Feuchtgebiete am Donauufer gefährdet

Wasserkraftwerksbetreibern fehlt Sensibilität für Umweltfragen

Dienstag, 04. August 2015

Besonders von der Absenkung des Pegels betroffen: der Ostrov Decebal bei Neumoldowa. Jungfische und -lurche verenden im trockengelegten Kraut.

Die Ökologische Gruppe für Zusammenarbeit GEC Nera aus Orawitza/Oraviţa schlägt in ihrem jüngsten Rundschreiben Alarm: Alljährlich senkt der Betreiber des Wasserkraftwerks zwischen Orschowa/Orşova und Drobeta Turnu-Severin den Pegel des Donaustausees Eisernes Tor I um bis zu drei Meter, doch das Ministerium für Umwelt, Gewässer und Wälder habe noch immer keine Erklärung hierzu noch einen Maßnahmenplan veröffentlicht.

GEC Nera und seine serbischen Partner, die Umweltschützer aus Veliko Gradiste und Pantschowa/Pancevo, haben Ende Mai die Öffentlichkeit beider Länder auf das massenhafte Töten von Fischen und Laich aufmerksam gemacht, welches alljährlich um diese Zeit – ausgerechnet zur der Schonzeit der Fische – durch das Ablassen eines Teils des Stauwassers ausgelöst wird. Was „Grundentleerung“ genannt wird, diene nachweislich nur im geringsten Maße diesem Zweck.

Das Absenken des Donaupegels um zwei bis drei Meter gerade oder kurz nach der Laichzeit, in der sich die kaum geschlüpften Jungfische im warmen und vor Raubfischen sicheren Wasser in Ufernähe aufhielten, töte den Nachwuchs millionenfach. Neben ökologischen entstünden durch die Verringerung des Fischbestands auch massive wirtschaftliche Schäden. Dieses Abtöten pflanzenfressender Fische trage daneben nicht unerheblich zur Verkrautung des Donaustausees bei.

Man habe es bei dieser „Grundentleerung“ mit einer wahren „Aggression gegen die Umwelt“ zu tun, so GEC Nera. Dabei seien am Donaustausee einige Gebiete besonders schwer betroffen, etwa der „Ostrov Decebal“ bei Altmoldowa/Moldova Veche, wo die Donau ihre größte Breite besitzt, bevor sie sich durch den 110 Kilometer langen und teilweise nur 160 Meter breiten Donaudurchbruch presst. In einem Stausee soll dieser regelmäßige Vorgang des Wasserablassens eigentlich zum Wegschwemmen der Sinkstoffe führen – der größten Gefahr für jeden Stausee: Angeschwemmte Sinkstoffe führen anderenfalls zwangsläufig zur Verlandung. Doch in den wenigsten Fällen kann tatsächlich eine langfristige Effizienz dieser Grundentleerung nachgewiesen werden.

Der „Ostrov Decebal“ ist gewöhnlich stark verkrautet und vor allem für Fische und Lurche eine wahre „Kinderstube“. Wenn jedoch binnen Stunden der Donaupegel um mehrere Meter abgesenkt wird, verfangen sich diese Lebewesen in den Algen und im Kraut und verenden hier durch das rasche Austrocknen des Uferbereichs durch die Sonne elendig.

„Die Mikrofauna solcher Bereiche wird dann jedes Mal auf Dutzenden Kilometern zerstört“, erklärt GEC Nera aufgrund der gemeinsamen Beobachtungen mit den serbischen Kollegen. Und: „Bis jetzt hat das rumänische Ministerium für Umwelt, Gewässer und Wälder uns noch keinerlei klare Details im Bezug auf diesen schwerwiegenden ökologischen Unfall an der Donau geliefert. Selbst als wir sie anlässlich des ‘Tages der Donau’, der in Neumoldowa/Moldova Nouă begangen wurde, dazu aufgefordert haben, haben die anwesenden Offiziellen darüber keinerlei Auskünfte verlauten lassen. Auch in diesem Jahr ließen sie uns also im Unklaren, was in und mit den Feuchtgebieten am Ufer des Donaustausees in der Clisura de Sus, dem stromaufwärts gelegenen Teil des Donauengpasses, auch in diesem Jahr geschehen ist - von Gegen- und Schutzmaßnahmen, die zumindest künftig wirken sollten, ganz zu schweigen.“

GEC Nera hat zusammen mit dem serbischen Verein Deliblatica aus Pantschowa und der Gemeindeverwaltung von Veliko Gradiste Maßnahmen zum Schutz und zur Sauberhaltung des Donaustausees erarbeitet. Diese sollen im Bereich des Eisernen Tors und des Nera-Deltas am linken Ufer des Donaustausees auf rumänischem und serbischem Hoheitsgebiet zum Tragen kommen. Bereits jetzt sind sie im „Gemeinsamen Programm für Zusammenarbeit“ zusammengefasst, welches sich dem Naturschutz und der Förderung eines umweltfreundlichen Tourismus verschreibt und in die Donaustrategie der EU (rumänisches Kürzel: SUERD, für: Strategia Uniunii Europene a Regiunii Dunării) integriert werden soll.

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