„Es waren schwere Jahre, aber auch erfüllte Jahre“

ADZ-Gespräch mit Hans Fernbach, Vorsitzender des Banater Forums

Mittwoch, 14. Januar 2015

Hans Fernbach: „Wir möchten die Jugend besonders unterstützen.“
Foto: Zoltán Pázmány

Hans Fernbach ist seit Dezember 2014 der neue Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat. Der gelernte Geiger leitete neun Jahre lang die Banater Philharmonie und war 28 Jahre lang erster Konzertmeister. Fernbach zählt zu den großen musikalischen Persönlichkeiten Temeswars. Nun möchte er sich für die deutsche Minderheit einsetzen, zu der er selber zählt. ADZ-Redakteur Robert Tari sprach mit Hans Fernbach über seine Zeit als Intendant an der Philharmonie sowie seine neue Funktion im Banater Forum.

Herr Fernbach, Sie haben bei Eugen Cuteanu Geige gelernt. Können Sie mir etwas über Ihren Mentor sagen?

Eugen Cuteanu zählte neben Josef Brandeisz zu den bedeutendsten Musikpädagogen der Nachkriegszeit. Er war bis zu seinem Tod im Jahr 1968 einer der großen Geigenlehrer Temeswars, Josef Brandeisz überlebte ihn nur weitere zehn Jahre. Cuteanu war eine komplexe Persönlichkeit. Er war ein exzellenter Pädagoge, ein Komponist, der viele bedeutende Werke geschaffen hat: Konzerte für Geige, für Bratsche, Stücke für das Orchester und Sinfoniekantaten. Er war also eine ganz bedeutende Persönlichkeit der Musik. Natürlich war Cuteanu auch ein hervorragender Interpret. Vor dem Zweiten Weltkrieg besaß er ein renommiertes Quartett, mit dem er Benefizkonzerte gab. Er war bis zu seinem Tod der Vorsitzende der Temeswarer Filiale des Rumänischen Komponistenverbandes. Alle haben ihn gekannt.

Alle seine Schüler schafften nicht nur national sondern auch international den Durchbruch. Und er wetteiferte ständig mit Josef Brandeisz, der wiederum auch ein ganz hervorragender Pädagoge war. Ich hatte das Vergnügen, mit Brandeisz in den Kirchen zu spielen. Ich war natürlich sehr jung und er besaß viel Erfahrung, aber es war jedes Mal eine Freude, mit ihm gemeinsam zu spielen. Und es freut mich auch, dass ich nach seinem Ableben und dem Ableben seiner Gattin die Geige erwerben konnte, auf der er Jahrzehnte lang gespielt hat. Ich spiele auch heute noch auf der Geige.

Zu Herrn Brandeisz muss ich auch noch erwähnen, dass das Demokratische Forum der Deutschen im Banat einen internationalen Geigenwettbewerb zu seinem Gedenken veranstalten möchte. Wir hoffen, dass seine Schüler sowie deren Schüler Ende des Jahres in Temeswar anreisen werden, um des verstorbenen Pädagogen zu gedenken. Wir würden das gerne im Zeitraum 1. bis 15. November veranstalten. Im nächsten Jahr möchten wir auch zusammen mit Franz Metz, unserem lieben Freund und Kollegen aus München, eine Monografie zum Gesamtwerk von Brandeisz herausbringen. 2007 erschien eine Monografie zu den Werken Eugen Cuteanus. Das war meine Doktorarbeit. Es gab über beide keine wissenschaftlichen Abhandlungen.

Sie waren neun Jahre lang Intendant der Banater Philharmonie. Waren es herausfordernde Jahre für Sie?

Es waren sehr schwierige Jahre für mich, weil ich nicht nur Intendant der Philharmonie war, sondern auch erster Konzertmeister. Ich hatte also die Konzerte und musste mich nebenher um die Aufgaben kümmern, die dem Leiter einer Philharmonie zufallen. Es ist keine leichte Arbeit. Man muss eine Kontinuität wahren, ein qualitatives Programm anbieten, Beziehungen zum Ausland pflegen und natürlich zu den anderen Philharmonien aus Rumänien. Man muss dann natürlich ein Ensemble in den Griff kriegen, damals bestand es aus 180 Personen. Es war sehr viel Arbeit, aber die Zeit ist auch mit sehr vielen schönen Erinnerungen verbunden. Wir waren viel auf Tournee.

Es waren insgesamt 30 in neun Jahren. Ich war mit dem Orchester und dem Chor in Taiwan, Brasilien, in Norwegen und Spanien. Es waren sehr viele Konzerte, die wir auf einigen der bedeutendsten Bühnen der Welt gegeben haben. In Europa spielten wir in München, Hamburg, Paris, Budapest. Wir spielten in den größten Städten Spaniens und Italiens, die alle namhafte Philharmonien haben, wo die größten Musiker schon gespielt haben. Nachdem wir im Herkulessaal in München aufgetreten sind, hat uns die Fachpresse damals zum besten Orchester aus Südosteuropa gekürt. Für mich war das eine große Errungenschaft und es hat mich mit Stolz erfüllt, dass ich zu diesem Ergebnis als Intendant beigetragen hatte. Ja, es waren schwere Jahre, aber auch erfüllte Jahre.  


Als was sehen Sie sich zuerst, als Manager oder Musiker?

Ich bin in erster Linie Musiker und das möchte ich auch bleiben. Die Tatsache, dass ich vor 17 Jahren Intendant wurde, hatte nichts mit meinen persönlichen Ambitionen zu tun. Meine Kollegen haben mich gewählt und sie haben auch darauf bestanden, dass ich die Leitung übernehme. Sobald ich mich vor die Herausforderung gestellt sah, habe ich versucht, das Beste daraus zu machen und mein Bestes zu geben. Ich habe versucht, von anderen zu lernen, wie man es richtig macht, weil die Qualitäten, die ein Intendant braucht, ja nicht angeboren sind. Aber ich bleibe weiterhin ein großer Musikliebhaber, weil mir das angeboren ist.

Sicherlich ehrt mich auch meine aktuelle Funktion als Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat. Und ich versuche auch in dieser neuen Funktion, alles Erdenkliche zu machen, um den Angehörigen der Minderheit zu dienen. Wir sind nicht mehr viele und unsere Leute müssen wissen, dass es einen Ort gibt, wo sie hinkönnen und wo sie unterstützt werden. Gerade weil  so wenige geblieben sind, ist es wichtig, dass wir uns sehen lassen und dass wir daran erinnern, dass die Deutschen Teil der regionalen Geschichte sind. Immerhin ist in Temeswar die erste Zeitung in Rumänien erschienen. Ich spreche von der „Temeswarer Zeitung“, die natürlich eine deutschsprachige Zeitung war. Die Menschen müssen diese Geschichte kennen und sich ihrer Bedeutung bewusst werden. Und wir müssen immer die Gesetze dieses Landes befolgen, in dem wir geboren sind, in dem wir leben und das uns so viel gegeben hat.

Sie wurden von ihren Kollegen zum Intendanten gewählt und jetzt von der deutschen Minderheit im Banat zu ihrem Vorsitzenden. Wie erklären Sie sich dieses Vertrauen, das Menschen in Sie haben?

Ich weiß es nicht wirklich. Wahrscheinlich weil man mich durch meine Arbeit kennt. Ich war ja auch vier Jahre lang im Temeswarer Forum aktiv. Ich kenne Karl Singer seit Jahren, ich kenne auch Ovidiu Ganţ, seit er Schulleiter am Nikolaus-Lenau-Lyzeum war. Wir haben immer sehr gut zusammengearbeitet. Wir hielten Konzerte für die Schüler, also man kennt mich in Temeswar und wahrscheinlich war das auch einer der Gründe, weshalb man mich vorgeschlagen hat.

Von Ihrer bisherigen Tätigkeit als Forumsvorsitzender weiß man ganz klar, dass die Förderung von Projekten, die mit Musik zu tun haben, ganz oben steht...

Nicht ausschließlich Musik. Und das möchte ich auch unterstreichen. Wir möchten auch junge Menschen fördern, die gerne in deutscher Sprache schreiben. Wir möchten die Jugend besonders unterstützen. Das betrifft vor allem, aber nicht ausschließlich, die Schüler von der Lenau-Schule. Momentan findet der Unterricht in vier Gebäuden in der ganzen Stadt verstreut statt, weil das alte Schulgebäude saniert werden muss. Wir müssen auf unsere älteren Mitglieder aufpassen. Immer mehr müssen unterstützt werden, weil sie keine Verwandten mehr haben. Es ist wichtig, dass es ihnen gesundheitlich gut geht und dass sie sich wohl fühlen, egal ob sie nun im Altersheim wohnen oder nicht.

Ich mache mir auch ernste Gedanken über die Zukunft des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste. Es ist wichtig, dass junge Menschen mit Initiativen und Zuneigung für die Minderheit selber das Ruder in die Hand nehmen. Sie müssen gefördert werden. In Temeswar gibt es ein deutsches Staatstheater, ein deutsches Kulturzentrum, eine deutsche Schule, eine deutsche Zeitung, deutsches Radio und Fernsehen. Die Vertreter dieser Einrichtungen müssen enger zusammenarbeiten. Sie müssen sich alle an einen Tisch setzen und gemeinsame Projekte besprechen und jeder muss dem anderen zuvorkommen, damit wir gemeinsam etwas Großartiges schaffen können. Es gibt momentan keine Zusammenarbeit oder den Drang, mit gemeinsamen Kräften nach vorne zu gehen.

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