Fotodokumentarischer Blick auf 100 Jahre Hermannstadt

Realitätsgetreue Ausstellung im Kartographischen Kabinett des Brukenthalmuseums

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Eine sprechende Bildaufnahme von Cătălin Precup: Die von der aktuellen Regierung Rumäniens seit Monaten auf die Justizeinrichtungen verübten Zugriffe haben die Missachtung verantwortungsvoller Standards in Sachen Rechtsprechung auf hoher Landesebene gezeitigt. Foto: Klaus Philippi

Hermannstadt – Seit Donnerstag, dem 11. Oktober, laden Farb- und Schwarzweißfotos im Kartographischen Kabinett des Brukenthalpalais am Großen Ring/Piaţa Mare in Hermannstadt/Sibiu zur Betrachtung der Ausstellung „Sibiu 100“ (Hundert Jahre Hermannstadt) ein. Alte dokumentarische, von Emil Fischer (1873-1965) während der Zwischenkriegszeit aufgenommene Fotografien architektonisch markanter Gebäude des Hermannstädter Ortszentrums werden von aktuellen und in hoher Auflösung ausgedruckten Fotos, die den ästhetischen und baulichen Zustand derselben Immobilien lokaler Bedeutung zeigen, ergänzt. Die Kuratoren Dr. Adrian Luca vonseiten des Brukenthalmuseums und Dr. Alexandru Nicolaescu, Mitglied des Forschungsinstituts für Sozialwissenschaften Hermannstadt (ICSUS), haben ihre eigenen fotografischen Aufnahmen und die von den lokalen Künstlern Ilie Mitrea, Ioan Muntean, Andrei Popa und Cătălin Precup erstellten Fotos und Farbgemälde zusammengetragen, um einen umfassenden und zugleich authentischen Blick auf die städtebauliche Gegenwart und Vergangenheit Hermannstadts der letzten hundert Jahre öffentlich zugänglich zu machen. Zum Zeitpunkt der Ausstellungseröffnung hatten Freunde der lokalen Fotografie, Architektur und Geschichte das Kartographische Kabinett des Brukenthalpalais bis auf den letzten Stehplatz besetzt.

Bei genauerer Betrachtung der dokumentarischen Gegenüberstellungen drängt sich teils die Frage auf, ob zwei unterschiedliche Fotos, die dicht nebeneinander an der Wand hängen, tatsächlich von ein und demselben Punkt auf der Straßenkarte der Innenstadt aus aufgenommen wurden. Ein altes Schwarzweißfoto zeigt die nach Südwesten ausgerichtete Perspektive, die sich ausgehend vom Punkt der Gabelung zwischen Hundsrücken/str. Centumvirilor und Pempflingergasse/str. Alexandru Odobescu bietet. Daneben an der Wand hängt ein Farbfoto aus dem Jahr 2018, das anhand derselben punktuellen Perspektive deutlich aufzeigt, dass an der Stelle, wo heute die Sporthalle des Brukenthalgymnasiums und des Kunstgymnasiums steht, vor vielen Jahrzehnten ein Wohnhaus gestanden hatte, dessen Grundfläche anders proportioniert als diejenige der Sporthalle gewesen war. Die Umrisse des ehemaligen Wohnhauses sind durch rote, in die Fahrbahn der Pempflingergasse eingelassene Pflastersteine nach wie vor feststellbar.

In äußeren Ehren gehalten wird gegenwärtig auch das Hauptgebäude der Astra-Bibliothek am gleichnamigen Kleinpark in unmittelbarer Nähe zur Heltauergasse/Nicolae B²lcescu und der Bretterpromenade. Das aktuell gut instandgehaltene und unter dem Namen Astra-Palais bekannte Gebäude hatte um die Zeit des Anschlusses Siebenbürgens an Rumänien den Sitz des Transsylvanischen Vereins für Rumänische Literatur und Volkskultur beherbergt.
Mit einem ironischen Augenzwinkern sprechen die Kuratoren und Künstler der Ausstellung jedoch auch davon, dass der baulich miserable Zustand jenes Gebäudes in der Schewisgasse/Bd. Victoriei, das auf Lokalebene in die Zuordnung des Justizministeriums fällt, den landesweit aus dem Ruder gelaufenen einschlägigen Stand der Dinge traurigerweise bestätigt. Ein Foto, das die Handschrift Cătălin Precups trägt, zeigt das auf dem abfallenden Putz des nicht nutzbaren Gerichtsgebäudes schief hängende Straßenschild mit der Aufschrift „Bulevardul Victoriei“. Warnend mutet vergleichs-weise der von Cătălin Precup formulierte Titel der fotografischen Dokumentationsaufnahme an: „No victory without justice!“ (Kein Sieg ohne Rechtsprechung).

Die Ausstellung „Sibiu 100“ im Kartographischen Kabinett des Hermannstädter Brukenthalmuseums genießt die finanzielle Unterstützung des Bürgermeisteramtes und ist auf den 30. Dezember 2018 befristet.

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