FASCHINGSZEIT IM BANAT

Mittwoch, 10. Februar 2016

In Warjasch ging es lustig zu: Die kostümierten Jugendlichen zogen durch die Dorfstraßen.

Eine Banater Faschingstradition: das Hänsel-und-Gretel-Strohpuppenpaar

Ein aktuelles Thema beim Fasching im AMG-Haus: der Übergang vom Winter zum Frühling

Die Temeswarer Forumsmitglieder hatten Spaß beim alljährlichen Faschingsfest.
Fotos: Zoltán Pázmány

Narrenumzug durch die Gemeinde

Jugendtanzgruppen feierten Faschingsfest in Warjasch


Die lustige fünfte Jahreszeit, der Karneval oder der Fasching, wird auch im Banat gern gefeiert. Faschingsunterhaltungen wurden am Wochenende vom Banater Bergland bis zur Marosch für Jung und Alt veranstaltet. Das wohl größte Faschingstreiben war in Warjasch/Variaş, im Kreis Temesch, angesagt. Hier feierten die deutschen Jugendtanzgruppen ihr Faschingsfest. Die Kinder und Jugendlichen mit den verschiedensten Masken trafen sich zur Mittagsstunde vor dem Kulturheim und führten ihr Narrentreiben durch die Straßen der Gemeinde.

Die Temescher Gemeinde Warjasch begeht in diesem Jahr 230 Jahre seit ihrer Gründung und veranstaltet aus Anlass der runden Jahreszahl mehrere groß angelegte Ereignisse. Eines davon ist das traditionelle Faschingsfest. Hunderte von Kindern und Jugendlichen kamen diesmal in Warjasch zusammen. Der Narrenumzug wurde von zwei Pferdewagen eröffnet. In der ersten Kutsche saßen die Musiker und das Hänsel-und-Gretel-Bubenpaar, die zweite Kutsche zog hinter sich das Hänsel-und-Gretel-Strohpuppenpaar, das sich während der Fahrt im Kreis drehte. Es folgten zwei kleine Traktoren mit Anhänger. In einem saß der Hofmarschall, der den gesamten Zug koordinierte.

Zum Schluss folgten zwei weitere Traktoren, ebenfalls mit Anhänger, worin die Masken tobten und die Passanten mit Konfetti und Bonbons beschmissen. Halt wurde an den Häusern gemacht, deren Bewohner den Narrenumzug empfangen wollten. „Der Hofmarschall hat die Aufgabe, alles zu koordinieren“, sagte Tanzlehrer Hansi Müller, der Hauptveranstalter des Faschingsfestes in Warjasch. „Das Hänsel-und-Gretel-Puppenpaar war Tradition in vielen Banater Dörfern“, fügte er hinzu. Mit dabei war diesmal auch eine Tanzgruppe aus Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare, geleitet von der Ortsforumsvorsitzenden Dietlinde Huhn. „Nachdem die Warjascher Spatzen beim Erntedankfest in Großsanktnikolaus dabei waren, haben wir die Einladung bekommen, mit unserer Tanzgruppe nach Warjasch zu fahren. Das wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen“, sagte Dietlinde Huhn.

Insgesamt fünf Kinder- und Jugendgruppen machten diesmal mit: die Lustigen Lenauschüler aus Temeswar sowie die Mitglieder der Tanzgruppen aus Detta, Billed  und Großsanktnikolaus nebst ihren Gastgebern von den Warjascher Spatzen. All diese Gruppen koordiniert Tanzlehrer Hansi Müller.

Im Warjascher Kulturheim fand am späten Nachmittag ein Faschingsball statt, der mit einem Krapfenmarsch begann. Die Warjascher Spatzen spendeten den Teilnehmern frisch gebackene Krapfen – in drei davon waren jeweils eine 50-Cent, eine Ein-Euro- und eine Zwei-Euro-Münze versteckt. Die Gewinner dieser drei Münzen kamen aus Temeswar, Billed und Warjasch und mussten lustige Aufgaben erfüllen. Die Gastgebergruppe stellte im Anschluss daran zwei lustige Choreografien vor. Während sich die Mädchen in einem volkstümlichen Reigen drehten, boten die Jungs eine Parodie nach dem „Schwanensee“ an – zum Genuss des Publikums. Zum Schluss durften alle Masken mittanzen. (aa)

 

Fasching im AMG-Haus

Die fünfte Jahreszeit ist auch in Temeswar angekommen

 

Fasching wurde am Wochenende auch in Temeswar/Timişoara groß gefeiert. Im Karl-Singer-Festsaal des Temeswarer Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses kostümierten sich die Mitglieder des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar (DFDT), jene der Volksuni, des Temeswarer „Liederkranzes“ und des „Bunten Herbstreigens“ und boten einen bunten Maskenzug zum traditionellen Faschingsfest an.

Auch diesmal probten die Kulturgruppen des DFDT wochenlang, um das Publikum in die Faschingsstimmung einzuführen. Ganz klassisch, rund um die traditionelle Faschingsbotschaft, drehte sich die vorgeführte Szenette in diesem Jahr: „Wir haben heute den Übergang vom Winter zum Frühling dargestellt“, verrät die Gruppenleiterin Luise Finta. Verschiedene Kostüme marschierten durch den Saal: der Winter, ein Schneemann, Bären, Frühlingsblumen und Schmetterlinge. „Auf der Bühne taucht ein Bär auf, der Ausschau hält, ob der Winter schon vorbei ist oder nicht. Er hat sich aber erschreckt und ist in seine Bärenhöhle zurückgelaufen, doch dann tauchen plötzlich andere Bären auf und diese Bären ziehen sich auf einmal aus und werden zu Frühlingsblümchen“, erzählt Luise Finta. Marianne Wolf ist schon seit Jahren beim Fasching dabei. Im „Bunten Herbstreigen“ tanzt sie schon seit 1998 mit. „Ich heiße zwar Wolf, heute war ich aber eine Wölfin in einem Bärenpelz“, sagt die Frau lächelnd. „Es hat mit sehr gut gefallen, mir hat es, wie immer, Spaß gemacht“, sagt Marianne Wolf.

Für die Choreografie und die Musik war die Tanzlehrerin Hannelore Ulrich zuständig. Die Live-Musik wurde auch diesmal vom Temeswarer Liederkranz dargeboten. Alles unter der Leitung von Arthur Funk. Wie in den vergangenen Jahren auch, wurden die Texte von bekannten Liedern teilweise geändert. „Es waren unsere üblichen Volkslieder, denen wir neue Texte untergeschoben haben“, sagt Chordirigent Funk. Das Lied „Adieu, du lieber Gardeoffizier“ wurde zum „Adieu, du liebes Faschingsfest“ und der Text des Rundgesangs wurde auch teilweise zu folgenden Versen „Heute wollen wir Fasching drehen und auch alle Masken sehen“ umgeschrieben. Die Tanz- und Gesangvorführung sorgte für viel Gelächter und Unterhaltung unter den Zuschauern. Unter anderen wurde auch der Schneewalzer getanzt und das Lied  „Im Prater blühen wieder die Bäume“ auch vom Chor im Festsaal des AMG-Hauses vorgetragen. Zum Schluss durften alle Leute im Saal mitmachen. Viele schwangen das Tanzbein, andere verzehrten im Foyer des AMG-Hauses leckere Krapfen. Amüsiert hat sich jeder, darunter auch der deutsche Vizekonsul in Temeswar, Siegfried Geilhausen. „Es war für mich, wie immer, eine Freude, im Karl-Singer-Festsaal zu sitzen, die wunderschönen Kostüme und die strahlenden Gesichter zu sehen. In der Nähe von Köln, woher ich komme, feiert man Karneval ähnlich. Man ist fröhlich, man trägt Kostüme und es ist einfach eine schöne Zeit für alle. Es heißt nicht umsonst die fünfte Jahreszeit: sie ist vielleicht die schönste Jahreszeit!“ sagt Vizekonsul Geilhausen. (ao)

 


Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*