Forschungsreihe durch einen neuen Band ergänzt

Gernot Nussbächer widmet in der Folge „Aus Urkunden und Chroniken“ einen weiteren Band dem Kreis Hermannstadt

Sonntag, 08. Februar 2015

Gernot Nussbächer: „Aus Urkunden und Chroniken“, Band 15, Kreis Hermannstadt, dritter Teil K – M, aldus Verlag Kronstadt 2014, Seiten 254.

Unermüdlich setzt der Historiker Gernot Nussbächer seine Forschungstätigkeit fort, wobei er die nun 15 Bände umfassende Serie „Aus Urkunden und Chroniken“ allein im Vorjahr mit zwei weiteren Folgen bereichern konnte. Band 14, der im Spätherbst erschien, war  Kronstadt gewidmet. Vor Weihnachten überraschte dann der Autor mit Band 15, der als dritter Teil die Ortschaften in alphabetischer Reihenfolge von K bis M im Hermannstädter Kreis umfasst. Es sind Beiträge, die bisher in der deutschsprachigen Presse des Landes erschienen sind, aktualisiert wurden mit neusten Forschungsergebnissen und zahlreichen Anmerkungen, die sehr hilfreich sowohl für Forscher als auch angehende Historiker sind. Die meisten der 44 Beiträge erschienen im „Neuer Weg“ und dessen Nachfolgetagespublikation „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“, neun der Beiträge in der „Karpatenrundschau“ und zwei in der Vorgängerin der „Volkszeitung“, drei in den Wochenpublikationen „Die Woche“ bzw. zwei in der „Hermannstädter Zeitung“.

Der im Kronstädter aldus Verlag erschienene Band, herausgegeben mit finanzieller Unterstützung des Departements für Interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Regierung über das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt, und der Unterstützung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde Heidelberg, zieht die Blicke gleich auf die auf den Umschlagseiten reproduzierten Fotos – die  Kirchenburg Kleinschelken und der Altar von Mediasch -  die Martin Bottesch zur Verfügung stellte (leider fehlen die Bildangaben). In diesem Sinn dankt der Autor „..Herrn Martin Bottesch für die Anregung, Begleitung und Förderung dieses Vorhabens, ebenso für die Umschlagbilder und das Korrekturlesen dieses Bandes“. Dem Sprichwort getreu, doppelt genäht hält besser, dankt Gernot Nussbächer auch ein zweites Mal Martin Bottesch für das Korrekturlesen. Seinen Dank richtet Gernot Nussbächer auch an den Vorsitzenden des Hermannstädter Forums Prof. Dr. Hans Klein,  seinem jüngeren Kollegen und Mitarbeiter Dr. Bogdan-Florin Popovici von der Kronstädter Kreisdirektion der Archive, dem aldus Verlag mit dem er nun schon seit 20 Jahren zusammenarbeitet, und dessen Inhaberin Astrid Hermel und Mitarbeiter Arthur Hermel, der die Technoredaktion und Druck vorgenommen hat.

Dank des neuen Bandes, der an geschichtlichen Daten regelrecht überläuft, wie wir das auch aus den anderen Beiträgen des Archivisten und Historikers Gernot Nussbächer gewohnt sind, wird man mit Ereignissen aus der Vergangenheit der jeweiligen Ortschaften vertraut gemacht, die einem vielleicht zum Teil auch bekannt waren und in deren Details nun eingeführt wird. Schon im ersten Beitrag des aufliegenden Bandes wird man in die Geschichte von Kastenholz, einer Ortschaft, die verwaltungsmäßig zur Grossgemeinde Rothberg gehört und deren erste schriftliche Erwähnung aus dem Jahre 1302 stammt, eingeführt. Von da geht es nach Kerz, in den nächsten vier Beiträgen. Beispielweise erfährt man dabei, dass nach der Aufhebung der Kerzer Abtei im Jahre 1474 durch König Matthias Corvinus, diese wie auch die anderen Besitzungen der Abtei: Deutsch-Kreuz, Meschendorf, Klosdorf, Abstdorf, Michelsberg, Marienburg, Ruckersdorf/Rucăr (bei Ucea), Köln/Colun und Harbachsdorf an Hermannstadt gelangten. Dass Kirchberg am 12. August 1547 durch einen Großbrand heimgesucht wurde, oder dass ein Kirchberger als Student am Kronstädter Honterus-Gymnasium immatrikuliert war u.v.a. Angaben sind aufschlussreich über diese Gemeinde. Daten über erste urkundliche Erwähnungen der Ortschaften, über Kirchen oder Kirchenburgen, erste Schulen, Pfarrer, Zünfte dieser Gemeinden sind aus dem Inhalt der im Band enthaltenen Beiträge  zu entnehmen. Daten über eine Residenz des rumänischen Fürsten Vlad Tepeş in Mardisch am Kaltbach, aus der Geschichte der Marktgemeinde Meschen, sind ebenfalls sehr aufschlussreich. Dem Marktflecken Mediasch sind die meisten Beiträge  des Bandes gewidmet. Ausgehend von den ältesten Urkunden, bis hin zu medizingeschichtlichen Daten, der Geschichte über die Lederzunft, über den Schmiedgässer Turm und die Schmiedezunft, den Seilerturm und die Seilerzunft, über den humanistischen Dichter Christian Schesäus, sind die einzelnen Beiträge nicht nur dokumentarisch sehr inhaltsreich, sondern lassen sich aber auch mit großem Interesse lesen und die eigenen Kenntnisse erweitern.

Der Band hat nicht Anspruch auf Vollständigkeit, wie der Autor in seinem Vorwort vermerkt. Besondere Aufmerksamkeit schenkte Gernot Nussbächer den Anmerkungen mit denen jeder einzelne Beitrag versehen wurde. Es sind insgesamt 961 Anmerkungen, wenn dem Rezensenten nicht ein Fehler beim Zählen unterlaufen ist. Auch einige, wenn auch wenige  Illustrationen, sind Inhalt des Bandes, mehr davon hätten dessen dokumentarischen Wert weiter vervollständigt. Voraussichtlich wird der Autor einen weiteren Band den Ortschaften des Hermannstädter Kreises widmen müssen, um diese Dokumentation zu diesem Gebiet abzuschließen.

Der Band enthält weiterhin eine Liste der Abkürzungen, ein Ortsnamensverzeichnis mit den jeweiligen Benennungen in deutscher, rumänischer und ungarischer Sprache. Wie auch in den vorausgegangenen Bänden, finden wir Angaben über den am 22. August 1939 in Kronstadt geborenen Autor, über seine Ausbildung, hauptberufliche und ausgeübte Tätigkeiten. Was seine Veröffentlichungen betrifft gibt er selbst an, bis zum 10. Oktober 2014, 44 eigene Bücher und Broschüren, 83 Mitarbeiten an Bänden und Broschüren, 164 Abhandlungen in Fachzeitschriften, über 1200 Artikel in Zeitungen und Zeitschriften in deutscher, rumänischer und ungarischer Sprache veröffentlicht zu haben. Seine Forschungen erstreckten sich auf mehr als 200 Ortschaften, vor allem in Südsiebenbürgen, auf über mehr als 100 Persönlichkeiten, wobei seine Veröffentlichungen über den Humanisten und Reformator Johannes Honterus voraussichtlich bald abgeschlossen sind. Für seine bisherige Forschungstätigkeit erfreute er sich mehrerer in- und ausländischer Ehrungen, die im Anhang angeführt werden. Der 254 Seiten starke Band gestaltet sich somit zu einem weiteren wichtigen Baustein zur siebenbürgisch-sächsischen Geschichte.

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