Fakten zur lukrativen Schneeräumung

Kreisrat Karasch-Severin gibt viel Geld für schlechte Gegenleistungen aus

Dienstag, 17. Januar 2017

Wahre Unzufriedenheit lösten in der ersten echt winterlichen Dekade des Jahres 2017 die schlecht geräumten Straßen aus – übrigens durchwegs Straßen, die auch sommers leider in sehr schlechten Zustand sind. Deshalb sind die Medien des Banater Berglands der Frage nachgegangen, wem die Kreisratsverwaltung Frunzăverde-Ghiorghioni 2012-2016 per Ausschreibung die Schneeräumung anvertraut hat. Mittels Verträgen, die, wenn´s schlecht geht, bis 2018 laufen. In glücklicheren Fällen laufen einige der Verträge im anstehenden Frühjahr ab.
Wie bereits berichtet, gibt es im Banater Bergland keine Verkehrsstraßen der Klasse I (befahren von über 8000 Fahrzeugen täglich). Die beiden Straßenabschnitte der Klasse II (3000-8000 Fahrzeuge pro Tag), Reschitza - Grădinari und Berzovia - Vermeş - Kreisgrenze Temesch (Richtung Busiasch) müssten allerdings häufiger inspiziert und geräumt werden, als von der Leiterin der Fachdirektion des Kreisrats (DADPP), Corina Pascotă, in einem Kommuniqué angegeben. Hinzu kommt, dass dafür per Gesetz Sonderfahrzeuge gefordert werden. Beides aber ist in der Wirklichkeit nicht der Fall. Was allerdings stimmt: Es gibt keinen einzigen Vertrag mit Schneeräumungsfirmen im Banater Bergland, der vorsieht, dass der Sandstreu (generell: Flusssand mit einer Körnung von 0-8 mm) auch Salz oder Kalziumchlorid beigemischt wird, was im Fall von Eis- oder Schneeglätte ein Muss wäre.

Den Schneeräumungsvertrag für die DJ 581 Reschitza - Grădinari hat der Kreisrat am 13. Februar 2015 mit einer SC Denis Montaj CLR SRL unterzeichnet, die einem gewissen Denis Rof gehört. Der Vertrag läuft bis zum 13. Februar 2018. Für die Schneeräumung auf dem 36,5 km langen Straßenabschnitt bekommt die Firma vom Kreisrat insgesamt 259.200 Lei. Wie gut sie arbeitet, zeigt die Tatsache, dass bereits nach den ersten Schneefällen im November 2016 die Verkehrspolizei die Firma mit einer Verwarnung notifiziert hat, weil sie viel zu spät die Schneeräumung gestartet hat und inzwischen zwei Verkehrsunfälle wegen Schneeglätte verzeichnet wurden. Da sich auch nach der Verwarnung nichts getan hatte, flatterte der Firma von der Verkehrspolizei eine saftige Geldstrafe ins Haus.
Nur lebt die Firma des Denis Rof aber nicht allein von diesem Schneeräumungsvertrag. Weitere 637.200 Lei bekommt sie aufgrund des Vertrags mit DADPP zur Räumung von weiteren 87,2 km (Kreis-)Straßen: DJ 563 (Bokschan - Ezeriş), DJ 585 (Bokschan - Ramna - Duleu, davon ist Ramna - Duleu sogar sommers nahezu unbefahrbar), DJ 586 (Bokschan - Eisenstein/Ocna de Fier - Abraumhalde Eisenstein) und DJ 586 A (Bokschan - Secăşeni, eine Straße, die auch im Sommer nur von Forsttransportern und den Geländewagen der Förster und Jäger befahren wird). Die Zufriedenheit mit ihrer Arbeitsleistung ist im Großraum Bokschan ähnlich groß wie bei der Verkehrspolizei.

Die AMM Construct 2015 eines gewissen Alin Enaşcu hat mit der Kreisrats-Verwaltungseinrichtung DADPP Schneeräumungsverträge über 771.600 Lei, die am 15. März auslaufen. Dafür musste sie in den vergangenen zwei Jahren (der Winter 2015-16 fällt dabei, weil schneearm, kaum ins Gewicht) 110,3 km Kreisstraßen schneefrei halten. Das sind die DJ 572 Comorâşte - Berzovia - Vermeş - Kreisgrenze Temesch (Busiasch), die DJ 582A Reschitza - Târnova, DJ 587 Păltiniş - Delineşti - Apadia - Zorlenţ - Dezeşti - Fârliug - Duleu und die DJ 583A (Abschnitt Scăiuş - Kreuzung DN 57A – das ist die Straßenverbindung Reschitza - Karansebesch). Allerdings: Der Abschnitt der DJ 587 zwischen Delineşti und Ohabiţa war noch nie im Winter offen und wurde immer nur für den land- und forstwirtschaftlichen Verkehr mittels Traktoren benutzt und die DJ 583A liegt in der Klasse IV, fordert also Revisions- und Interventionszeiten, die jeder Geduld spotten. Schwerwiegendere Unzufriedenheiten mit AMM Construct 2015 sind allerdings offiziell nicht bekannt geworden.
Einen weiteren Schneeräumungsvertrag, der am 15. März 2017 ausläuft, hat AMM Construct 2015 für 65,5 km Straßen im Almăj-Tal (442.800 Lei). Es geht um die DJ 571B Bozovici - Cărbunari, DJ 571E (Lăpuşnicel-Anschluss an die DN57 Orawitza - Neumoldowa), die DJ 571F (Prilipe] - Eftimie Murgu/Rudăria) und 571G (Bănia - Lăpuşnicul Mare).

Ein guter Teil dieser Straßen wurde in der Zwischenkriegszeit von den Werken und Domänen Reschitza (UDR) oder, noch früher, von ihrem Vorgängerwerk StEG angelegt und seit kommunistischer Zeit nicht gepflegt, sodass sie praktisch unbenutzbar sind...
Wo es um leicht verdientes Geld geht, fehlte zu Zeiten, als der 10-Prozent-Schmiergeldmann des Kreisrats, Ionesie Ghiorghioni, das Sagen hatte, sein Nachbar aus Ferdinandsberg nicht: „Arabela“. Der schmierige Geschäftsmann Axente Obrejan, genannt „Arabela“ (zur Erinnerung: Er hatte jahrelange Dispute mit dem Kreisrat um den Flughafen Karansebesch und war in einen Riesen-„Spindel“-Skandal verwickelt, den die Staatsanwaltschaft seit zwei Jahren prüft), ist Besitzer der Straßenräumungsfirma SC Carluk Trans Excom und er hat laufende Verträge mit der Kreisrats-Verwaltungsabteilung DADPP, die, so lange es ihm möglich war (das heißt: bis zu seiner Verhaftung), Kreisratsvize Ionesie Ghiorghioni als Melkkuh für die „Zehn-Prozent-Schmiergeldklausel“ diente, für welche er ins Gefängnis musste – ohne gezwungen zu werden, die Schmiergelder zu erstatten...

Die SC Carluk Trans Excom ist für die Räumung der winters stark befahrenen Zufahrt aus Karansebesch zum Muntele Mic oder zur Talstation des Sessellifts dorthin, bei Borlova, verantwortlich. Das ist die DJ 608A. Dafür, und für weitere Verträge zur Schneeräumung, die am 15. März auslaufen, kassiert „Arabela“ 650.400 Lei. Zusätzlich müsste Obrejan nämlich mit seiner Firma SC Carluk Trans Excom auch weitere Straßen – insgesamt 126,6 km – im Großraum Karansebesch sauberhalten: DJ 608 G Căvăran - Zorlencior), DJ 608C (Slatina Timiş - Vârciorova), DJ 682A (Sacu - Obreja), DJ 683 (Zăvoi - Măru - Poaiana Mărului) und DJ 684 (Voislova – Ruskitza - Kreisgrenze Temesch). Auch hier ein Geschenk des Kreisrats: Obwohl winters zwischen Ohaba Mâtnic und Zorlencior gesperrt, gibt es einen Schneeräumungsvertrag für die DJ 608G auf der gesamten Länge zwischen Căvăran und Zorlencior. „Arabela“ hat noch einen zweiten Vertrag mit dem Kreisrat: Er bekommt 422.400 Lei (bei allen obigen Summen bitte immer zehn Prozent für den vertragsverantwortlichen Ionesie Ghiorghioni abrechnen – was die Staatsanwaltschaft leider nicht gemacht hat und so „auch nicht wusste“, wie viel er insgesamt abgezwackt hat!) für die Räumung von 72,2 km Kreisstraßen. Das sind: DJ 608 (Plugova - Rusca - Teregova - Luncaviţa - Mehadica - Cruşovăţ), DJ 608D (Bahnhof - Zentrum Herkulesbad) und DJ 608E (das ist die Bergstraße von Herkulesbad nach Baia de Aramă bzw. Târgu Jiu, die winters meist ebenfalls gesperrt ist). Auch dieser Vertrag läuft am 15. März aus. Verträge geringeren Umfangs gibt es noch mit den Temeswarer Immobilienentwicklern vom Werk MB Construct. Diese verantworten für die Schneeräumung vom Sessellift bei Borlova bis aufs Plateau des Muntele Mic (meist mit Problemen) und für einen 12,6 km langen Abschnitt derselben DJ 608A, wofür ihnen vertragsmäßig 189.600 Lei zustehen.

Kommentare zu diesem Artikel

Erdélyi Szász, 18.01 2017, 00:06
das Übel "Outsourcing" kommt aus Brüssel und die rumänische Politelite hat dieses Konzept trefflich zu ihrem eigenen Nutzen zu wissen vermögen. Clever sind sie ja. Vor den EU-Beamten erzählen sie was von Marktwirtschaft und Liberalisierung, was die gerne hören - und in Wirklichkeit machen sie die Ausschreibungen genau so, dass immer ein Parteifreund oder noch besser ein Familienmitglied mit seiner Firma zum Zug kommt.
Peter, 17.01 2017, 22:44
Das Übel "Outsourcing" hat Rumänien fest im Griff.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*