„Es ist wichtig, dass in deutscher Sprache unterrichtet wird“

Auf Besuch bei der Deutschen Schulabteilung in Zeiden

Donnerstag, 28. Mai 2015

Die Klassen 0-4 der deutschsprachigen Abteilung Zeiden sind im Gebäude auf der Marktgasse untergebracht.

Schülerinnen der 4. Klasse machen Werbung für ein Smartphone
Fotos: Elise Wilk

Es ist Freitag, 10 Uhr morgens. Die vierte Klasse hat Aufsatz-Stunde. Das heutige Thema ist Werbung, ein Begriff, der aus dem Alltag kaum wegzudenken ist. „Bei Werbung wird oft übertrieben. Warum glaubt ihr, dass dieses passiert?“, fragt die Lehrerin. Etwa zehn Hände wedeln erwartungsvoll durch die Luft. „Damit die Leute das Produkt kaufen sollen!“, sagt ein Junge in perfektem Deutsch. Dann erinnert die Lehrerin, dass die Schüler vor Kurzem über zusammengesetzte Adjektive gelernt haben. „Könnt ihr mir einige nennen?“, fragt sie. Die Antworten kommen in der nächsten Sekunde. „Blitzschnell, himmelblau, butterweich, federleicht, rabenschwarz, blutrot“, rufen die Kinder durcheinander.

 Eine Klasse pro Jahrgang

In der deutschen Grundschulabteilung (Klassen Null bis 4) des Theoretischen Lyzeums Zeiden/Codlea  auf der Marktgasse /Str. Măgurii  Nr. 6 gibt es fünf Klassen,  je eine für jeden Jahrgang. In der vierten Klasse lernen 27 Schüler, in der Nullklasse sogar 31. Das sind hohe Zahlen, verglichen mit dem Durchschnitt in anderen Schulen. „An Schülern mangelt es nicht. Und alle unsere Lehrer sind qualifiziert. Bei den Klassen 5-8, die sich in einem anderen Gebäude befinden, gibt es allerdings ein Problem, und zwar mangelt es an deutschsprachigen Lehrkräften. Manche Fächer müssen leider auf Rumänisch unterrichtet werden. Das ist aber bei allen deutschen Schulen im Land ein Problem“, meint Lehrerin Karmina Vlădilă.

Ein Problem: wenig Lehrkräfte

Deutschsprachiger Unterricht ist in Zeiden, sowie im ganzen Kreis Kronstadt, sehr gefragt. Da die meisten Kinder, die die deutschprachige Schulabteilung besuchen wollen, aus rumänischen Familien stammen, werden sie vor der Einschulung auf die Sprachkenntnisse getestet. Diese erhalten sie schon während der frühen Kindheit, da es in Zeiden einen deutschen Kindergarten gibt. „Die Anfrage ist in jedem Jahr sehr groß, leider gibt es das Problem, dass wir viel zu wenig Lehrkräfte haben“, meint Vlădilă. Zwischen dem deutschsprachigen Kindergarten (Kindergarten Nr. 6) und der Grundschule gab es schon immer eine gute Zusammenarbeit.  „Wir haben einige gemeinsame Aktivitäten organisiert, oft finden Schulbesuche statt, Adventsfeiern werden vorbereitet. Auch werden gemeinsame Sitzungen mit dem Personal des Kindergartens organisiert. Wir versuchen, uns gegenseitig zu unterstützen“, erklärt Vlădilă.

Gute Zusammenarbeit mit Kirche,  Forum und Eltern

Die Klasse bekommt eine Aufgabe: in Gruppen sollen die Schüler Werbeplakate für Produkte ihrer Wahl zeichnen.

Im Werbeslogan müssen sie zusammengesetzte Adjektive verwenden und damit die Lehrerin überzeugen, ihr Produkt zu kaufen. Die Aufgabe macht den Schülern großen Spaß. Sie nehmen ihre „Jobs“ als Copywriter, Marketing-Manager und Designer ernst und fangen gleich an, in Teams zu arbeiten. Durch diese Aufgabe wird nicht nur ihre Phantasie gefördert, sonder auch ihr deutscher Wortschatz wird erweiert. Die Eltern wählen die deutschsprachige Abteilung für ihre Kinder nicht nur, weil gute Deutschkenntnisse später die Chancen auf ein Studium im Ausland oder die Berufschancen steigern. Es gibt bei der deutschen Schulabteilung ein vielfältiges Angebot an außerschulischen Aktivitäten, darunter eine Gitarrengruppe, geleitet von Karmina Vlădilă und  zwei Tanzgruppen, die Christine Vlădărean leitet. Beide Gruppen treten zu verschiedenen festlichen Anlässen auf. Andere Veranstaltungen, die jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Kirche und dem Deutschen Forum organisiert werden, sind das Laternenfest, der Basketabend oder der Weihnachtsmarkt.

Ein anderes interessantes Projekt ist  der Mal-und Zeichenworkshop, der sich sowohl an die Schüler als auch an ihre Eltern richtet und von Klaus Dieter Untch geleitet wird. Auch gab es in den letzten Jahren ein gemeinsames Projekt mit der Kronstädter Oper. Jeden Samstag fuhren die Schüler und Lehrerinnen mit einem Bus in die Stadt und besuchten die Vorstellungen.

Die Teilnahme an allen außerschulischen Aktivitäten ist kostenlos, und das wissen die Eltern zu schätzen.
„Mit den Eltern hatten wir immer eine ausgezeichnete Zusammenarbeit. Ebenfalls unterstützen uns Kirche und Forum, mit denen wir eine gute Partnerschaft pflegen“, sagt die Lehrerin.

Auch Lesen auf Deutsch  wird gefördert. In der 4. Klasse gibt es eine Bibliothek mit neueren deutschen Kinderbüchern. „Die Kinder verschaffen sich selbst Bücher, die sie dann zur Klassenbibliothek bringen. Sie borgen dann die Bücher ihrer Kollegen aus und am Ende des Schuljahres nehmen sie sie wieder zurück nach Hause. Ab und zu bekommt die Schule Buchspenden aus Deutschland“, sagt die Lehrerin.

Die wenigsten Schüler wählen das deutsche Lyzeum

„Diese Uhr ist blitzblank und federleicht! Kommt und kauft sie!“ So versuchen zwei Schülerinnen, ihr Produkt anzubieten. Eine andere Gruppe hat ein Werbeplakat für ein Smartphone hergestellt. „Es ist das neue Samsung. Ob sonnengelb oder blutrot, du kannst die Farbe wählen, die dir am besten gefällt“. Danach wird eine  Zahnpasta angepriesen, die blitzblanke Zähne macht. „Blitz“ wird auch in der nächsten Werbung verwendet, und zwar für ein blitzschnelles Auto, das mit 50% Reduzierung angeboten wird. „Leute, passt auf! Ein neues Produkt ist erschienen!“, kündigt ein anderer Schüler an. Es geht um ein Paar butterweiche Handschuhe. Das letzte Plakat wirbt für ein Parfüm. „Coco hat blutrote Farbe und kostet nur 560 Lei“, preist eine Schülerin das erfundene Produkt an. „Keine Frau könne ohne Coco leben“, fügt sie hinzu.

In ein paar Wochen stehen den Viertklässlern die Sommerferien bevor. Danach haben sie die Wahl, weiterhin die deutschsprachige Abteilung in Zeiden zu besuchen. Dafür wechseln sie in ein anderes Gebäude. Als Alternative gibt es das Honterus-Lyzeum oder die 12er Schule in Kronstadt.

Nach der 8. Klasse wählen die wenigsten ein deutsches Lyzeum. Entweder bleiben sie in Zeiden und gehen dort in ein rumänisches Lyzeum, oder sie wählen eine Schule in Kronstadt.

Trotzdem gibt es die Möglichkeit, auch in einem rumänischen Lyzeum weiterhin Deutsch als Fremdsprache zu lernen. Die Deutschkenntnisse werden ihnen später gute  Studiums- und Berufsperspektiven verschaffen.
Bis dahin sind es aber noch viele Jahre für die Schüler der 4. Klasse. Ihr Deutschniveau ist vorläufig  sehr gut. Damit es auch für die nächsten Generationen so bleibt, sollte es weiterhin ausgebildetes und deutschsprachiges Lehrerpersonal geben: „Es ist wichtig, dass man in deutscher Sprache unterrichtet“, sagt die Lehrerin Karmina Vlădilă.

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