Essay mit Lyrik-Zusatz

Horst Samson las in der Okian-Buchhandlung

Donnerstag, 01. November 2012

Horst Samson bei seiner Kronstädter Lesung. Foto: Ralf Sudrigian

Vor allem Philologie-Studenten der Kronstädter „Transilvania“-Universität bildeten das Publikum der Lesung, die der deutsche Autor und Journalist Horst Samson am 24. Oktober in der Kronstädter Buchhandlung „Okian“ hielt.

Sie hatten die Gelegenheit bei dieser Veranstaltung des Deutschen Kulturzentrums Kronstadt, Auszüge aus dem politischen Essay „Im Staub der Geschichte“ zu hören – eine Arbeit die Samson anlässlich der Gedenkveranstaltung in Karlsruhe „60 Jahre seit der Bărăganverschleppung“ geschrieben hatte.

Samson wurde 1954 in einem kleinen Dorf (Salcâmi) in der Bărăgan-Steppe geboren, wohin seine Eltern und sein Bruder drei Jahre vorher, wie auch andere Banater Schwaben, von dem kommunistischen Regime verschleppt wurden. Die ausgewählten Textstellen, die auch in einer ersten rumänischen Arbeitsübersetzung von drei Studentinnen und von der Moderatorin der Lesung, Dr. Delia Cotârlea, gelesen wurden, beschreiben das Drama einer jungen Familien die plötzlich, praktisch über Nacht, ihre Heimat verlassen und ins Ungewisse aufbrechen muss.

In diese Erinnerungen und Betrachtungen aus der Sicht des Vaters sind lyrische Passagen aus dem Werk von Horst Samson eingeschoben – ein Werk, das dem damals jungen Autor der im Umfeld der „Banater Aktionsgruppe“ stand ohne aber dieser direkt zuzugehören, erste offizielle Anerkennung brachte (1981 - Lyrikpreis des Rumänischen Schriftstellerverbandes; 1982 Adam Müller-Guttenbrunn-Literaturpreis), das er aber in Rumänien nicht weiterführen konnte, da er 1985 Schreibverbot erhielt.

1987 musste Horst Samson nach Deutschland auswandern. „Für mich war es damals ein großer Bruch, es war der Zwang dahinter. Mein Schreiben war zu Ende. Es hatte sich vieles damals in Luft aufgelöst was den Horst Samson ausmachte: das Schreiben, das Diskutieren, das in der Öffentlichkeit Stehen als Journalist, als Dichter, als Redner. In diesem Kontext war das Auswandern für mich ein großer Schmerz“, sagte der KR der heute in Neuberg (Hessen) lebende Journalist, wo er als Chefredakteur eine Zeitungsgruppe in Frankfurt a.M./Bad Vilbel leitet. Was er damals nicht wissen konnte – das Auswandern brachte, mit allem notwendigen Umlernen und Anpassen, einen „wunderbaren Karrieresprung“ als Journalist mit sich.

Dass er dabei, als Dichter „untergegangen“ sei, so Samson, sollte nicht wortwörtlich hingenommen werden. Sein Gedicht „Bewerbung um die vakante Stelle im Pelagos Projekt“ mit dem Horst Samson seine Kronstädter Lesung beendete, wurde 2007 als „schönstes deutsche Delfingedicht“ von der Literaturzeitschrift „Das Gedicht“ ausgezeichnet. Außerdem erhielt Samson, der Generalsekretär des EXI-P.E.N., Sektion Deutsch-sprachige Länder ist, auch den Nordhessischen Literaturpreis (1992) und den Lyrikpreis Meran.

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