren in Afrika sehr lang und uns hat die Reise sehr beeindruckt und sehr erregt. Aber wir haben es sehr lange nicht geschafft, in Worte zu fassen, was wir meinen wollen, was ansatzweise jetzt bei dem Lied „Europa“ so herauskommt.

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