FisArt 2015

Iker Muro oder die Grenze zwischen Graffiti und StreetArt

Mittwoch, 22. Juli 2015

Mural-Art und nicht Graffiti: Die auf dem Pasmatex-Gebäude entstandenen Arbeiten haben nichts mit Graffiti zu tun. Es geht nicht um Typografie und das sogenannte „tagen“. Aber auch politisch möchten die Arbeiten der Spanier nicht sein.

Bunt und lebensfroh: Die Arbeiten der spannischen StreetArtists orientiert sich an der lateinischen Schule, was den Stil angeht und wendet sich vom klassischen Graffiti der USA ab.
Fotos: Sergio Morariu

StreetArt ist inzwischen so weit gefächert, dass selbst ihre Vertreter nicht mehr genau wissen, wo sie sich positionieren sollen. Graffiti, mittlerweile Urvater vieler moderner Strömungen, wird heutzutage lieber ausgegrenzt. Künstler, wie etwa der Spanier Iker Muro, sprechen lieber von Post-Graffiti, zumindest dann, wenn es um ihre Kunst geht, die nicht heimlich und in der Schnelle entsteht. Der schlechte Ruf, den Graffiti genießt, der wird manchmal fälschlicherweise auch StreetArt zugeschrieben. Dabei sei es, so Muro, weitaus mehr. Es geht nicht mehr nur um Territorialansprüche im urbanen Dschungel. StreetArt, so wie es er und sein Künstlerfreund TXEMY machen, geht über das tagen hinaus. Das heißt, es wird nicht bloß der Künstlername kryptisch auf eine Wand gesprüht, sondern das was sie betreiben, bezeichnen sie eher als Mural-Art: Cartoonartige Figuren oder auch detailliertere Charaktere stehen im Vordergrund. Die Typografie hat eine begleitende Rolle.

Doch auch Graffiti-Künstler lassen sich nicht gerne in den gleichen Topf schmeißen. Stattdessen haben manche eine klare Linie gezogen. Iker Muro, gebürtig aus Bilbao, Hauptstadt der Provinz Bizkaia, ist Grafikdesigner. Er hat mit StreetArt erst 2002 angefangen, da war er schon stolze 23 Jahre alt. Am Anfang übte er sich al illegaler Sprüher, hatte während eines Festivals in Barcelona Blut geleckt, wandte sich dann aber schnell von der illegalen Szene ab. Inzwischen reist er und sein Freund TXEMY um die Welt, nimmt an StreetArt-Festivals in den USA, Südamerika und Europa teil und kommt auch damit über die Runden. Zwar hat er seinen Job als Grafikedesigner nicht gänzlich aufgegeben, doch dieser ist inzwischen für Muro hintergründig.

Zuletzt war Iker Muro zusammen mit TXEMY und anderen StreetArtists in Temeswar/Timişoara. Auf Einladung von Sergio Morariu, der das FisArt Festival mitorganisiert, arbeiteten rund zehn spannische Künstler eine Woche lang in der Begastadt. Das Fabrikgelände des rumänischen Textilherstellers Pasmatex diente als Spielwiese für die Spanier. Die Fassade des alten Hauptgebäudes wurde von oben bis unten bemalt. Auch auf dem Dach wurden Arbeiten angefertigt. Diese wurden in einer Ausstellung dem neugierigen Temeswarer vorgestellt. „Schade, dass nicht alle Zugang zu unseren Arbeiten haben“, sagt Muro. Auf das Gelände kommt sonst niemand rein. „StreetArt muss öffentlicher sein. Für jeden zugänglich gemacht werden.“

Kunst für die Straße

Marga Lopez schloss den einwöchigen Aufenthalt der spannischen Künstler damit ab, dass sie ihr Mural an der Bega beendete: ein florales Geflecht woraus der Leitspruch „Now or never“ durch sprießt. „Ursprünglich wollten wir es auf Rumänisch schreiben“, meint Sergio Morariu. „Aber man kann es schwer übersetzen.“

Gleich nach dem Lopez ihre Arbeit beendete, fuhr sie und die anderen Künstler zum Flughafen.

Die meisten arbeiten hauptberuflich als Illustratoren, Grafikdesigner oder sind Maler. Kaum einer ist über die Graffitiszene zur StreetArt gekommen. Sie werden auch von einer Agentur repräsentiert. Sie stehen bei Baligreen Agency unter Vertrag.

TXEMY ist Maler. Er hat in Galerien und Museen ausgestellt und man würde, findet Muro, bei ihm erkennen, dass er aus einer anderen Kunstsparte kommt. „Er ist wie die Impressionisten“, so der StreetArtist über TXEMY. „Wenn er arbeitet, arbeitet er mit seinem ganzen Körper.“

Einflüsse würde man heutzutage überall finden, meint Iker Muro. Inspirierend findet er sowohl Maler wie Salvador Dali als auch viele Kollegen mit denen er zusammengearbeitet hat. Sie alle aufzählen kann er nicht, nennt aber gerne ARYZ, BLU, BICILETASEMFRENO, 123KLAN, DEM, YOKOPIUM.

Seit vier Jahren wird in Temeswar ein StreetArt-Festival veranstaltet. Die erste Auflage fand in einem bescheidenen Rahmen statt. In den letzten Jahren experimentierten die Veranstalter immer wieder mit dem Format. Die Dauer wurde in späteren Auflagen auf mehrere Wochen und dann Monate ausgeweitet. Inzwischen ist FisArt ein regelmäßiges Ereignis. Immer wieder laden die Organisatoren ausländische StreetArtists ein, die alten, verlassen Ruinen Temeswars mit ihrer Kunst aufzupeppen. Sergio Morariu kennt diese Bewegung des Aufhübschens aus den Vereinigten Staaten, aus Miami. Dort lernte er auch TXEMY und Iker Muro kennen. In den letzten Jahren besuchten immer wieder amerikanische Künstler, wie Henry Lipkis oder die aus Bukarest gebürtige Ema Harris. Auch Künstler aus Deutschland, der Schweiz sowie anderen europäischen Ländern besuchten Temeswar und arbeiteten Vorort.

Für Sergio Morariu ist diese Entwicklung in Temeswar wichtig, weil für ihn Kunst im öffentlichen Raum wichtig ist. Sie muss zu den Menschen kommen und nur so könnte dies geschehen, findet er.

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