Faschingszeit im Banat

Eine Bildreportage von Andreea Oance, Iulia Sur (Texte) und Zoltán Pázmány (Fotos)

Mittwoch, 18. Februar 2015

Am Wochenende wurde im Festsaal des Temeswarer Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses das traditionelle Faschingsfest gefeiert. Die Mitglieder des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar (DFDT), jene der Volksuni und des Temeswarer „Liederkranzes“ und des „Bunten Herbstreigens“ kostümierten sich und boten einen bunten Maskenumzug an.

Die Kulturgruppen des DFDT freuen sich jedes Jahr auf das Faschingsfest. Einen ganzen Monat lang haben sie diesmal wieder geprobt, um auch 2015 eine Szenette vor das Publikum zu bringen. Diesmal hat das Internet für Inspiration gesorgt, verrät Luise Finta, Kulturgruppenleiterin: „Ich habe recherchiert und erfahren, dass der Fasching in Nordtirol ganz besonders gefeiert wird. Da muss es ganz bestimmte Masken mit bestimmten Rollen geben – unbedingt einen Winter und viele Hexen, die den Winter vertreiben“. Auch andere Masken – wie zum Beispiel die kleinen Jägermeister – die sich freuten den Winter loszuwerden, gab es in diesem Jahr im AMG-Haus.

Die gesamte Choreographie wurde von angepasster Musik begleitet. „Die Lieder mussten unbedingt lustig sein“, sagt Luise Finta. Die Texte von bekannten Liedern, wie „Lustig ist das Zigeunerleben“, „Zehn kleine Jägermeister“ von den Toten Hosen oder „Meine Oma fährt im Hühnerstahl Motorrad“ wurden teilweise abgeändert und adaptiert. Die Tanz- und Gesangvorführung sorgte für viel Gelächter und Unterhaltung unter den Zuschauern. Zum Schluss durften alle Leute im Saal mitmachen. Viele haben sich zum Tanz begeben. Andere ließen sich im Foyer des AMG-Hauses leckere Krapfen schmecken. Amüsiert hat sich jeder irgendwie.

Hexen, Clowns, Piraten, Soldaten, Indianer und Cowboys bis hin zu venezianischen Masken und Kostümen konnten im unlängst veranstalteten Faschingszug der Jugendlichen in Warjasch entdeckt werden. Zu den über 80 Teilnehmern gehörten Mitglieder der Temeswarer Jugendtrachtengruppe „Banater Rosmarein“, der Jugendgruppe der Arader Filiale des Arbeitskreises Banat-Ja, der „Warjascher Spatzen“, der Billeder Tanzgruppe und Zweitklässler der Lenauschule in Temeswar. Die letzten drei Tanzgruppen werden vom Temeswarer Tanzleiter und Deutschlehrer Hans Müller, Initiator und „Regisseur des Warjascher Faschingszugs und -balls“, unterrichtet.

Die verkleideten und maskierten Jugendlichen mit bemalten Gesichtern sind teilweise zu fuß teilweise in Pferdewagen und im Anhänger eines Traktors durch die Warjascher Straßen gezogen. Hinter einem der beiden Pferdewagen war noch ein Holzrad mit den Hänsel und Gretel-Puppen befestigt, welche sich drehten, sobald sich der Wagen in Bewegung setzte. In Warjasch wurde seit etwa 30 Jahren kein Fasching und bis vor zwei Jahren keine Kirchweih mehr gefeiert. Die Kirchweih wurde auf Initiative der Warjascherin Monica Lazea ins Leben gerufen.

Der Faschingszug rastete bei sechs Häusern in der Gemeinde, wo die kostümierten Gäste mit Gebäck, darunter auch die traditionellen Krapfen, und Getränk bewirtet wurden und danach deutsche Volkstänze vorführten. „Früher gab es einen Wagen, dahinter ein Rad mit den Puppen: Hänsel und Gretel, einen Musikanten und die Kinder, die daneben getanzt, gesungen und gejubelt haben“, erzählt die 60jährige Hedwig Dohinca, eine von zehn derzeit in Warjasch lebenden Deutschen. Die Jugendlichen waren damals weder verkleidet noch maskiert, sie hatten nur bemalte Gesichter. Der Faschingszug passierte nur die „deutschen Straßen“ und am Abend fand ein Ball statt.

Von der Wiederaufnahme des Faschingsbrauchs in Warjasch meint Hedwig Dohinca: „Ich habe meinen Kindern das nicht überbringen können, aber mein Enkel ist jetzt dabei und das freut mich sehr.“ Positiv beeindruckt ist auch Edith Singer, Leiterin der Jugendtrachtengruppe „Banater Rosmareiner“, die dem Fest beiwohnte. „Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass trotz der wenigen Deutschen, die hier in der Gemeinde wohnen, sich das ganze Dorf, ob Rumänen, Serben oder Ungarn, mobilisiert hat“, so Singer. Sie ist sich gewiss, dass die Tradition weitergeht.

Der Fasching, unter anderen auch Karneval und Fastnacht genannt, bezeichnet allgemein die in der Zeit vor der sechswöchigen Fastenzeit ausgelassen gefeierten Bräuche. Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und gilt als Vorbereitung für die Osterzeit. In Temeswar/Timisoara und in Warjasch/Varias wurde am vergangenen Samstag Fasching gefeiert. Wenn in Temeswar jedes Jahr im AMG-Haus Fasching gefeiert wird, so hat Warjasch nach etwa drei Jahrzehnten erneut ein solches Fest veranstaltet.

Kommentare zu diesem Artikel

Ilona, 19.02 2015, 16:28
Der Fasching oder Karneval oder Fastnacht bezeichnet die ausgelassen gefeierten Gauditage V O R der Fastenzeit. Mit dem Aschermittwoch beginnt für die Katholiken die richtige Fastenzeit, in der keine "lauten" Feste, Tanzveranstaltungen... stattfinden. Es ist eine ernste Vorbereitungzeit auf das Osterfest

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