Feuerwehr der Demokratie und Brandstifter

Donnerstag, 23. August 2018

Die Gendarmerie Rumäniens ist vom kommunistischen Regime aufgelöst und im Dezember 1990 wiedergegründet worden. Durch ihre „Heldentaten“ vom 10. August, als sie mit stupider Brutalität gegen mehrheitlich friedliche Demonstranten vorgegangen ist – unter denen sich (von wem wohl angeheuerte?) Provokateure („Ultras”) befanden –, hat sie sich vor der Öffentlichkeit definitiv kompromittiert. Doch die Peinlichkeiten der Gendarmerie haben ihre eigene Geschichte.

Im September 1991 bewacht die Gendarmerie das Parlament vor den Horden der Bergleute aus dem Schiltal, die Präsident Iliescu „zur Rettung der Demokratie zu Hilfe” gerufen hatte. Als die prügelnden und verwüstenden Rotten den Gendarmen gegenüberstehen, befiehlt deren Offizier, Gheorghe Lupu, Platz zu machen. Er lässt die Meute des Miron Cosma ins Parlament, wo sie erst der Abgeordnete Ion Ra]iu halbwegs zur Vernunft bringt. Auch dieser Schritt zurück der Gendarmerie führte zum Fall der Regierung Roman. Acht Jahre später verursachen die Bergleute unter Miron Cosma bei Costești/Argeș, die für denselben Offizier Lupu, nun ein Gendarmeriegeneral, peinlichste Schlappe, die Unbewaffnete bis an die Zähne Bewaffneten verursachen können: Die Gendarmerie ergreift die Flucht, General Lupu schmeißt die Uniform weg, türmt als Zivilist.... Die Wasserwerfer, die sie reichlich mit hatten, wurden nicht eingesetzt. Spätere Untersuchungen des Verhaltens des Gendarmeriegenerals versandeten. Präsident Constantinescu erklärte, „okkulte Interessen” hätten „die Justiz bewogen, in dieser causa zu keiner natürlichen Schlussfolgerung zu gelangen.“ Premier Radu Vasile unterzeichnete mit den Bergleuten den „Frieden von Cozia”, ...nachdem der Präsident die Armeepanzer aus den Kasernen auffahren ließ.

Nicht zuletzt: der Mordfall an zwei Albanern im Kosovo. Ein blutiges „Ruhmesblatt” der rumänischen Gendarmerie, die dort im Rahmen des „Uno-Friedenserhaltungscorps” eine Einheit stehen hatte. 2007, während einer Demo (die rumänische Gendarmerie hat „Erfahrung” mit Demonstrationen...), wurden aus den Reihen der rumänischen Gendarmen zwei Gummigeschosse (wie am 10. August in Bukarest) mit Absicht (besagen die Uno-Untersuchungen) direkt ins Gesicht von Demonstranten abgefeuert. Zwei wurden tödlich getroffen. Dass die Schuldigen am Tod der Demonstranten eindeutig rumänische Gendarmen waren, steht seither fest. Nicht aber, wer der oder die Schützen waren. Frage, da er (oder beide) noch unter Waffen stehen könnten: Waren auch der/die mutmaßlichen Todesschützen von Kosovo am 10. August auf dem Platz vor dem Regierungsgebäude? Die rumänische Gendarmerieeinheit war 2007 umgehend abgezogen worden. Zeugen sagen: in Bukarest schoss man auch wahllos.

Der Mix von Auswirkungen systematischer Verdummung, Stupidität und Brutalität der Gendarmerie war aus den Fernsehbildern vom 10. August zu sehen. Auch aus den puerilen Erklärungsversuchen einer plump-chefhörigen Innenministerin Carmen Dan (sie hat sich jüngst fast entschuldigt), des Oberkommandos der Gendarmerie, aus der Rechtfertigung der Präfektin von Bukarest. Tierische Brutalität gegen Menschen, die ihre Hände hochhielten. Ein anonymer Gendarmerieoffizier gab vor laufender Kamera zu, dass die Attacke auf die Demonstranten den Ausbruch von Panik beabsichtigte (Klartext: Zertrampelung von Menschen durch panisch Flüchtende – das war die eigentliche ABSICHT?!...). So etwas nennt man Verbrechen. Dem gegenüber sind Pfeffersprays und Wasserwerfer Spielzeug, Exerziermittel (manche Szenen schauten echt nach Exerzieren aus; Beispiel: als die Gendarmen gegen ihre eigenen Leute, die keinen Gesichtsschutz hatten, Gasgranaten abschossen...).

Wer glaubt noch, dass die Untersuchungen der Militärstaatsanwaltschaft, die sich als Feuerwehr der Demokratie schminkt, je konkrete Ergebnisse zeitigen werden?

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