Exporte nach Brasilien und in den Iran geplant

Arader Reisezugwagenhersteller Astra setzt Industrietradition fort

Mittwoch, 28. September 2016

Grüne Astra-Straßenbahnen aus Arad: In Rumänien gebaut, mit Siemens-Technik ausgestattet.

Die Rumänische Eisenbahngesellschaft CFR verfügt nur über wenige moderne oder modernisierte Reisezugwagen. Anfang des Jahres gab CFR Călători bekannt, etwa 500 Millionen Euro in neue Eisenbahnwagen investieren zu wollen. Einheimische Hersteller sind Astra Arad, Softronic Craiova, Remarul 16 Februarie Klausenburg und Electroputere VFU Pașcani.
Fotos: Zoltán Pázmány

100 Reisezugwagen könnte die Arader „Astra Vagoane Călători” demnächst nach Südamerika liefern, der Eigentümer Valer Blidar verhandelt derzeit mit einem brasilianischen Großkonzern, den er bereits 2012 beliefert hat. Ebenfalls in diesem Jahr hat der Arader Unternehmer Verhandlungen mit der Staatseisenbahngesellschaft der Islamischen Republik Iran wieder aufgenommen, der er vor Beginn des Embargos gegen Teheran 200 Wagen verkaufen wollte.

Das Ende der 90er Jahre von Valer Blidar übernommene ehemalige Staatsunternehmen stellt zurzeit mehrere Wagentypen her, Güter- wie auch Reisezugwagen. Ferner baut „Astra Vagoane Călători” Straßenbahnen und Trolleybusse, erst vor kurzem konnte Astra eine Ausschreibung für 20 Trolleybusse in Klausenburg/Cluj-Napoca gewinnen, die Lieferung startet in naher Zukunft. Das Arader Werk ist in der Lage auch Wagen für die einzige in Rumänien existierende U-Bahn in Bukarest bauen, doch der dortige Betreiber Metrorex hat sich für die ausländische Konkurrenz entschieden. Die Wirtschaftskrise und das mangelnde Interesse rumänischer Kommunalbehörden an Straßenbahnen aus Arad zwangen Blidar, sich nach Aufträgen im entfernteren Ausland umzuschauen. Brasilien sowie die arabischen Märkte in Nordafrika und im Vorderen Orient waren seine Hauptabsatzziele bis vor dem Ausbruch des Arabischen Frühlings 2011, seit dann hat die Arader Fabrik aber keinen Zugang mehr zu den Märkten in Ägypten und Lybien, wie Eigentümer Valer Blidar unlängst der Bukarester Wirtschaftszeitung „Ziarul Financiar” erklärte.

Vor allem aus Brasilien und dem Iran verspricht sich Blidar nun Aufträge, im Inland setzt er weiterhin auf Straßenbahnen und Trolleybusse. Seine Imperio-Wagen werden zurzeit jedoch nur in Arad eingesetzt, obwohl Straßenbahnen in mehreren Städten Rumäniens verkehren: Botoșani, Brăila, Bukarest, Klausenburg, Craiova, Galatz/Galați, Jassy/Iași, Großwardein/Oradea, Ploiești und Temeswar/Timișoara. In Reschitza/Reșița, Kronstadt/Brașov, Konstanza/Constanța und Hermannstadt/Sibiu wurde der Straßenbahnverkehr aufgegeben.

Hatte Astra Vagoane Călători” 2014 noch einen Gesamtumsatz von 290 Millionen Lei und einen Gewinn von 41 Millionen Lei gemeldet, so sanken 2015 der Umsatz auf 96 Millionen Lei und der Gewinn auf 1,4 Millionen Lei, heuer soll es wieder bergauf gehen. Die Fabrik beschäftigt etwa 800 Mitarbeiter. Blidar besitzt ferner das Wagen-Instandsetzungswerk Sirv in Titu bei Bukarest, den Marmorhersteller Marmura București, das Unternehmen Tristar ebenfalls in Bukarest und das 2009 gegründete Geldinstitut Banca Comercială Feroviară.

Die Arader Fabrik Astra geht auf den österreichischen Industriellen Johann Weitzer (1832 - 1902) zurück. Der Steirer gründete 1891 die Aktiengesellschaft „Weitzer János Gép-, Waggongyár és Vasöntöde Részvénytársaság in Arad, um auch in der ungarischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie über einen Produktionsstandort zu verfügen. Bereits 1854 hatte er in Graz eine Waggonfabrik errichten lassen. Ab 1903 stellte die Arader Fabrik den ersten in Serie produzierten Verbrennungstriebwagen Europas (Weitzer-De-Dion-Bouton-Triebwagen) her.  1921 entstand dann die „Fabrica de automobile și vagoane Astra, ein Zusammenschluss der „Magyar Automobil Részvény Társaság” und der Weitzer-Werke. Hergestellt wurden vor allem Lastkraftwagen, Omnibusse und Straßenbahnen, zwischen 1922 und 1926 unter der Markenbezeichnung „Astra” auch Personenkraftwagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht, wurden die Arader Waggon-Werke 1998 aufgeteilt und privatisiert, Valer Blidar übernahm die Reisezugwagen-Sparte.

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