FisArt 2014: Ein Ema Harris auf Temeswars Straßen

Street Art Festival bringt Künstler aus aller Welt in die Stadt

Mittwoch, 01. Oktober 2014

Sie stammt aus Bukarest, hat in den USA zwei Masters abgeschlossen und ist jetzt selber Lehrerin: Ema Harris wird von der Jack Fischer Gallery in San Francisco vertreten.

Etwa 2x8 Meter groß ist die Arbeit von Ema Harris, die seit Mittwoch auf der Wand des öffentlichen Parkplatzes in der Sfântul Ioan Straße steht.

Ema Harris hat den Ausbruch gewagt: Raus aus dem Atelier und auf die Straße. Sie wollte ausnahmsweise unter den Augen aller arbeiten, den Entstehungsprozess ihrer Kunst offen darlegen und sich der größten Herausforderung eines Street Artists stellen, nämlich der Zeit. In nur zwei Tagen vollendete sie ein Mural in der Sfântul Ioan Straße unweit von der Arbeit der Sprüherin MadC.

Passanten reagierten auf ihre Kunst anders als Galeriebesucher. Die erste Frage betraf nicht die Arbeit selbst, sondern ob sie denn Genehmigungen dafür hätte. Erst als Ema versichern konnte, dass ihre Kunst ganz legal entsteht, äußerten sich ihre Zuschauer auch zu dem Mural selbst.

Sie stört die Reaktionen nicht. Kunst soll für jeden zugänglich sein und den Kontakt sollte man nicht scheuen. Selbst wenn das Verständnis für ihre Arbeiten manchmal fehlt.

Ihre Ansicht teilen auch die Organisatoren des Temeswarer Street Art Fesitvals. Sie suchen die Konfrontation mit den Bürgern. Denn Kunst soll nicht in Galerien verstauben. Darum wurde Ema auch zu FisArt 2014 eingeladen. Der Kontakt entstand über die Künstlerin Elisabeth Ochsenfeld.

 

Aus Bukarest nach San Francisco

Ema Harris’ Arbeiten werden meist in Ausstellungsräumen gezeigt, selten an kunstfremden Orten. Die „Jack Fischer Gallery“ in San Francisco vertritt die Bukaresterin, die seit Jahren in den Vereinigten Staaten lebt.

1999 besuchte sie die USA das erste Mal als Studentin. Über ein Austauschprogramm arbeitete sie auf einem Indianerreservat in „Sioux Falls“, South Dakota. Dort lernte sie Martha Corathers von der Universtity of Delaware kennen. Sie riet Ema dazu, sich für ein Masterstudium an ihrer Universität zu bewerben. Das machte die Künstlerin auch, wurde allerdings das erste Mal nicht angenommen. Es hatte finanzielle Gründe: Die Bukaresterin konnte sich das Studium nicht leisten und hoffte darum auf ein Stipendium. Für Masterprogramme bot die University of Delaware allerdings keine Stipendien an.

Erst der zweite Anlaufversuch klappte, nachdem die Universität sich auch dazu bereit erklärte, sie mit einem „Scholarship“ zu unterstützen.

Nach ihrem Abschluss wollte Ema weiter studieren und bewarb sich an der San Joste State University für einen weiteren Master. Drei Jahre lang studierte sie Malerei und wurde danach selber Lehrkraft. Heute unterrichtet sie dort und ist zu einer eingefleischten Amerikanerin geworden.

Immer wieder rissen sich Universitäten um die talentierte Künstlerin. Sie selbst bleibt bescheiden und meint zu ihrem Werdegang nur: „Ich hatte Glück.“

 

Alles ist Bewegung

Die Philosophie des griechischen Philosophen Heraklit beschäftigt Ema Harris als Künstlerin. Seine Auffassung von Werden und Vergehen werden in ihren Werken oft thematisiert. Sie teilt Heraklits Meinung, dass die Struktur der Realität darin nicht als statisch, sondern als prozesshaft aufgefasst wird. Mit anderen Worten: Alles befindet sich in einer ständigen Bewegung. Und diesen Zustand versucht die Künstlerin in ihren Werken einzufangen.

Das und die Fragmentierung von Dingen. Die Aufspaltung einer Sache in so vielen Teilen wie möglich, ohne aber das ihr Wesen verloren geht.

Wobei sie wie ein Kartograf an die Arbeit herangeht. Für sie stellen Karten Artikulationssysteme dar.

Das alles spiegelt sich in ihrem Mural wieder. Es ist ein Stück Ema Harris auf einer Temeswarer Straße. Trotz Ähnlichkeiten zu einer Graffitiarbeit, ist es was ganz anderes. Es könnte genauso gut auf einer Leine gemalt sein und in einer Galerie stehen.

Aber inzwischen dürfte das auch auf Graffiti zutreffen. In den letzten Jahren ist nicht nur klassische Kunst auf die Straße geflüchtet, auch Street Art hat es in die Galerien geschafft und wird auch als seriöse Kunst wahrgenommen.

 

Ein Festival für das positive Image von Street Art

Alles nur Einteilungen meint Ema Harris. Sie passt perfekt in diese Bewegung rein, die den Ausbruch sucht. Es dürfte manche wundern, wieso sie nicht eher den Zugang zur Street Art gesucht hat. Weil es ihr als Künstlerin eben darum geht, Schranken zu durchbrechen. Darum will sie auch durch ihre Kunst ein statisches Diagramm in Bewegung setzen.

Das internationale Graffiti Festival in Temeswar dauert einige Wochen statt. Ema Harris ist nur eine von zahlreichen Künstlern, die sich an dem Festival beteiligen. Mit dem Festival möchte die Kunsthochschule Temeswar Street Art in der Stadt fördern. Das Festival auch dazu beigetragen, dass zahlreiche legale Graffitis in der Stadt entstanden sind.

Trotzdem wird Street Art weiterhin in den Augen vieler Bürger als schlecht angesehen. Mit der Zeit soll sich das ändern. Das hofft Sergiu Morario und Corina Nani, die Hauptveranstalter von FisArt.

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