Fahrradtour von Amsterdam nach Bukarest

Rumänischer Student radelte 27 Tage für Kinder mit Down-Syndrom

Sonntag, 15. September 2013

Răzvan Isac beendete seine 4000-Kilometer-Fahrradtour in Bukarest.

Von Temeswar aus wurde der Radfahrer von einem Freund begleitet.

In Paris konnte sich Răzvan ein bisschen ausruhen und die Stadt besichtigen.
Fotos: www.europeupride.com

Auf eine ausgefallene Idee kam Răzvan Isac zu Beginn des Jahres: Mit dem Fahrrad von Amsterdam nach Rumänien rund 4000 Kilometer zu fahren. Der 22-Jährige studiert internationale Betriebswirtschaft im dritten Studienjahr an der Erasmus-Universität Rotterdam. Die Idee sollte aber nicht nur seine Radelsucht befriedigen, sondern auch einen wohltätigen Zweck haben. Unter dem Namen „Europe Up Ride“ startete der junge Mann seine Reise in Amsterdam und sammelte bis Bukarest Geld für Kinder mit Down-Syndrom in Rumänien.

„Die Idee hatte ich in dem Moment, als ich entschied, eines meiner Fahrräder aus Rotterdam nach Hause zu bringen“, sagt Răzvan Isac. Der rumänische Student wollte aber die 4000 Kilometer nicht einfach „verschwenden“ und entschied, aus der ungewöhnlichen Fahrt eine Wohltätigkeitsaktion zu machen. Dafür musste er sich erstens einen Adressaten für seine Spende suchen. Die Auswahl war für den jungen Mann gar nicht leicht. „Es gibt eine Menge Fälle, die Unterstützung brauchen“, sagt Răzvan. Unter all diesen wurde der junge Mann von einer besonderen Geschichte beeindruckt. Zwei Eltern aus Focşani hatten einen Verein gegründet, der sich mit der Lage der Kinder mit Down-Syndrom auseinandersetzt. So entschied er sich für den ABC Down-Verein aus Focşani.

Aber nicht nur die Suche nach der richtigen Organisation war schwer. Um sein Ziel zu erreichen, musste Răzvan Isac auch einen Sponsor finden. Credit Europe Bank (CEB) ist eine niederländische Finanzgruppe, die mehr als glücklich war, R²zvan bei seinem Unterfangen zu helfen. „Wir sind stolz, dass wir Răzvan unterstützen können. Die Entwicklung und Integration von Kindern mit Behinderungen ist uns sehr wichtig. Neben der finanziellen Unterstützung durch die Bank haben sich auch CEB-Mitarbeiter direkt bei der Umsetzung der Idee beteiligt. Diese konnten Kilometer der Reisestrecke ‚kaufen‘ und das Geld dem ABC Down-Verein spenden“, erklärt Bogdan Pleşuvescu, stellvertretender Vorsitzender und Koordinator der Öffentlichkeitsarbeit bei Credit Europe Bank Rumänien. Jeder Kilometer der Reise konnte „gekauft“ werden und das Geld floss direkt aufs Konto des ABC-Down-Vereins.

Reise als „Europe Up Ride“ gefördert

Răzvans Reise startete am 18. Juli in Amsterdam am Credit Europe Bank-Gebäude. Bis er am 14. August Bukarest erreichte, durchquerte er die wichtigsten europäischen Städte: Rotterdam, Brüssel, Paris, Genf, Bern, Frankfurt, München, Wien, Bratislava, Budapest und Belgrad. In Rumänien fuhr Răzvan durch Großstädte wie Temeswar/Timişoara, Piteşti und Craiova bis zur Endstation Bukarest.

Viel Mühe für eine gute Tat

Die Reise lief für Răzvan Isac wie ein Abenteuer ab: „Obwohl ich dachte, dass ich auf die Reise gut vorbereitet war, habe ich nie darüber nachgedacht, wie viel Nahrung und Wasser ich eigentlich nach so viel Mühe und bei extremer Hitze verbrauchen würde. An den meisten Tagen erreichte die Temperatur sogar über 40 Grad Celsius, sodass ich mehr als fünf Liter Wasser allein bis zur Mittagszeit trinken musste“, erklärt der Radfahrer. Der Student musste meistens warten, bis er die nächste Stadt erreichte, um Wasser zu tanken. Gefährlich war die Reise für ihn jedoch nicht: „Überraschenderweise fühlte ich mich in Rumänien am sichersten.“

Nach Hunderten von Kilometern durch Europa erreichte Răzvan die Donau in der deutschen Stadt Donauworth. „Nach so viel Anstrengung habe ich dann schließlich etwas Heimatliches gesehen. Die Landschaft entlang der Donau war am schönsten“, erzählt der rumänische Student aus Câmpulung. Die wunderschöne Landschaft hat ihm die Reise nur einigermaßen erleichtert. Răzvan musste jeden Tag rund 200 Kilometer zurücklegen. Er erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. Dabei musste er eine 25 Kilogramm schwere Ausrüstung mitschleppen. „Am schlechtesten war, dass ich nicht genug schlafen konnte. Jeden Tag hatte ich Zeit für bloß sechs Stunden Schlaf“, erinnert er sich.

Der Mangel an Schlaf brachte den 22-Jährigen an den Rand eines Zusammenbruchs. Die Hitze von über 40 Grad auf der Reise zwischen Bratislava und Budapest zwang ihn, anzuhalten, um eine längere Pause einzulegen. „Ich musste meine Reise für ein paar Stunden unterbrechen und mich einfach nur ausruhen und viel Wasser trinken – etwa zehn Liter an diesem Tag“, erinnert sich Răzvan. Er hatte aber ein tägliches Ziel – und um dieses noch zu erreichen, musste er den Zug nehmen. So erreichte er erst Budapest, dann Rumänien und war endlich seinem Ziel näher. So schnell wie möglich stieg er wieder auf sein Fahrrad und legte keine Pausen mehr ein, bis er endlich Temeswar/Timişoara erreichte.

Răzvans Bemühung wurde in der westrumänischen Großstadt belohnt. „Meine Familie hat mich in Temeswar überrascht. Sie warteten auf mich mit Umarmungen und warmen Speisen. Endlich seit Tagen sah ich wieder bekannte Gesichter“, erzählt der Student. Als er die Stadt verließ, war er plötzlich nicht mehr alleine. Die ganze Reisestrecke nach Drobeta Turnu-Severin fuhr er zusammen mit einem anderen Radfahrer: „Dies war einer der besten Tage der ganzen Tour. Tolles Wetter, ein spaßiger Partner voller Energie, gute Laune und natürlich unglaubliche rumänische Landschaften. Zusammen legten wir 225 Kilometer an diesem Tag zurück. Ich erreichte die Donau, die ich in Budapest zurückgelassen hatte und begegnete den erstaunlichen Eisernen Toren“.

Wohltätigkeitstour – eine Möglichkeit, Europa zu entdecken

Eine andere Stadt, wo sich Răzvan längere Zeit ausruhen konnte, war Paris. „Man muss Paris mit dem Fahrrad unbedingt besuchen. Ich sah an nur einem Tag, was andere normalerweise erst in mehreren Tagen entdecken würden, sparte gleichzeitig auch eine Menge Geld. Die Couchsurfers, bei denen ich übernachtet habe, erwähnten auch Plätze, die normalerweise von Touristen nicht besucht werden und tolle Aussichten auf die Stadt bieten“. Für den leidenschaftlichen Radfahrer bedeutete die Reise nach Paris auch eine einzigartige Erfahrung. Sein Aufenthalt in der französischen Hauptstadt stimmte mit der letzten Etappe der  hundertsten Ausgabe der Tour de France überein. 

Zahlreichen Problemen begegnete Răzvan auch auf der Strecke zwischen Basel und Straßburg: „Während das Gelände flach war und ich Geschwindigkeiten von bis zu 32 Kilometern pro Stunde (mit einem Durchschnitt von 26 für den ganzen Tag) erreichen konnte, schaffte ich es, mich zu verfahren“. Răzvan musste einfach dem Rhein entlang fahren. Aber er verpasste eine Ausfahrt und begann stattdessen, dem Rhön-Kanal zu folgen. „Ich musste deswegen 60 Kilometer mehr fahren“, erzählt der Hobby-Radfahrer auf seinem Blog. Sein Unglück endete jedoch nicht mit diesem Ereignis. Auf der Strecke zwischen Straßburg und Frankfurt, in der Nähe von Offenbach, brachen seine Pedale. „Ich glaube, die Alpen waren zu anstrengend für normale Pedale. Ich musste dann mit dem Zug etwa 30 Kilometer bis nach Frankfurt fahren und glücklicherweise fand ich dort einen Ort, um dieses Problem zu lösen“, schreibt Răzvan Isac.

4000 Kilometer hinter sich – 4000 Euro auf dem Konto

In Bukarest endete die Reise am Credit Europe Bank-Gebäude. Insgesamt 4000 Euro wurden für den ABC Down-Verein gesammelt. Răzvan Isac hielt seine Sympathisanten mit den Ereignissen während der Reise auf dem Laufenden, indem er so oft wie möglich Infos und Fotos auf seinem Blog www. europeupride.com postete. Sein persönliches Abenteuer auf dem Blog endete mit diesen Worten: „Ich bin sehr glücklich, dass der ABC Verein genügend Unterstützung bekommen hat, um sein eigenes Abenteuer zu starten – Kindern mit Down-Syndrom helfen zu können. Viel Glück dem ABC Down-Verein!“ Für den rumänischen Studenten war dieses Projekt nicht das Ende seiner wohltätigen Initiative. Er möchte auch andere Projekte dieser Art unterstützen, „da es noch Hunderte verschiedene Stiftungen gibt, die Hilfe brauchen“, schließt Răzvan Isac.

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