Festung feiner Weine

25 weinbautreibende Betriebe aus Rumänien in Großwardein präsent

Montag, 18. Juni 2018

Die denkmalgeschützten Gewölbekeller der Festung boten ein ansprechendes Ambiente für die erste Auflage der Weinmesse in Großwardein.
Foto: der Verfasser

Reger Besucherandrang herrschte bei der Premiere der Weinmesse in der Festung Großwardein/Oradea. Über 1000 weinaffine Besucher konnten sich von den Qualitäten der vornehmlich rumänischen Weine überzeugen. 25 weinbautreibende Betriebe aus den unterschiedlichsten Anbaugebieten Rumäniens präsentierten an drei Tagen insgesamt über 200 ihrer Erzeugnisse. Vom kleinen Familienweingut bis hin zu Rumäniens international agierendem Weinkellerei-Riesen Seiden/Jidvei hatten die Organisatoren damit bewusst ein breit gefächertes Spektrum an einheimischen Erzeugern nach Großwardein eingeladen. Die mittelalterliche Stadtfestung, die Zitadelle von Großwardein, bot vom 8. bis 10. Juni in zwei ihrer denkmalgeschützten Gewölbekeller ein ansprechendes Ambiente für die erste Auflage der Weinmesse „Salonul Vinurilor - Millésime“. Organisiert wurde die Weinmesse von der in Großwardein beheimateten Weinvereinigung Asociația Millésime, unter der Leitung von Weinbotschafter und -kenner Dr. Prof. Dorin Popa. Der Verein, zudem Herausgeber eines Weinmagazins und mit angeschlossener Weinhandlung in der Festung, versteht sich als Botschafter der Weinkultur. Oberste Maxime ist demnach die Bildung und Information von sowie für Weinkonsumenten in Rumänien. Des Weiteren setzt sich die Organisation für eine angemessene Kommunikation und Wertschöpfung von rumänischen Weinen und deren maßvollen Konsum ein. Neben der steigenden Nachfrage von Bekannten und Mitgliedern sei man zu der Ansicht gekommen, dass es an der Zeit war, neben den etablierten Weinmessen, etwa in Klausenburg/Cluj-Napoca und Temeswar/Timișoara, eine Weinmesse in Großwardein ins Leben zu rufen, so die Veranstalter.


Umfangreiches Programm


Das Konzept der Weinmesse bestand aus der „regulären“ Ausstellung durch die geladenen Weinbaubetriebe sowie diversen themenbasierten Seminaren und Verkostungen. In der Auftaktveranstaltung gab der Präsident der Vereinigung Millésime, Dr. Prof. Dorin Popa, Einblick in die nonverbale Ansprache bei der Verkostung von Weinen. Es gehöre mehr zur Weinansprache, als nur Farbe, Geruch und Geschmack zu benennen, um die Identität und Vielfalt von Weinen auszudrücken, schlussfolgerte Popa. Eine Vergleichsprobe zwischen hauptsächlich autochthonen (heimischen) ungarischen und rumänischen Rebsorten bzw. Weinen zeigte Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Anbaunationen auf, die mit etwa 68.000 bzw. 191.000 Hektar (OIV) zu den traditionellen Erzeugerländern Europas gehören. Weitere Verkostungen befassten sich mit Sangiovese-Variationen nach der Vision der italienischen Kultweinfamilie Marchesi Antinori, portugiesischen Weinen und nicht zuletzt diversen Variationen an Cognac.


Deutsche Wurzeln unter den Ausstellern


Mit Bauer und Prince Știrbey wurden gleich zwei Weingüter aus der südöstlichen Weinbauregion Drăgășani von einem Deutschen repräsentiert, der sich in Rumänien niedergelassen hat. Winzer Oliver Bauer zeichnet sich verantwortlich für seine 2012 gegründete Crama Bauer und das Weingut Prince Știrbey, das mit mehr als 300 Jahren im Besitz von Weinbergen zum Inbegriff rumänischer Weinkultur gehört. Bauer ordnet das Konzept der beiden Weingüter und deren Erzeugnisse grundsätzlich diversifiziert ein: Die Crama Bauer, die ausschließlich Weine aus Einzellagen hervorbringt, ist „im Bereich modernster sowie reduktiver Weinerzeugung angesiedelt, und erzeugt auch schon mal Kleinstmengen von wenigen Hundert Litern“. Die Herangehensweise bei Prince Știrbey definiert der Weinmacher mit einer „klassischen, mehr traditionellen Stilistik und einem Fokus auf den autochthonen Rebsorten“. Zur Messe hatten die Drăgășaner eine Jahrgangs-Vertikale verschiedenster Știrbey-Cabernet Sauvignons ab dem Jahrgang 2007 nach Großwardein gebracht, von deren enormem Reifepotenzial sich die Teilnehmer in einem separaten Meisterkurs überzeugen konnten.


Rundum gelungene Premiere

 

Die Organisation der Auftaktveranstaltung ist als durchweg professionell einzuschätzen, was nicht selbstverständlich für Weinmessen ist, die nicht ausschließlich Fachbesuchern vorbehalten sind. Dies fing bei der vorausgegangenen Kommunikation an die Öffentlichkeit in den klassischen und sozialen Medien an. Auch die Grundvoraussetzungen vor Ort waren auf das Wohl der Besucher ausgerichtet: Eine ausreichend besetzte Mannschaft hielt die Infrastruktur der Verkostungsräumlichkeiten mit frischen Gläsern, Wässern und Informationen durchgängig am Laufen. Die Erzeuger waren allesamt durch Verantwortliche vertreten, die direkt in die Herstellung und/oder den Vertrieb involviert sind, und so gab es ausreichend Gelegenheit, im persönlichen Gespräch auf die einzelnen Weine einzugehen und Hintergrundinformationen aus erster Hand zu erhalten. Unter dem Strich repräsentierten die Erzeugnisse einen Querschnitt durch Rumäniens Anbaugebiete, heimische und internationale Rebsorten und deren Ausbauvarianten. Von der Stilistik her widerspricht das Gros der ausgestellten Weine den teilweise noch in West-europa gängigen Vorurteilen, hiesige bzw. osteuropäische Pendants seien „altbacken“, teils unsauber und nicht marktgerecht vinifiziert.

Kommentare zu diesem Artikel

Jan Stößer, 18.06 2018, 17:36
Guten Tag Schorsch und Danke für Ihren Kommentar,

der ganze Ostblock ist in Bewegung im Weinbereich, nicht zuletzt durch ausländisches Kapital, respektive Investoren. Dies wurde auch dieses Jahr in der ProWein-Ausgabe der Weinwirtschaft gewürdigt. Kommen Sie darauf gerne über meine Email-Adresse zurück.

Ihre Einschätzung zu den "Rückständen" in der Vermarktung der inländischen Weine teile ich. Jedoch werden in absehbarer Zeit die Tage vorbei sein, an denen in Westeuropa die Nase über osteuropäische Weine gerümpft wurde.

Beste Grüße aus Oradea

Jan Stößer
Schorsch, 18.06 2018, 10:50
Tolle Initiative! Die rumänischen Weine haben das verdient und brauchen auch Promotion.

Die rumänischen Weine haben sich gemausert. Aber sie haben immer noch zwei Probleme: es gibt nach wie vor noch nur wenige wirklich gute trockene, und der Preis ist oft massivst überteuert, sogar im Vergleich zu Weinen aus Österreich und Spanien. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss noch ein wenig adäquater werden.

Aber toll, dass sich derzeit viel tut in dem Bereich.

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