Flughafen-Resignation macht sich langsam breit

Donnerstag, 25. Juni 2015

Die Landebahn des Kronstädter Flughafens ist, nicht nur am Papier, fertig. Alles andere steht noch in den Sternen.
Foto: Hans Butmaloiu

Ex-Transportminister Ioan Rus hatte bereits Anfang Oktober des Vorjahres, bei der Eröffnung der Lande- und Startbahn des zukünftigen Kronstädter Flughafens bewiesen, dass er ein loses Mundwerk hat. Er werde  dafür sorgen, dass weitere Investitionen folgen, ansonsten könnten sich ja entlang der  fast 3 km der neuen Betonpiste Depots von Holzkisten für Kartoffeln aneinanderreihen.

Rus ist als Minister inzwischen für andere, weit derbere Äußerungen betreffend die Familien der Auslandsrumänen zurückgetreten. Der Ex-Vorsitzende des Kreisrates Kronstadt, Aristotel Căncescu, muss heute um seine politische Laufbahn, wenn nicht sogar um seine Freiheit, wegen einer Bestechungsaffäre fürchten. Das Comeback des engagiertesten Verfechters des Flughafenprojektes bei Weidenbach wird auf sich warten lassen.  Căncescu versprach den Kronstädtern, den Flughafen mit Mitteln des Kreisrates und seiner Partner in absehbarer Zukunft zur Wirklichkeit werden zu lassen.

Es kam aber nur bis zum Anlegen der neuen Piste. Das hat rund 16 Millionen Euro gekostet. Nach vorsichtigen, herunter korrigierten Schätzungen bräuchte man mindestens weitere 40 Millionen Euro, um einen Flughafen zu haben, der Kronstadt für mittellange Strecken als Lande- bzw. Abflugort zur Verfügung steht.
Inzwischen hat man in Kronstadt erkannt und zugegeben: aus eigenen Kräften ist das Geld nicht aufzutreiben. Eine öffentlich-private Partnerschaft zwischen Kreisrat und einem oder mehreren Privatinvestoren kommt nicht zustande. Ist es wohl, nach der Wirtschaftskrise, zu riskant, in Kronstadt sein Geld in so ein Projekt zu setzen?

Wahrscheinlich ja. Die Schätzungen, die nach acht Jahren ab Eröffnung eine Zahl der Fluggäste von 1 Million/Jahr angaben, wurden stark reduziert. In dieser Phase ist es noch zu früh, um über eine Flughafen-Betreibergesellschaft zu sprechen, oder über Fluggesellschaften, die da Flüge anbieten. Cargo-Flüge seien interessant; Touristen aus dem Ausland für kurzfristige Angebote nach Kronstadt zu bringen, wünscht man sich ebenfalls. Hinzu kämen Inlands-Fluggäste aus einem Raum um Kronstadt den ich, nach größeren Ortschaften, von den benachbarten und konkurrierenden Flughäfen wie folgt abgrenzen würde: Fogarasch (von Hermannstadt/Sibiu), Schäßburg (von Hermannstadt und Neumarkt/Tg.Mureş), Sfântu Gheorghe bis Miercurea Ciuc (von Neumarkt) und das Prahovatal (von Bukarest Otopeni).

Von letzterem Flughafen, dem größten des Landes, erhoffen sich manche Fachleute, rund ein Fünftel der Kunden nach Kronstadt umzuleiten, also abzuwerben. Aber auch mit dem Status eines Ausweichflughafens für Bukarest könnte man in Kronstadt leben und somit technische Vorbedingungen und Betreiber-Fragen leichter los werden. Leider läuft die Zeit den Kronstädtern davon und der Flughafen Craiova nutzt die Gelegenheit und scheint den Kronstädtern diese Variante wegzuschnappen.

Noch überlegt sich der Stadtrat Kronstadt, ob und wenn ja, mit welchem Prozentanteil, die Stadt in das Flughafen-Projekt einsteigt. Mehr Transparenz betreffend Finanzen und Investitionen sind erwünscht, nachdem an Căncescus Image (im Falle des Flughafens praktisch mit dem Image des Kreisrates gleichzusetzen) unschöne Kratzer und Narben auftauchten. Noch sind bürokratisch-juristische Details nicht vom Tisch. Letztes Beispiel: der Streit, ob eine abgelaufene Grundstück-Nutzungsfrist eine „Verlängerung“ zulässt oder ob diese „Verlängerung“ als „Terminänderung“ in den Unterlagen geführt werden muss. Noch haben die Kronstädter in Bezug auf ihren Flughafen eine abwartende Haltung. Oder es ist bereits die Resignation, dass dieses Projekt gegen das es kaum einen prinzipiellen Widerstand vor Ort gibt, zu einer „Fata Morgana“, einem Trugbild, wird.

Die Piste ist da. Aber mit ihr wird der Flughafen nicht zum Selbstläufer. Im Gegenteil: jeder weitere Aufschub macht den Flughafen teurer, unwahrscheinlicher … und die Kronstädter skeptischer, dass ihre  Lokalpolitiker dieses Projekt überhaupt auch richtig anpacken und umsetzen können.

Kommentare zu diesem Artikel

Jo, 28.08 2017, 21:50
Liebe Mitforisten,
.
ein Flughafen gehört zu einer Stadt, welche die Entwickung nicht verschlafen will, schon dazu und würde Kronstadt sicher mit Unternehmensansiedelungen wirtschaftlich weiterhelfen.
Allerdings sollte die Größenordnung bzw. die Kapazität nicht zu hoch angesetzt werden, um eben nicht zu einem Millionengrab zu werden.
Im Übrigen hat Forist "dan" recht, wenn er sich von Leuten, die mit RO bzw. Kronstadt nix zu tun haben und die Situation nicht kennen, keine Belehrungen wünscht.
Und passend dazu kann Mitforist Hans Joachim noch nicht mal den Namen meiner Heimatstadt Leipzig richtig schreiben. Aber mit Flughäfen kennt er sich aus...
Und wenn User "Ottmar" hier von Nazi-Sprüchen schreibt, dann weiß ich mal wieder, warum ich in Kürze aus Leipzig weggehe und mit meiner Frau in Kronstadt eine neue Heimat finden werde.
P.S. der Leipziger Airport boomt: Wachstum bei den Passagieren und enormes Wachstum bei Cargo.
Ottmar, 02.07 2015, 12:43
Dan dein Beitrag ist ebenso unqualifiziert. Deutschland hat doppelt so viel Flughäfen wie Rumänien und alle Flughäfen mit weniger als 300000 Passagiere sind in Deutschland unrentabel und werden subventioniert. In Deutschland würde man ja auch nicht mit dem Flugzeug von München nach Nürnberg fahren. Da fährt man mit dem Zug oder mit dem Auto. Das selbe kannst du auch von Sibiu nach Brasov machen. Also was weist du Rumäne schon über Deutschland. Setzen sechs. Deine Nationalsozialistische Gesinnung und deine Nazi-Sprüche über Deutschland kannst dir sparen.
dan, 28.06 2015, 09:11
Rolf Joachim: keine Ahnung haben, die lokalen Bräuche nicht respektieren- wir sagen hier alle "Kronstadt" und nicht Brasov, wenn wir deutsch schreiben!!
Aber uns vormachen zu wollen, daß das, was in Deutschland gilt, ebenso in Rumänien gültig sein soll.
Ihr Beitrag ist unqualifiziert: im Raum Kronstadt und auch in ganz Rumänien ist die Infrastruktur mittelalterlich, wenn man sie mit Deutschland vergleicht.
Deutschland hat 10 mal mehr Flughäfen als Rumänien.
Wenn ein deutscher Flughafen schlecht gemanaged wird und Verluste schreibt, dann ist das kein Beweis, daß es in Kronstadt keinen Flughafen braucht.
Sondern nur ein weiterer Beweis, daß dekandente, bequeme Deutsche eben aufgrund dem Überfluss dort manchmal auf fetten Posten sitzen, aber nichts tun... siehe BER- Flughafenprojekt Berlin.
So weit seid ihr Deutschen gekommen, daß ihr nicht mal mehr im eigenen Land imstande seid, für die Hauptstadt in Jahrzehnten einen Flughafen zu bauen--- weil dort die SPD-Genossen die ganze Zeit regieren und das Geld in ihrem Sumpf verteilt wird!
Aber uns in Rumänien sagen zu wollen, was wir zu tun haben, das kannst du!
Geh´ weg!
dan, 28.06 2015, 09:05
Tourist: Wer will den euren Grund? Wofür?
Kurzsichtiger kann man nicht denken..
Denn es gibt ja leider auch in der Kronstädter Gegend fast keine Sachsen mehr.
Das Forum wird von Leuten wie Hr. Macedonski repräsentiert... der kein Sachse ist, sondern ein Unternehmer, der nur an seine Geschäfte denkt. Oder hat er bisher was für die Sachsen gemacht?
Das Forum in Kronstadt hat leider nicht die nötigen Menschen (gehabt) wie in Hermannstadt (Johannis, der ja nun weg ist), hat weniger Kredibilität weil weniger Ergebnisse. Wofür sind die Rumänen daran schuld?
Kehrt zuerst vor eurer eigenen Tür!
Rolf Joachim, 26.06 2015, 13:52
Brasov hat sich auch ohne Flughafen prächtig entwickelt. Brasov braucht diesen Flughafen nicht. Der Fluglärm wäre unerträglich. Es gibt ausreichend Flugplätze in der Nähe, die alle kein Geld, sondern nur Schulden erwirtschaften. Der Flughafen in Brasov würde zum Millionengrab!
Wir brauchen doch nur die Situation der Flughäfen in Deutschland zu betrachten, die sind fast alle Pleite und werden mit Steuergelder gestützt. Der Flughafen Zweibrücken hat Insolvenz angemeldet und wurde jetzt geschlossen. Frankfurt/Hahn, Dortmund, Leibzig, Kassel/Kalden und andere kämpfen ums Überleben.
Tourist, 26.06 2015, 02:24
wir Sachsen wollen eigentlich gar keinen Fliegerplatz, für den unser Hattert zubetoniert wird. Sollen halt die Firmen in die Walachei abwandern, dann gehen vielleicht auch die ganzen von dem Kommunisten angesiedelten Walachen auch wieder dorthin. Im Gegensatz zu Hermannstadt kriegt das Deutsche Forum bei Wahlen in Kronstadt immer nur ein paar mikrige Prozent. Warum sollten wir uns also für so ein Projekt einsetzen? Ihr wählt uns nicht. Wir selber wollen das eigentlich gar nicht. Ihr wollt unseren Grund. Dann zahlt auch dafür und organisiert euch euer Projekt selber, falls ihr das könnt.
dan, 25.06 2015, 10:02
Herr Sudrigan, Sie vergessen, daß INA als größter Arbeitgeber vor Ort schon länger damit droht, den Standort zu schließen, wenn die vor 12 Jahren gemachten Versprechungen nicht wahr werden. Sprich Autobahn oder Flughafen nicht zeitnah realisiert werden.
D.h. entscheidend beim Flughafen Ja-oder-Nein ist die Wirkung auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Kreises Kronstadt.
Sie dürfte empfindlich getroffen werden, wenn keine Investoren mehr kommen, oder große Investoren abziehen.

Doch in Bukarest interessiert das niemanden.
Wenn man bedenkt, daß "nur" ein paar Millionen EUR fehlen.... die in Bukarest von Politikern jährlich aufgrund von Comisioane verdient werden...während die Mehrheit im Land arm ist, und nichts sparen kann, oft nicht über die Runden kommt.

dann kann man den großen Abgrund zwischen den neureichen Politikern und der Realität in Rumänien ein wenig verstehen.
Man sollte die beschlagnahmten Güter der Korrupten sofort versteigern, und mit dem Geld endlich die notwendige Infrastruktur im Land, z.B. den Flughafen Kronstadt, bauen!

Deswegen: nicht resignieren, sondern weiter kämpfen! Es steht die Zukunft des Kreises auf dem Spiel!

Der Stadtrat sollte sich schnell entscheiden für das Mitmachen.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*