Ex-Senator und Chefarzt vor Gericht

Staatsanwaltschaft klagt beide wegen Schmiergeldskandal an

Donnerstag, 24. April 2014

Reschitza - Sebastian Telbis, der ehemalige Chefarzt der Rentenkasse Karasch-Severin und Iosif Secăşan, Ex-Senator und ehemaliger Leiter des Gesundheitsausschusses des Senats sind von der Staatsanwaltschaft am Dienstag dem Kreisgericht Karasch-Severin übergeben worden. Telbis ist der wiederholten Schmiergeldannahme angeklagt, Secăşan der Komplizität bei der Schmiergeldnahme. Mit ihnen angeklagt hat die Staatsanwaltschaft auch den Waldhüter Iova Moza, dem Schmiergeldgabe vorgeworfen wird. Die Staatsanwaltschaft konzentrierte sich in diesem Korruprionsfall auf den 21. Februar 2014, als der damalige Senator Iosif Secăşan – ein Urologe und ehemaliger Direktor des Kreis- Notfallkrankenhauses in Reschitza (dem sein Bruder Dumitru als Direktor gefolgt ist) – Telbis aufgefordert hat, sein Amt im Rahmen des Ausschusses für medizinische Expertise bei der Rentenkasse Karasch-Severin zu nutzen, um Iova Moza, von Beruf Waldhüter, zu einer gutdotierten Invalidenrente zu verhelfen. Laut Staatsanwaltschaft hat Telbis den Expertisebericht aufgesetzt betreffend die Arbeitsunfähigkeit von Moza, dem er Arbeitsunfähigkeit wegen Invalidität dritten Grades bescheinigte. Aufgrund dieser Papiere und auf dringenden Rat von Telbis wurde Moza binnen Kurzem krankenpensioniert. Dafür überreichte Iova Moza Sebastian Telbis in Gegenwart von Iosif Secăşan 200 Euro.

Dazu die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift: „Moza befand sich in der Phase der Arbeitslosigkeit und hatte in der Tat kardiologische Probleme. Seine Chancen auf eine Neuanstellung waren gering. Deshalb suchte Iova Moza seit Beginn dieses Jahres nach einer Möglichkeit, sich wegen Krankheit pensionieren zu lassen. Über Bekannte wurde er Senator Iosif Secăşan in dessen Funktion als Arzt der Urologieabteilung des Notfallkrankenhauses Reschitza vorgestellt (Secăşan behandelte an den freien langen Wochenenden des Parlaments und in den vielen Parlamentsferien Patienten in der Urologieabteilung – Anm. Wk), der seine Position als Senator nutzte und Moza – nachdem dieser auf Anraten von Secăşan sein Krankendossier zwecks Pensionierung vervollständigt hatte – seinerseits Telbis vorstellte. Vorher hatte Moza mit zahlreichen Personen Gespräche geführt, die auf einem ähnlichen Weg zu einer Krankenrente gekommen waren und die ihm klarmachten, dass ein „positiv gelöstes Krankenrentendossier etwas kostet“. Daraufhin lieh sich Iova Moza von einem Nachbarn 1000 Lei, mit denen er nach Reschitza zu Senator Secăşan reiste. Dieser brachte ihm bei, dass Moza das Geld erst mal in Euro umwechseln sollte und dann 200 Euro in einen Briefumschlag stecken soll, den er an Telbis weiterreichen muss. Moza wechselte zwei 50-Euro- und einen 100-Euro-Schein ein und steckte sie in einen Briefumschlag, den er in einer Buchhandlung kaufte.

Damit setzte er sich ins Privatauto von Iosif Secăşan, der ihn zur Ordination von Telbis fuhr. Dort ließ Secăşan Moza zuerst im Wartesaal zurück, sprach drinnen mit Telbis, dem er sagte, dass er auf Bitte einer Drittperson handle und für Moza interveniere, der draußen wartet. Moza Iova wurde in die Ordination gebeten, von Telbis nach seinem Alter gefragt und darüber in Kenntnis gesetzt, dass es Probleme gebe mit denen aus Bukarest, die gegenwärtig 400 solcher Dossiers zur Krankenpensionierung überprüfen. Daraufhin bat er Moza Iova, die Ordination wieder zu verlassen und draußen zu warten. Moza Iova ließ, bevor er hinausging, auf dem Schreibtisch des Arztes sein Krankendossier und zwischen dessen Deckeln auch den Briefumschlag mit den 200 Euro zurück. Etwa 30 Minuten später wurde Moza Iova neuerlich in die Ordination gebeten und von Telbis in Kenntnis gesetzt, dass sein Pensionierungswunsch gelöst werden kann, dass er aber, sollte er nach Bukarest bestellt werden wegen eingehender Überprüfung des Pensionierungsdossiers, seine Kranklenpensionierung gefährdet sein könnte.

Akribisch beschreibt die Staatsanwaltschaft auch, wie „der Angeklagte Secăşan” in der Ordination den Inhalt des Briefumschlags mit den 200 Euro von Moza prüft, der auf dem Schreibtisch lag, und wie er, „nachdem er alles in Ordnung gefunden hat, Telbis einen Wink gibt”. Nachdem Secăşan die Ordination verlassen hatte, habe Telbis den Briefumschlag mit den 200 Euro von Moza Iova an sich genommen. Ein paar Minuten darauf habe Telbis die Papiere der medizinischen Entscheidung über die Arbeitsunfähigkeit von Iova Moza unterzeichnet und paraphiert, „wodurch ihm Arbeitsunfähigkeit dritten Grades bescheinigt wurde”. Nun muss das Kreisgericht in Reschitza zum Korruptionsfall bei der Reschitzaer Rentenkasse sein Urteil fällen.

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