Filmabend mit sozialem Hintergrund

Der „Pelicula Culturala“-Verein bringt europäische Filme auf die Bühne

Mittwoch, 02. Juli 2014

Vollbesetzt bei einem Filmabend des Vereins im Temeswarer Capitol-Sommergarten Foto: privat

In Temeswar haben die Filmliebhaber Grund zur Freude, denn vor Kurzem wurde ein neues Filmfestival angekündigt. Von den Vereinen „Pelicula Culturala“ und „Marele Ecran“ veranstaltet, wird das Indie-Film-Festival „Ceau, Cinema!“ vom 17. – 20. Juli im Haus der Künste, in der Episcop-Augustin-Pacha-Straße ablaufen. Das Deutsche Kulturzentrum Temeswar hat dafür schon mehrere Kurzfilme, und einen Spielfilm („Kopfkino“, in der Regie von Serdar Dogan) vorbereitet. Ausnahme ist die letzte Aufführung des Festivals, die in Gottlob stattfinden wird – ein Dorf, das nicht nur für seine Wassermelonen bekannt sein sollte, sondern auch für seine neue Kinematek. Das aus Europäischen Fonds finanzierte Projekt ist etwas Besonderes in Rumänien, denn nicht einmal Temeswar hat eine Kinematek, trotz ähnlicher Bestrebungen lokaler Film-Vereine. Nicoleta Ciocov und Betty Varga, Gründerinnen des „Pelicula Cultural²“-Vereins, stellen sich das Gottlob-Ereignis schon bildhaft vor: „Es wird heiß sein, wir werden Wassermelonen essen und die Filmvorführungen in Freien genießen…“ sagen sie enthusiastisch und laden alle, die den europäischen Film mögen oder diesen wiederentdecken möchten, zu „Ceau, Cinema!“ ein.   

Die Geschichte des „Pelicula Culturala“-Vereins begann vor drei Jahren, als den zwei Freundinnen diese Idee gekommen ist: „Wie schön wäre es, wenn wir Filmabende an geschichtsträchtigen, für das offene Publikum unzugänglichen Orten organisieren könnten!“, erinnern sie sich heute daran. Es blieb lange Zeit nur ein Traum, aber in Dezember 2012 wurde es Wirklichkeit: die Aufführung des Polnischen Dokumentar-Films „Das Spielzeug“, dass die Geschichte der Spielzeuge in Polens kommunistischer Vergangenheit erzählt. Dazu wurden hausgemachte Kekse serviert und der Lesesaal im Temeswarer Haus der Künste – die erste öffentliche Bibliothek mit Lesesaal in der ehemaligen Habsburgischen Monarchie – mit Spielzeug verziert. Als Eintrittskarten galten Spielzeuge, die darauf Weihnachtsgeschenke für bedürftige Kindern wurden.

 

Filmvorführung mit Konzept

Die Veranstaltungen der „Pelicula Culturala“ sind demnach nicht einfache Filmvorführungen. Sie haben ein Konzept und einen festgelegten Plan dahinter, denn jedes Ereignis besteht aus mehreren Momenten: Reden der Gäste, Musik, Tanz, Projektionen. Der Ort spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Leute sollen seine Geschichte erfahren und sich ein bisschen hinein versetzen können. Das alte Rathaus von Temeswar, der Veranstaltungssaal des Serbischen Pfarrhauses und das astronomische Observatorium wurden schon von „Pelicula Cultural²“ besucht. Nach der Filmvorführung im Ballettsaal der Nationaloper wurde man Zeuge einer Ballett-Probe, mit professionellen Balletttänzern. „Jeder Filmabend ist für uns ein besonderes Ereignis und wir machen uns immer viel Gedanken darüber, damit alles nach Plan funktioniert, dass es den Leuten gefällt und sie sich dabei wohl fühlen“, erzählt Betty Varga. Nicoleta Ciocov erinnert sich: „Der Picknick unter den Sternen, mit Lichtern in den Bäumen, wo wir mit den Apparaten des Observatoriums die Sterne beobachten konnten, das war wunderbar. Wir wollen es unbedingt wiederholen“. Drei volle Autos mit Schulsachen wurden an dem Tag gesammelt und danach an bedürftige Kinder gespendet. Die Idee, Produkte als Eintrittskarten zu verlangen, ist den Veranstalterinnen ganz natürlich gekommen, denn beide haben einen beruflichen Hintergrund in Sozialarbeit. Da sie den Kulturakt nicht frei anbieten wollten, haben sie eine elegante Lösung dafür gefunden. Spielzeug für Kinder, Bettwäsche und Handtücher für ein Krankenhaus, sind einige der Eintrittskarten, die bei den „Pelicula Culturala“-Ereignissen verlangt wurden. Obwohl diese bisher meist an Kinder gespendet wurden, ist das nicht Ziel des Vereins. In Zukunft sollen auch Bereiche wie Umwelt oder Recycling unterstützt werden.

 

Förderung des Europäischen Films  

Obwohl die Veranstalterinnen keine Film-Kritiker sind und keine Expertise in diesem Bereich haben, werden die Filme, die sie auswählen, vom Publikum geschätzt. Als Beweis dafür steht die Zahl der Leute, die an ihren Ereignissen teilnehmen. „Das Projekt hat klein angefangen. 20 Leute waren am Anfang mit dabei. Jetzt sind es jedes Mal mehr als hundert“ sagt Betty Varga. Bei der Aufführung des spanischen Films „Mientras duermes” („Schlaf gut“), in der Regie von Jaume Balagueró (2011), im Rahmen des Festivals der Temeswarer Künste, waren mehr als tausend Leute im Freilichtkino Capitol zugegen. Positiv reagierten auch die ausländischen Kultur-Institute und Botschaften, die schon von Anfang an, als „Pelicula Culturala“ noch kein offiziell anerkannter Verein war, das Projekt unterstützt haben. Von einer Film-Liste, die sie vom Partner-Institut bekommen, wählen Betty Varga und Nicoleta Ciocov ihren Lieblingsfilm aus und erarbeiten danach ein vollständiges Konzept dazu.

Das Publikum erziehen, das ist ebenfalls einer der Ziele des „Pelicula Culturala“-Vereins. Er möchte versuchen, das europäische Kino, das oft als langweilig beschrieben wird, den Zuschauern in einer neuen, attraktiven Form zu präsentieren. Mehr als das, will der Verein in Zukunft Bildungs-Projekte wie Film- und Video-Kurse für Schüler organisieren. Angefangen haben sie mit dem Projekt Cinema Edu, das vom Bukarester Verein Macondo initiiert wurde und  landesweit verbreitet. Während der „Schule anders“-Woche kamen 500 Schüler von fünf Lyzeen zu den Filmvorführungen im Studentenkulturhaus und hatten dort die Chance, mit Lucian Ionica, von TVR Temeswar, die Film-Themen und -Techniken zu besprechen. In ihren Auftrag, den europäischen Film zu fördern, haben die Veranstalterinnen ihren Terminkalender bis September schon voll. Seit drei Jahren sind sie für das Haus der Filme beim Plai- Festival (12. – 14. September, Banater Dorfmuseum) zuständig und werden dort auch dieses Jahr ihre  Lieblingsfilme den Zuschauern vorführen.

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