Europa, der Berg und Corona – Mehr Gegenwart und Zukunft, weniger Geschichte und Tradition

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Der Historiker Nicolae Pepene gilt, spätestens nach seinem erfolgreichen Vermarktungskonzept der Rosenauer Burg, auch als ein guter Kulturmanager. Nun hat er bei der Vorstellung der Unterlagen, mit denen sich Kronstadt als europäische Kulturhauptstadt 2021 bewirbt, einen Standpunkt vertreten, der zu weiteren Debatten führen könnte, obwohl dafür die Zeit vorbei ist. Denn über die Short-List der rumänischen Kandidatenstädte für die europäische Kulturhauptstadt wird bekanntlich am 7. Dezember entschieden und der Abgabetermin der Kandidatur-Mappen ans Kulturministerium ist am 10. Oktober verstrichen.

Nicolae Pepene, Direktor des Kronstädter Geschichtsmuseums, sieht, irgendwie überraschend für seinen Beruf, in der jahrhundertealten Geschichte der Stadt und in den damit verbundenen Traditionen ihrer Bewohner keine erfolgversprechenden Argumente für eine überzeugende Kandidatur. Er sagt das in einer polemischen, medienwirksamen Aussage: „Die Kronstädter stehen zu ihren Traditionen, aber haben keine enge Bindung zur gegenwärtigen europäischen Kultur. Mit dem Aufmarsch der Junii-Reiter am Anger-Platz/Piaţa Unirii kann man nicht Europa beeindrucken.“
Zur Zeit habe Kronstadt ein eher bescheidenes Kulturleben und keine großen, zukunftsbezogenen Projekte. Die vorliegenden wären eher an die Vergangenheit gebunden und damit, so Pepene, würde man sich selber bei der Bewerbung ein Bein stellen. „Um ehrlich zu sein, für einige der Projekte müsste ich mich schämen“, gibt Pepene zu und begründet damit seinen Entschluss, diese Projekte vorerst nicht in die Unterlagen aufzunehmen. Stattdessen müssen neue Pilotprojekte ab nächstem Jahr „wachsen“, dafür klare Auswahlkriterien festgelegt sowie eine Mitfinanzierung seitens der Lokalbehörden garantiert werden. Eine nachträglich ausgearbeitete Kulturagenda kommt dann als Anhang zur Bewerbung hinzu.

Von Pepene wird vorgeschlagen unter dem Motto „Europa – Corona“ einmal den europäischen und einmal den ortsspezifischen Aspekt zu betonen. Der Oberbegriff ist dabei Europa. Pepene, als guter Kommunikator, wählt dafür einen Begriff, der zu Kronstadt sehr gut passt: den Berg. Die „Bergzivilisation“ ist also die europäische. „Kulturpässe“ bringen Europas Künstler nach Kronstadt. Da finden sie „Kulturwege“ vor – ein Programm auf dem kulturell „gewandert“ wird mit der Stadt am Fuße der Zinne als Brückenkopf. Dabei gibt es auch „kulturelle Gipfel“ - Höhepunkte, die etwa zeitgenössische, vielleicht auch avantgardistische Kulturevents darstellen. Die regionale Kultur, der Eigenbeitrag der Stadt steht „am Fuße des Berges“, was Kritiker vielleicht auch als „untergeordnet“ einschätzen könnten. Pepene sieht in diesem Bereich folgende drei Schwerpunkte, die er gemäß seinem Berg-Bild folgender-maßen definiert: „die Kulturquellen“ - wo Geschichte und Tradition ihren Platz finden; „die Kulturführer“ - Persönlichkeiten der Kulturszene, die vor Ort Projekte im Bereich Kulturvermittlung fördern; das „Kulturlager“ - der Aufbau der erforderlichen Infrastruktur für die Kulturdarbietungen.

All dieses ist ein schönes theoretisches Konzept. Nur muss die versprochene Veranstaltungsagenda mit Inhalt gefüllt werden – um im Bild von Pepene zu bleiben - mit „Spaziergängen“ (wo Unterhaltung dominiert) „Ausflügen“ (anspruchsvollere Darbietungen) oder sogar „Expeditionen“ (kulturelles Neuland), bei denen möglichst viele in- und ausländische „Wanderer/Touristen“ (das heißt Zuschauer) mitmachen.           

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 15.10 2015, 09:19
N Pepene hat sein Historikerdiplom in der unseligen Zeit unter Ceausescu erhalten... und verhält sich auch immer noch so, wie wenn er in einem totalitären Staat allein entscheiden könnte.
Seine "Kulturvision" passt irgendwie zusammen mit der seit der Ceausescu-Zeit Anstatt daß er für die Zerstörung der Rosenauer Burg bestraft wird, wird er befördert... und bestimmt über die Kultur im Kreis Brasov.


Während fast überall in Europa auf den Erhalt der bestehenden Denkmälern und historischen Spuren geachtet wird, darf ein "Kulturmanager" des Kreises Brasov öffentlich von sich geben, daß der Kreis Brasov sowas nicht braucht... und die Geschichte in den Bergen quasi erfunden werden soll ... von europäischen Touristen vielleicht?
Damit zeigt er wieder einmal, daß er nichts weiteres ist, als ein billiger Marktschreier und Verlängerer der national-kommunistischen Ideologie, welche ihre eigene Geschichte erfinden wollte... und sich so ausdrückte, daß jede andere Wahrheit oder Meinung unterdrückt und verfoglt wurde.
Welcome back! kann man da nur sagen.
Es zeigt sich wieder einmal, daß auch im Kreis Brasov die für Kultur Zuständigen im Kreisrat Ewiggestrige sind, die aber die Vergangenheit vergessen machen wollen.

Wie in jedem zivilisierten Land dieser Welt kann es auch in Rumänien ohne eine Kenntnis der Vergangenheit auch keine glückliche Gegenwart oder Zukunft geben.
Es wäre an der Zeit, daß anstatt der immer noch zu oft in allen Bereichen herrschenden Altstalinisten und ihren Familienclans endlich fähige junge Menschen ohne ideologische und sonstige Verirrungen im Kopf auf die entscheidenden Funktionen gesetzt werden.

Leider sieht es nicht danach aus.
Kultur ist auch im Kreis Brasov und in Kronstadt bei den Ex-Stalinisten und Ceausisten, die das Sagen haben, wenige vorhanden.
Unter Kultur versteht man bisher dort, Kronstadt weiter verfallen zu lassen, oder neue Betonbunker hochzuziehen und die Altstadt zu zerstören. Bzw. mit Kitschevents á la "Brot und Spiele", unappetittlichen Plakaten und Veranstaltungen wie das "Oktoberfest" sogar sich zu erdreisten, "Brasov capitala culturala europeana" zu fordern...
Mit Unterstützung diverser halbseidener Politiker - auch aus dem Ausland.

Doch solange in Kronstadt nicht einmal die Basis für eine professionelle Kulturarbeit im Rathaus und im CJ bestehen, sollte Kronstadt nicht Kulturhauptstadt werden.
Obwohl das historische Erbe sehr groß und noch nicht verfallen ist in Kronstadt, wird es von allen Entscheidern bisher unterdrückt, zerstört, unter den Teppich gekehrt.
Doch mit Bären, Mülldeponien, Titten und viel Lärm um Nichts kann Kronstadt nicht Kulturhauptstadt Europas werden.
Denn das vorhandene Niveau ist weit unter jeglichem Kulturstandard auch einer kleineren zivilisierten europäischen Stadt.

Wo sollen den die Pepenischen "Kulturexpeditionen" stattfinden? Passend dazu wären Exkursionen in die abgeholzten Gebiete... im Kreis Brasov... oder vielleicht Ausflüge zu den Villen der Staatsverbrecher Rebenciuc & Co..

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*