Etwas soll immer ungesagt bleiben

Schwedischer Fotograf Jan Bernhardtz im Gespräch mit dem Publikum in Bukarest

Samstag, 08. April 2017

Foto: Jan Bernhardtz

Unlängst wurde ein Treffen mit dem schwedischen Fotografen Jan Bernhardtz in der Hauptstadt organisiert. Dabei konnte das zahlreiche Publikum mehr über das Werk des in Berlin wohnenden Künstlers erfahren. Die Diskussion wurde von Cristian Bassa in den Räumen des Fotogeschäfts F64 moderiert. Das Ziel der Organisatoren war es, Fotoliebhaber in Kontakt mit Bernhardtz zu bringen, damit diese von ihm lernen können. Ende März war es das erste Mal, dass der Künstler nach Rumänien kam, Interessierte haben schnell ihre Plätze reserviert, um mehr über seine Drucktechnik und Ästhetik zu erfahren. Bernhardtz wurde in Umea geboren und hat die Fotoschule in Stockholm besucht, die vom renommierten Fotografen Christer Strömholm geleitet wurde. In einem Interview für den F64 Blog erklärt der Künstler den Anfang seiner Leidenschaft für Fotografie: Als Jugendlicher hat er die Kamera seines Vaters geliehen, hat Fotos geschossen und diese alleine gedruckt. Eine wissenswerte Einzelheit: Nach dem Studienabschluss hat Bernhardtz sich nicht mit Fotografie beschäftigt: „Ich habe bevorzugt, mich mit Kakteen und Killifischen zu beschäftigen“. Vor sechs Jahren, als Bernhardtz in Rente gegangen ist, wollte er eine radikale Änderung in seinem Leben. Er hat sich gewünscht, in einer belebten Großstadt mit viel Geschichte zu leben. Ein Freund von ihm hat Berlin empfohlen und hat ihm geholfen umzuziehen. Heute fehlen die Menschen meistens in seinen Fotos:  „Die Fotos, die ich in Berlin gemacht habe, betrachte ich nicht als Projekt, sondern als Lebensweise. Als Rentner genieße ich meine Freizeit, indem ich die Stadt und die Umgebung erkunde. Ich besuche verlassene Orte und ich fotografiere sie“.

Verfremdung und Eigenartigkeit. Humor und Tiefgründigkeit. Trostlosigkeit und Surrealismus. Während der Präsentation zeigte Bernhardtz zahlreiche Fotos, die in Schweden, Italien oder Polen geschossen wurden. Auf den neuesten Fotos gibt es verlassene Orte, Industriegebiete, Flugplätze zu sehen. Es gibt keine Leute auf den Fotos, aber man kann die hinterlassenen Spuren bemerken: „Heute fotografiere ich sehr selten Menschen. Es ist eine Art und Weise zu zeigen, was sie gemacht haben“, erklärt der Künstler. „Sie benutzen die Abwesenheit der Menschen, um ihre Anwesenheit zu zeigen“, erwidert der Moderator. Warum der Künstler die Infrarotperspektive benutzt? „Ich mag das surrealistische Gefühl, das übermittelt wird. Auf diese Weise ist ein Foto magisch für mich“, erläutert Bernhardtz, der sich eher auf eigenartige Orte zu konzentrieren scheint. „Ich mag sie, und wenn jemand anderer sie auch mag, dann ist es gut“, sagt er bescheiden. Bernhardtz glaubt, dass Fotos nicht vollständig sein sollten, etwas soll ungesagt bleiben. Damit dem Betrachter Raum für Interpretationen gelassen wird. Durch seine Fotos will er Fragen stellen und keine Antworten geben. Der Künstler betrachtet Fotografie als „eine Art Erfüllung in einer Welt, in der es scheint, dass es immer trauriger wird zu leben. Es klingt, als ob ich fliehe, aber das mache ich nicht. Meine Welt ist einfach anders als die der anderen“, sagt er. Das Publikum war von Bernhardtz begeistert, sagt der Moderator. Was die Teilnehmer zu dieser Veranstaltung gezogen hat? „Seine Asthetik, seine Art und Weise, Fotos zu bearbeiten, seine Ausdrucksweise“, fügt er hinzu. „Die Teilnehmer hatten großes Interesse an seiner Sichtweise. Er spürt, wie ein Foto am besten aussieht“, sagt Cristian Bassa. Auf den Internetseiten http://www.janber. net/ und streetsofberlin. blogspot.com findet man Hunderte Fotos von ihm. Es fällt ihm schwer zu sagen, welches davon sein Lieblingswerk ist. „Ich mag die Fotos von meiner Jugend“, sagt er lakonisch.

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