Festveranstaltung im Zeichen der Schule

Hohe Gäste aus dem In- und Ausland beehrten das Sachsentreffen mit ihrer Anwesenheit

Mittwoch, 23. September 2015

Hermann Pitters (Mitte) nahm heuer die Honterus-Medaille in Empfang.

Martin Bottesch begrüßte das Publikum im überfüllten Traube-Saal anlässlich der Festveranstaltung.Bernd Fabritius hob die Bedeutung der gemeinsamen Werte für die Zukunft der Gemeinschaft hervor.
Fotos: Vlad Popa (2), Beatrice Ungar (1)

Hermannstadt – Zahlreiche Teilnehmer des Sachsentreffens, Vertreter der lokalen und regionalen Organisationen des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, dessen Landesorganisation, der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien sowie aus Politik und Bildung versammelten sich am Samstagnachmittag im Traube-Saal anlässlich der Festveranstaltung des diesjährigen Sachsentreffens. Anwesend waren als Ehrengäste heuer Werner Hans Lauk, der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest, Dr. Christoph Bergner, Mitglied des Bundestags und Vertreter des Unterausschusses für „Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“, Dr. Bernd Fabritius, Mitglied des Deutschen Bundestags und Vorsitzender des Deutschen Verbands und der Föderation der Siebenbürger Sachsen, Pfr. Mag. Volker Petri, Vorsitzender des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Hans Gärtner, Vorsitzender des HOG-Verbandes sowie Ovidiu Ganţ, der Abgeordnete des DFDR im Rumänischen Parlament und die Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt/Sibiu, Judith Urban. Die Festveranstaltung eröffnete Martin Bottesch, der Vorsitzende des Siebenbürgenforums, der eine Einführung in das Motto der diesjährigen Auflage des Sachsentreffens „Schule – gestern, heute, morgen“ bot und die Ehrengäste um ihre Grußworte bat.

Dr. Paul Jürgen Porr, der Vorsitzende des DFDR, sprach seine Freude aus, die Ehrengäste und das interessierte Publikum begrüßen zu dürfen. Zum Thema der Festveranstaltung erläuterte der Landesvorsitzende die enge Verbindung zwischen dem Schulwesen und der Geschichte der Siebenbürger Sachsen im Laufe der Jahrhunderte. Als einen der harten Schläge für das deutschsprachige Schulwesen in Rumänien erwähnte Dr. Porr die große Auswanderungswelle in den 90-er Jahre, als auch viele Lehrer das Land verließen. Zur Gegenwart des deutschsprachigen Schulwesens sprach der Landesvorsitzende den akuten Lehrermangel an, welchen das zwar sehr willkommene Gastlehrerprogramm, für welches das Forum dankbar ist, jedoch nur zu vier Prozent deckt und die Tatsache, dass viele ausgebildete Lehrer und Kindergärtner dem Schulwesen aus finanziellen Gründen verlorengehen. „Von fast vitaler Bedeutung“ sei in diesem Kontext, so Dr. Porr, der Beschluss des Deutschen Bundestags aus dem Vorjahr, den rumänischen Lehrern eine finanzielle Unterstützung im Gesamtwert von 750.000 Euro zukommen zu lassen. Für die Unterstützung bei der Umsetzung dieses Projektes dankte der Landesvorsitzende besonders Dr. Christoph Bergner, Dr. Bernd Fabritius und Hartmut Koschyk. Zur Zukunft der Schule sprach Porr seine Hoffnung auf grundlegende und nachhaltige Reformen im rumänischen Schulwesen sowie den Ausbau des dualen Unterrichtssystems aus, der in Rumänien bereits seit einigen Jahren Fuß gefasst hat und betonte die wichtige Rolle der Schule für die Tätigkeit des DFDR auch in den nächsten Jahren.

Der bundesdeutsche Botschafter Werner Hans Lauk sprach seine Freude aus, bei der 25-jährigen Jubiläumsfeier des Sachsentreffens dabei zu sein. Der Botschafter sprach den wichtigen Beitrag des qualitativ hochwertigen deutschen Schulsystems zum besseren Verständnis und dem hohen Ansehen der deutschen Minderheit in Rumänien an, ihm sei es zu verdanken, das sich die Abiturientinnen und Abiturienten der deutschsprachigen Schulen anschließend vielfältiger Chancen erfreuen können. Erfreulich seien besonders die Entwicklungen in der dualen Berufsausbildung, wobei die Fortsetzung des Engagements in diesem Bereich von hoher Bedeutung ist. „Die Bundesrepublik Deutschland“, so der Botschafter weiter, „unterstützt die Bestrebungen des DFDR wie auch der Bildungsbehörden im Land zum Erhalt des deutschsprachigen Schulwesens in Rumänien“. Einen Dank sprach Lauk auch der Michael-Schmidt-Stiftung aus, die zukünftige Lehrer unterstützt und forderte auch die zurzeit aktiven Lehrkräfte auf, ihre Schüler und Studenten zu ermutigen, diesen anstrengenden aber auch sehr schönen Beruf aufzunehmen. Der Botschafter sprach auch die gesamteuropäische Dimension des Themas der Flüchtlinge an, die bis Ende des Jahres in Europa zu Hunderttausenden erwartet werden. In diesem Kontext sprach der Botschafter seine Hoffnung auf solidarische und faire Lastenverteilung zur Lösung dieser Krise aus sowie auf die Zusammenarbeit der rumänischen Partner und Freunde.

In seinem Grußwort hob Dr. Christoph Bergner den Modell- und Beispielcharakter des deutschsprachigen Schulwesens in Rumänien hervor und sprach seine Hoffnung aus, die Unterstützung der Lehrkräfte im deutschsprachigen Unterrichtswesen in Rumänien auch in Zukunft fortführen zu können. In diesem Zusammenhang hob Dr. Bergner auch die wichtige Rolle der deutschen Minderheit als authentischer Partner vor Ort hervor. Dr. Bernd Fabritius überbrachte in seinem Grußwort die besten Grüße des Bundesvorstandes des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und des Präsidiums der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen. „Das Sachsentreffen ist wie alle Heimattage, die wir sonst in Wels, in Wien, in Dinkelsbühl, in Kitchener oder in den Vereinigten Staaten feiern, die beste Gelegenheit zu zeigen, dass wir eine Gemeinschaft sind. Es sind Zeichen des Zusammenhaltes und der gemeinsamen Identität der Gemeinschaft, die weit über einen Ort hinausgehen.“ so Dr. Bernd Fabritius. Für die Bedeutung der Gemeinschaft als Schlüssel des gemeinsamen Erfolges der rumäniendeutschen Minderheit gab er als Beispiele die Rettung des Schlosses Horneck in Gundelsheim, die gemeinsamen intensiven und identitätsstiftenden Bestrebungen zur Sicherstellung des muttersprachlichen Unterrichts in deutscher Sprache in Rumänien sowie die Bedeutung der Werte der deutschen Minderheit in Rumänien für die neuesten Entwicklungen in der rumänischen Politik, nämlich der Wahl von Klaus Johannis zum Staatspräsidenten.

Weiteren Grußworten folgte die Festrede anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Sachsentreffens, welche heuer der Historiker und Archivar Thomas [indilariu hielt und welche in nächsten Ausgaben unserer Zeitung erscheinen wird.
Den Höhepunkt der Festveranstaltung stellten die Verleihung der Honterus-Medaille an Pfr. Hermann Pitters für seinen langjährigen Einsatz im Interesse der rumäniendeutschen Minderheit sowie die Verleihung weiterer zwei Jubiläumsmedaillen an Werner Müller, den Vorsitzenden des Mediascher Deutschen Forums und an Helmine Pop, für ihre Tätigkeit im Rahmen der Schulkommission des Siebenbürgenforums dar.


Kommentare zu diesem Artikel

Hermann Grimm, 23.09 2015, 07:19
Es ist festustellen, dass die Lehrerverbände in Bayern und Deutschland genhaue Zahlen über den
Lehrerbedarf in Rumänien brauchen.
Mir ist bekannt, dass z.B. für Sächsisch Regen/Rehin z.B. mindestens ein Deutschlehrer/
Deutschlehrerin fehlt.
Die deutsche Politik müßte zudem die konsularische Vertretung in Hermannstadt wieder personell und wertungsmäßig aufstufen, denn Sonntagsreden helfen nicht!

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