Ex-Rektorin Senatspräsidentin

Die Wahl ist, wie in Reschitza üblich, angefochten worden

Samstag, 20. Februar 2016

Reschitza – Am Donnerstag fand an der Reschitzaer Universität „Eftimie Murgu“ (UEMR) der letzte Wahlgang statt: die Wahl für den Senatsvorsitz. Es kandidierten Ex-Rektorin Doina Frunzăverde und der Ex-Dekan der Technischen Fakultät, Sava Ianici. Für Doina Frunzăverde stimmten 17 Senatsmitglieder, für Ianici sieben. Damit wirkt die Ex-Rektorin weiter an der UEMR, nur vom zweithöchsten Managementposten aus.

Der junge Interims-Vorsitzende des Senats, Marius Miloş, war für ein regelrechtes Mandat nicht angetreten. Es hatte das Interim nach Rücktritt des Senatspräsidenten Marian Mihăilă auf Bitte der Rektorin Doina Frunzăverde Mitte vergangenen Jahres antreten müssen.

Marian Mihăilă, ein ehemaliger Securitate-Offizier (Major), der bis 1989 für die Intellektuellen des Banater Berglands zuständig war und sich nachher im Bereich des Schutzes von Kulturgütern in Krisenzeiten profilierte, in diesem Bereich auch seinen Doktor machte und schließlich überraschend schnell zum akademischen Rang eines Professors aufstieg, ist eine der zweideutigsten Gestalten der Reschitzaer Universität gewesen. Zuerst war er in einen Fall von Wirtschaftsspionage mit serbischen Agenten verwickelt, der bis heute für die Öffentlichkeit ungeklärt geblieben ist. Dann war er in den Fall der Bestechung eines Vizepräsidenten des Berufungsgerichts Temeswar verwickelt, der mit einer Freiheitsstrafe für den Richter und mit einer Bewährungsstrafe für Mihăilă endete – wobei aber Mihăilă, selbst mit seiner zweijährigen Gefängnisstrafe auf Bewährung, weiterhin an der UEMR Senatspräsident blieb.

Zu Fall kam Marian Mihăilă im Korruptionsskandal der Hochschullehrkräfte von Reschitza, in dem auch seine Sekretärin Ruxana Ghiţă kräftig beim Mauscheln mit fertigen Diplomarbeiten und deren Verkauf gegen Euros mitmachte, was diese zuletzt für drei Jahre ins Gefängnis gebracht hat. Auch Mihăilă wird seither strafverfolgt, doch wird sein Fall von der Causa der anderen korrupten Hochschullehrer getrennt untersucht. Aber die DNA-Staatsanwaltschaft des Obersten Justiz- und Kassationshofs ÎCCJ hat immer noch keine Anklage gegen ihn erhoben, während die anderen korrupten Hochschullehrer bereits im Dezember 2015 abgeurteilt wurden. Auch die Fortschrittsmeldungen der ansonsten sehr mediengeilen DNA- und der polizeilichen DGA-Staatsanwaltschaft sind extrem spärlich. Fakt ist im Falle Marian Mihăilă nur eines: die Untersuchungen laufen noch.

Das Erbe, das Rektorin Venera Manciu und Senatspräsidentin Doina Frunzăverde antreten (beide zeigten sich übrigens in der Öffentlichkeit immer als beste Freundinnen) ist nicht nur wegen dieser Vorgeschichten schwierig, sondern auch wegen der Bewertung der Evaluierungskommission ARACIS des Bildungsministeriums, welche das Management der UEMR als „beschränkt vertrauenswürdig“ eingestuft hat.

Die Senatswahlen haben auch, wie in Reschitza üblich, eine Anfechtung erfahren. Univ.-Doz. Dr. Ileana Rotaru monierte die Zusammenstellung der Studentenvertretung, die nicht alle Studienformen – Tageskurs, Abendschule, Fernkurs – berücksichtigt hat und also nicht repräsentativ gewesen sei. Wäre sie es gewesen, wären die Wahlergebnisse andere gewesen, zeigte sie sich überzeugt.

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