Forstmann und Schulmann

Freitag, 04. Januar 2013

„Ich kann mich an keinen einzigen Tag meiner dreißig Jahre als Forstamtsleiter erinnern, an dem ich nicht mit Freude in die Arbeit gegangen wäre.“ Walter Frank, ein in Knees/Satchinez geborener Banater Schwabe, der in Kronstadt Forstwirtschaft studierte und sein gesamtes Försterleben der Erhaltung und Rettung der Buchenwälder im nördlichen Banater Bergland gewidmet hat, weilt seit einigen Wochen nicht mehr unter uns. „Wenn ich einmal nicht mehr sein werde“, pflegte er zu prophezeien, „dann tanzen die Holzunternehmer auf meinem Grab ihre Veitstänze, dann beginnt der große Kahlschlag in den Wäldern des Banats. Die Urwaldriesen werden die ersten Opfer sein. Dann folgen alle anderen Bäume, auch jene, die noch lange nicht geschlagen werden dürfen – weil alle die Forsteinrichtung schmieren und weil die sich wie eine Hure benimmt. Die Hure Forsteinrichtung ist unterbezahlt und will Geld.“

Frank versuchte, vorzusorgen. Er pflegte engste Kontakte zu Greenpeace und zu einheimischen Umweltschutzorganisationen, versorgte die internationalen Forstschutzinstitutionen mit akribisch dokumentierten Materialien, machte dauernd Druck auf die Forstverantwortlichen lokal und im zuständigen Ministerium, schaute der Forsteinrichtung strengstens auf die Finger und scheute sich nicht, diese zurecht- bzw. nach Bukarest zurückzuweisen.

Nun haben die Wälder des Banats ihren Beschützer verloren. Die lokalen Holzhaie, die zum Teil in hohen politischen Ämtern sitzen (Ausschussvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Vizepräsidenten des Kreisrats usw.), haben ohne Frank (rechts-)freie Handlungsräume, die sie unzögerlich benutzen werden. Holz ist Geld, viel Geld, kontrollfrei einzusammelndes Geld, also Geld, das neben Privattaschen Parteien zufließen kann. Ohne Walter Frank wird die Kontrolle über Holzgeld noch schwieriger.

Der andere große Verlust, den das Banater Bergland 2012 erlitt, ist der Schulmann Gheorghe Magas, der eine Woche nach Frank auf dem Karansebescher römisch-katholischen Friedhof zu Grab getragen wurde. Der Geschichtelehrer Magas kam als flüchtender Bessarabier ins Banat, in die Deutschböhmenortschaft Alt-Sadowa, wo er seine ersten Schuljahre in der deutschen Grundschule verbrachte. Eine rumänische gab es dort nicht. So hat er so gut deutsch gelernt, dass er, nach fast vier Jahrzehnten Sprachpause, in Graz Anfang der 90er Jahre wie aus dem Nichts auf deutsch eine Rede hielt – und mit jedem Deutschen dolmetscherlos sprechen konnte. Er war Mitinitiator und Erstorganisator der Lehrerfortbildungsveranstaltung „Didactica“, die unter ihm und mit Unterstützung steirischer Freunde Richtungweisendes leistete, er war Ursprungsinitiator von „Deutsch in Wolfsberg“, er hob die deutschen Abteilungen der Lyzeen in Reschitza und Karansebesch mit aus der Taufe, er legte die Spur zur steirischen Europäischen Föderalistischen Bewegung.

Seit er in Rente war, wissen wir: dieser Schulmann hat im Banater Bergland keinen würdigen Nachfolger gefunden.

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