Finanznot in Backstube, Baumarkt und Privatklinik

Deutscher Unternehmer korrigiert Konkursverwalter

Dienstag, 12. März 2013

Privatkliniken, Teigwarenproduzenten und Baumärkte werden in diesem Jahr am schnellsten in Zahlungsengpässe geraten, heißt es bei der Firma für Insolvenzverwaltung Casa de Insolvenţă Transilvania (CITR). Zu dieser Schlussfolgerung kam das Unternehmen nach einem Marktcheck, der die derzeitigen wirtschaftlichen Gegebenheiten berücksichtigte, aber auch die finanziellen Aspekte jedes Sektors im Einzelnen. Dabei ging es um die Finanzierungsart, die spezifische Gesetzgebung sowie die Perspektiven beim Konsumverhalten. Ein Banater Unternehmer widerlegt jedoch zumindest in einem Punkt die Ausführungen des Konkursverwalters.

Im Falle der Privatkliniken hätten verschiedene Finanzierungsfaktoren zur Verschuldung dieser geführt, heißt es beim Insolvenzverwalter. Innerhalb von zwei Jahren – zwischen 2008 und 2010 – wurden nach Aussagen der CITR-Experten mehr als 100 Privatkliniken gegründet – die Eigenleistung des Inhabers lag bei durchschnittlichen 10 bis 15 Prozent. In vielen Fällen sei das vorgesehene Budget jedoch überschritten worden, wobei sich die Frist zur Tilgung der Bankschulden mit dem Abschluss der Investition überschnitten habe. Zu einem Zeitpunkt also, zu dem noch kein Gewinn generiert wurde. Als überdimensioniert bezeichnen die Vertreter des Insolvenzverwalters die meisten Privatkliniken und die Tarife würden heute unter dem Niveau der Planungen zum Investitionsstart liegen, sodass der anfängliche Business-Plan nicht mehr realisierbar sei. Durch die gesunkene Kaufkraft der Bürger seien die Patienten nicht, wie erhofft, in die Privatkliniken übergesiedelt, sondern würden nach wie vor massiv die Betreuung in staatlichen Krankenhäusern vorziehen.

Im Bereich der Brot- und Teigwarenerzeugung scheinen die größten Engpässe primär auf Steuerhinterziehung zurückzuführen zu sein. Der Industrieverband der Teigwarenhersteller schätzte im Jahr 2010 das an der Steuer vorbei produzierte Brot auf 1,56 Millionen Tonnen, was angeblich 72 Prozent der gesamten Brotmenge ergibt. Die Presseagentur Mediafax zitiert das Nationale Statistikamt, das einen monatlichen Brotverbrauch in Rumänien von 45.000 bis 50.000 Tonnen angibt – der einschlägige Branchenverband spricht jedoch von 180.000 Tonnen. „Die Steuerhinterziehung der kleinen Firmen auf dem Markt verdrängt die Großen, die gezwungen sind, alle ihre Geschäfte korrekt abzuwickeln“, heißt es bei CITR. Und was die Qualität des Brotes betrifft: Da verzichte die Bevölkerung lieber auf Qualität und schaue vor allem auf den Preis. Roland Bernardin, Gründer einer Großbäckerei in der Stadt Pankota im Verwaltungskreis Arad, widerspricht auf Nachfrage der ADZ solchen Theorien. Gerade Unternehmen der kleinen Bäcker gehen ein, weil diese nicht die finanziellen Mittel haben, um gegen die Großen auf dem Markt zu bestehen, sagt Bernardin. Die Qualität könne man „schon der Konkurrenz wegen, nicht mindern“.    

Zur Zukunft der Baumärkte heißt es bei CITR, dass diese die Krise weitaus besser überstanden hätten als artverwandte Bereiche wie die Baubranche oder der Immobiliensektor. In der Hoffnung auf eine Erholung des Marktes haben die Baumarktketten ihre territoriale Expansion fortgesetzt, der Absatz sei jedoch zurückgegangen, heißt es beim Insolvenzverwalter Transilvania. Die Neuinvestitionen haben demnach Verluste mit sich gebracht, genauso wie die Rabatte, um die Marktanteile zu erhöhen. Dabei sei für den Kunden derzeit nur eines wichtig: der Preis. Dieser Aspekt mache aus dem Jahr 2013 für die Baumärkte das schwierigste Jahr der letzten Zeit.

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