Familienbetrieb Pletl wird 30 Jahre alt

Reiseunternehmen bietet tägliche Busfahrten zwischen Rumänien und Deutschland

Donnerstag, 01. Juni 2017

Der Hauptsitz der Firma Pletl befindet sich bei Lippa im Kreis Arad.

Vater und Sohn stehen an der Spitze des Pletl-Reiseunternehmens.
Fotos: Zoltán Pázmány

Es gehört schon einiges an Mut dazu, ein eigenes Geschäft auf die Beine zu stellen. Ein Business, in das man alles steckt, was man hat, und das einem den Lebensunterhalt auf Langzeit sichern sollte. Sowohl Mut, als auch Inspiration, denn hat man die falsche Wahl getroffen, kann das bedeuten, dass man alles verliert. Der Banater Schwabe Manfred Pletl war mutig und inspiriert zugleich, als er 1987 beschloss, ein Reisebüro in Nürnberg zu gründen. „Wir haben 1987 mit Mietomnibussen begonnen und drei Jahre später habe ich meinen ersten eigenen Omnibus gekauft. Mittlerweile haben wir 50 Omnibusse und Kleinbusse in unserem Fuhrpark“, erzählt Firmenchef Manfred Pletl (58), der sich zu Beginn selbst ans Steuer gesetzt hat, um die Kunden nach Rumänien zu befördern.
Manfred Pletl stammt aus Lippa/Lipova im Kreis Arad. 1981 wanderte er wegen der schwierigen Situation in Rumänien nach Deutschland aus, legte sein Abitur in Schweinfurt ab und studierte anschließend Betriebswirtschaftslehre in Regensburg. Nach der Gründung des Reiseunternehmens, in das er 12.000 DM, die er von der Bank geliehen hatte, steckte, begann er, die Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen aus Deutschland nach Rumänien und zurück zu befördern. 1994 wurde das Unternehmen in Rumänien gegründet – als Partnerunternehmen für das Reisebüro in Deutschland. „In den Jahren vor dem EU-Beitritt brauchte das deutsche Unternehmen einen rumänischen Partner“, erklärt Manfred Pletl.

2000 beschloss er, sich ein Haus in Rumänien bauen zu lassen. „Meinem Sohn und mir hat es hier so gut gefallen, dass wir uns entschlossen haben, nach Rumänien zu ziehen. Man vergisst seine Heimat nie“, sagt Manfred Pletl, der zu den wenigen Rückkehrern gehört. Ihn unterstützt heute Benny Pletl (25), der Generaldirektor der deutschen Firma. Manfred Pletls Frau, Rodica, von Beruf Ärztin, ist nicht nur die Geschäftsführerin der rumänischen Niederlassung, sondern auch die Betriebsärztin. Benny Pletl bezeichnet sich selbst als „Mann für alles“. „Ich bin in das Unternehmen praktisch hineingeboren worden. Ich war schon von klein an bei Kunden, Terminen und Geschäftsreisen dabei und es hat mir immer Spaß gemacht, mitfahren zu dürfen. Das, was ich mache, gefällt mir sehr“, sagt Benny Pletl, der von Arad nach Lippa in die Arbeit pendelt.  Der junge Mann ist in Nürnberg geboren. Nach seiner Auswanderung nach Rumänien schloss er das deutsche Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeum in Arad ab und studierte anschließend Handels-, Tourismus- und Dienstleistungsökonomie an der Arader Aurel-Vlaicu-Universität. Einen Master im Bereich Wirtschaftswissenschaften absolvierte er auch. Die Busse von Pletl sind nicht zu übersehen. Es ist die Farbe Magenta und das spezifische Logo, die alle Busse prägen. Neoplan und Setra sind die beiden Busmarken, auf die Pletl setzt. „Das sind deutsche Hersteller und bekanntlich sehr gute Hersteller“, sagt Manfred Pletl. Die Busse werden neugekauft. Sieben-acht Jahre später, nachdem sie ausgedient haben, werden sie durch neue ersetzt.

„Wir hatten im vergangenen Jahr 110.000 Kunden. Wir bedienen zurzeit 38 Städte in Deutschland und 43 Städte in Rumänien“, erzählt Manfred Pletl. Jeden Tag finden Fahrten zwischen Rumänien und Deutschland statt. Die Reisebüros sind in ganz Rumänien verstreut. „Die meisten Menschen, die heute mit Pletl fahren, sind Arbeiter“, sagt Manfred Pletl. „Unsere deutsche Kundschaft fliegt lieber“, fügt er hinzu. Dass die Billigfluggesellschaften eine große Konkurrenz für das Reiseunternehmen geworden sind, das gibt der Geschäftsführer ganz offen zu. Zwar ist die Reise mit dem Bus deutlich länger, jedoch hat man in einem Omnibus mehr Komfort als in einem Flugzeug und man kann auch viel mehr Gepäck mitnehmen. „70 Kilogramm in maximal zwei Gepäckstücken darf ein Fahrgast mitnehmen“, erklärt Benny Pletl. Bei Pletl gibt es auch einen Paketdienst – die Pakete werden an die Büros aus Rumänien aufgeteilt. Eine Busfahrt zwischen Rumänien und Deutschland kostet, im Schnitt, 100 Euro. Drei Mahlzeiten sind in dem Preis inbegriffen.
Es war nicht immer leicht, gibt Manfred Pletl zu. „2007-2009 hat man schon gespürt, dass nicht mehr so viel Geld da war. Wir haben das irgendwie hingebogen, gespart, und haben die Firma wieder auf die Beine gestellt“, gibt Manfred Pletl zu.

196 Angestellte in Rumänien – davon 140 nur im westrumänischen Kreis Arad – und 36 in Deutschland sind bei Pletl tätig. Es sei heutzutage sehr schwer, gute Fahrer zu finden, weil die meisten ins Ausland gehen. „Wir stellen große Bedingungen an unsere Fahrer. An erster Stelle steht die Höflichkeit unseren Kunden gegenüber. Dazu kommt die Sicherheit der Fahrgäste – der Fahrer soll in diesem Bereich eine gewisse Erfahrung haben“, sagt Benny Pletl.
Der Hauptsitz von Pletl in Rumänien befindet sich in Lippa und erstreckt sich auf 40.000 Quadratmeter. Ein Parkplatz für Busse, ein Restaurant, ein Event-Raum, ein Autoservice, eine TÜV-Station, eine Lackierhalle und die Verwaltungsbüros befinden sich in Lippa. In Arad besitzt Pletl einen eigenen Busbahnhof – ein weiterer wird aktuell in Hermannstadt/Sibiu gebaut. In Wanheim bei Mannheim besitzt Pletl einen eigenen Betriebshof.
Das Unternehmen Pletl, Mitglied im Deutschsprachigen Wirtschaftsclub Banat, feiert am 2. Juni in Arad sein 30-jähriges Jubiläum. Über 160 Gäste aus Deutschland und Rumänien haben ihre Teilnahme an der Feier angekündigt.

Kommentare zu diesem Artikel

Erika, 13.09 2017, 11:13
Wenn ich mit dem Bus fahren musste, haben wir immer Pletl bevorzugt. Die Fahrer waren mir als Frau mit kleinem Kind immer behilflich. Wir schicken auch immer Pakete mit Pletl und es ist Alles 1 A angekommen. Nichts war kaputt, alles wird sorgfältig behandelt. Rücksichtslos und unmöglich sind manche Fahrgäste, die nur meckern. Ich verstehe ja nur die Deutschstämmigen, die meinten sie wären was besseres als die Rumänen.
Manfred, 03.06 2017, 08:32
Bleib mal sachlich,Thomas.Man befördert heute hauptsächlich Arbeiter...schätze Vertragsarbeiter,wo der Arbeitgeber die Fahrkosten übernimmt.
Pletl heißt Du nicht zufällig ?
Lustig fand ich das damals wirklich nicht !
Thomas, 03.06 2017, 06:37
....da müssen sich wohl 110.000 Kunden pro Jahr massiv irren......die 110.000 die das Wunder möglich machen, dass diese Firma über ein Jahrzehnt später noch existiert.....Anfang des Jahrtausends ist das passiert??? Muss ja wohl einen tiefen Schock ausgelöst haben, der in einer schweren Frustration gemündet hat...naja....seit damals sicher mehr als 1 Million Fahrgäste befördert.....mehr braucht man(n) dazu nicht zu sagen.
Manfred, 01.06 2017, 10:00
Für mich grenzt es an ein Wunder,das diese Firma noch existiert.Nachdem ich zu Beginn des neuen Jahrtausends einmal mit Pletl gereist bin,fahre ich nur noch mit dem eigenen Auto...Warum?Der Bus startete in D mit einem langen Riß in der Frontscheibe.Kaffee wurde (kostenlos) zu den unmöglichsten Zeiten angeboten,nur dann,wenn die "Stewardess" Lust dazu hatte.In der Nähe von Lipowa steuerte der Bus einen abgelegen Parkplatz ohne jede gastronomische Versorgung an,dafür erschienen Hütchenspieler,die unbedarften älteren Damen ihr sauer Erspartes abluchsten...das Pletl-Personal griff nicht ein...Von Hermannstadt aus ging es im Kleinbus weiter Richtung Süden.Der Kleinbus fuhr durchs schneebedeckte Jiu-Tal mit abgefahrenen Sommerreifen,natürlich ohne Schneeketten.Wir Passagiere durften des Öfteren schieben.Dadurch wurde es einem wenigstens warm,denn die Heizung im Bus verdiente ihren Namen nicht.Nach diesem Abenteuer beschwerte ich mich per Fax bei Pletl,auf eine Antwort warte ich heute noch.

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