Flutlichtbeleuchtung der Schwarzen Kirche in einer ausweglosen Lage

ADZ-Gespräch mit Richard Sterner, Direktor der Immobilienverwaltung der Honterusgemeinde Kronstadt

Mittwoch, 18. Mai 2016

Richard Sterner

Detailaufnahme in einem Dachboden: links die Verteilerdose, durchgerostet und ohne Deckel, rechts, frei auf einem Dachbalken angenagelt die Vorspule der Leuchtröhre mit einer Zweitspule, die einfach mit Isolierband aufgeklebt wurde.
Foto: Richard Sterner

Mehr als 20 solcher Scheinwerfer wurden an Fassaden und auf Dächern der Häuser am Honterushof angebracht und auf die Schwarze Kirche ausgerichtet.
Foto: Hans Butmaloiu

Der Kreis Kronstadt/Braşov hat drei Hauptziele, welche von Touristen besucht werden. In der Reihenfolge der Besucherzahlen (Stand 2015) sind diese: die ehemalige Zollfestung Törzburg/Bran (602.142 Eintrittskarten), die Fluchtburg Rosenau/Râşnov (363.000 Eintrittskarten) und die Schwarze Kirche (250.000 Eintrittskarten). Die Törzburg ging vor Jahren an seine rechtmäßigen Eigentümer zurück und wird privat hervorragend verwaltet. Rosenau war zeitweise an einen privaten Betreiber verpachtet worden, der ohne Genehmigungen mehrere Bausünden begangen hat, doch seit der Übernahme durch die Stadtverwaltung Rosenau wurden diese behoben, eine umfassende Sanierung durchgeführt und vor einem Jahr auch eine Schrägbahn in Betrieb genommen, um den Zugang den Besuchern zu erleichtern. Eigentlich müssten jetzt auch für die Schwarze Kirche Erfolgsmeldungen folgen, doch dem ist nicht so. Weshalb und wieso es einen besonders negativen Aspekt gibt, erklärte Richard Sterner, Direktor der Immobilienverwaltung der Honterusgemeinde, dem ADZ-Redakteur Hans Butmaloiu.

Seit mehreren Wochen schon ist der Honterushof abends und über die Nacht nicht mehr beleuchtet, welches ist der Grund?

Die Schwarze Kirche wurde schon vor 1989 von Reisegruppen besucht und demnach – damals aus staatlichen Mitteln – gepflegt. Eine solche Investition war die Flutlichtanlage, bestehend aus Scheinwerfern, welche den Bau nachts beleuchteten. Diese wurden anhand eines Projektes – darauf komme ich noch zurück – an Fassaden und auf den Dächern der umstehenden Gebäude angebracht. Eine von der Leistung her, also vom Stromverbrauch, sehr starke Anlage. Diese Anlage, bestehend aus ursprünglich über 20 Scheinwerfern und zusätzlich aus an den Fassaden angebrachten Laternen (Sonderanfertigungen, die Gaslaternen nachempfunden waren), wurde an das städtische Beleuchtungsnetz angeschlossen und – selbstverständlich – zusammen mit diesem gesteuert. Die damals für Kronstadt gedruckten Postkarten hatten oft Nachtaufnahmen mit der angeleuchteten Schwarzen Kirche als Motiv, ein (heute) in der nationalen Liste unter Nr. LMI 259 BV-II-m-A-11412.01 erfasstes Baudenkmal (die Liste kann unter der Adresse: http://patrimoniu.gov.ro/ro/monumente-istorice/lista-monumentelor-istorice abgerufen werden).

Das war allerdings vor mehr als drei Jahrzehnten. Wieso funktioniert sie aber heute nicht – im Frühlingsmonat Mai, wo schon Scharen von Touristen in Kronstadt unterwegs sind – und das nicht nur bei Tageslicht sondern auch in den Abendstunden? Das wird wohl einen technischen Grund haben.
Irgendwann nach 1990 wurde die Wartung, Instandhaltung usw. der Stadtbeleuchtung per Ausschreibung an die Firma Flash Group vergeben, unter deren Obhut sie sich zurzeit befindet. Die Arbeiten, welche Flash Group durchführt, werden von der Stadt bezahlt, nicht mehr bezahlt wird aber der Stromverbrauch. Das hat seine gesetzliche Richtigkeit, denn der Honterushof gehört der Honterusgemeinde, ist also Privatbesitz und nicht Besitz der Stadt. Die Auflagen sind da eindeutig und lassen kein Schlupfloch. Da komme ich auf den erwähnten Stromverbrauch (und Richard Sterner greift zum Taschenrechner): Nehmen wir an, dass von den Scheinwerfern noch 15 funktionieren, und gehen wir von einer Betriebszeit von durchschnittlich sieben Stunden/Tag aus, so kommen wir bei den 5000-Watt-Leuchtröhren auf einen Stromverbrauch von über 5500 Euro im Monat. Den zu decken, kann sich die Schwarze Kirche nicht leisten, das geht weit über die Möglichkeiten hinaus. Außerdem liegt es nicht nur an dem Verbrauch, sondern an dem Zustand der Anlage, und der ist mehr als gefährlich!

Wieso denn, es ist doch eine Anlage, die mehrere Jahrzehnte funktioniert hat?

Die Anlage ist nach Bestimmungen der 70er Jahre gebaut worden, uns liegen die Pläne von damals vor, genehmigt, durchgeführt und mit Abnahme versehen, doch diese entsprechen nicht mehr den heutigen, viel strengeren Sicherheitsauflagen. Nehmen wir nur das Kabelnetz, das in den Dachböden der umstehenden Gebäude liegt, so geht von diesem hohe Brandgefahr aus. Es sind veraltete Kabel, mit brüchiger Isolation, auch geflickt, nicht immer fachgerecht, aus Zeiten, die weit zurückliegen. Diese Kabel zu verwenden für Verbraucher von je 5000 Watt (ein herkömmliches Dampfbügeleisen liegt bei etwa 1200 Watt) ist gefährlich, da die Anschlüsse solch eine Last einfach nicht mehr tragen. Als Beispiel: Ein Anschlusskasten an einem der Gebäude hat vor gar nicht langer Zeit Feuer gefangen und man kann von Glück reden, dass es nicht der Anschluss auf einem Dachboden war! Wartung und Reparatur dieser Anlage unterstehen eben Flash Group, doch die Firma kann auch nicht aus eigener Tasche ein vollständiges Netz bauen, wenn die Stadt solch eine Arbeit nicht bezahlt. Und die Stadt kann es nicht, eben weil es sich um eine Anlage handelt, die auf privatem Boden steht, ein Teufelskreis, aus dem es bei der jetzigen Gesetzeslage keinen Ausweg gibt. Und um einen Brand oder andere Schäden zu vermeiden, muss die Flutlichtanlage vorerst abgeschaltet bleiben.

Was wurde in dieser Sache unternommen?

Natürlich haben wir die Dinge nicht einfach auf sich beruhen gelassen: Es wurde ein gemeinsames Protokoll aufgestellt, Schwarze Kirche, Flash Group und Bürgermeisteramt, in dem bis ins Detail alle Punkte erfasst wurden. Dieses ist der vorläufige Stand, aber auch die technische Erfassung, die als Grundlage des zukünftigen Handelns dienen wird. Das Sahnehäubchen setzte diese Tage Flash Group auf und teilte uns mit, dass auch einer der Zuleitungskabel der Anlage irgendwo, wahrscheinlich unter der Erde, unterbrochen ist.

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