„Es wird Zeit, dass diese Dörfer vom ganzen Land beachtet werden“

Verlassenes Dorf in Siebenbürgen wird zum Doku-Thema

Donnerstag, 23. Januar 2014

Die Geschichte des verlassenen Dorfes Engenthal wird von Alex Iacob in einem Film dokumentiert.
Foto: Alex Iacob

Alex Iacob (alias „Reptilianul“) erkundet Bukarest seit gut fünf Jahren. Er zeigt großes Interesse an verlassenen Häusern und historischen Monumenten. Seine Leidenschaft kennt keine Grenzen, egal ob Hotels oder Krankenhäuser, Fabriken  oder Sporthallen, Türme oder Unterführungen – er schleicht sich in Mammutgebäude wie das ehemalige Einkaufszentrum Universal, die Naţionala-Versicherungsgesellschaft, das Caritas-Krankenhaus, die Pionierul-Fabrik oder den Rosenthal-Wohnblock und dokumentiert seine Entdeckungen mit Fotografien. Durch die manchmal gefährlichen Stadterkundungen konnte er auch die Geschichten hinter den Ruinen erfahren. Besonders beliebt sind die Fotos von Alex bei Architektur-Studenten. Manche Gebäude, die von Alex ans Licht gebracht wurden, sind zu Ausstellungsräumen umgestaltet worden, andere werden gerade saniert. Sein Ziel ist es, die Menschen für die gefährdeten kulturellen und architektonischen Werte zu sensibilisieren.

Aber nicht nur die Hauptstadt hat ihre interessanten Geschichten zu erzählen. Unlängst hat Alex von den verlassenen Dörfern in Siebenbürgen erfahren: Manche Dörfer in dieser Gegend haben acht, vier oder sogar nur zwei Bewohner, andere sind auf der Landkarte gar nicht mehr zu finden. Er hat begonnen, Informationen über diese Geisterdörfer zu sammeln. „Ich glaube, es wird Zeit, dass diese Dörfer vom ganzen Land beachtet werden“, meint er. Siebenbürgen bedeute viel mehr als ein paar Anziehungspunkte in Hermannstadt/Sibiu, Schäßburg/Sighişoara oder Kronstadt/Braşov, so der junge Mann.
Begonnen hat Alex mit der Gegend um Marktschelken/Şeica Mare, mit dem Dorf Engenthal/Mighindoala. Zum ersten Mal wurde dieses Dorf im Jahre 1381 erwähnt und es ist eine der ältesten Siedlungen im Kreis Hermannstadt. Jetzt ist es ein Geisterdorf. „Engenthal ist ein Dorf ohne Gemeinschaft. Ein einziger Mann hat auf die sächsische Kirche aus dem 14. Jahrhundert aufmerksam gemacht“, erklärt Alex Iacob die Rolle des Künstlers Tara von Neudorf in seiner Doku. Der Künstler alleine hat sich entschieden, zeitweilig in Engenthal zu wohnen, um die sächsische Kirche da zu restaurieren. Er hat sich als Ziel gesetzt, die  Wände der Kirche mit Szenen aus der Geschichte der Siebenbürgen Sachsen zu bemalen.

Für die Doku wurde mehrere Tage lang gefilmt, insgesamt wurden drei Reisen nach Marktschelken unternommen. Zusammen mit seinem Team hat Alex hart gearbeitet, damit das Dorf und seine Atmosphäre mithilfe von seinen Symbolen dargestellt wird, dem Bolyai-Palast in Bell/Buia, der Kirche in Engenthal (oder Engelthal) und dem Künstler, der sich da aufhält. Den brutalen und manchmal absurden Charme des Dorfes, das heute aus ein paar Häusern, der Kirche und vielen Ruinen besteht, beschreibt Tara von Neudorf. Ende Februar soll die Doku über Engenthal fertig sein. Danach sucht sich Alex Iacob eine andere Region zum Erkunden aus, höchstwahrscheinlich in Richtung der Westkarpaten.

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