Frauen in der PSD

Hintergründe zu Mentalitäts- und Finanzfragen in der PSD vor dem Wahlkampf

Mittwoch, 31. Oktober 2012

„Unkorrekt und hinterlistig” durchgeführt sei die Rochade gewesen, die auf den Wahllisten der PSD zum Ersetzen von Tudori]a Nicula durch Ioan Benga geführt hat (die Umfrage zur Wahlabsicht ergab 57 Prozent für Benga, 54 Prozent für Nicula), was letztendlich auf einen Beschluss der obersten Parteiebene in Bukarest und nicht auf eine Entscheidung auf lokaler Ebene zurückgehen soll, meinte am Nachmittag des Montag die Leiterin der PSD-Frauenorganisation Karasch-Severin: „Wir hatten schon gehofft, dass auch unsere Partei sich reformiert hat. Doch gerade das Gegenteil ist für mich ein Grund mehr, in dieser Partei zu bleiben, und für alle PSD-Mitgliedsfrauen, hier weiter zu arbeiten.“

„Wir, die PSD-Frauenorganisation, sind seit Jahren dieser Partei gegenüber loyal. Doch meist dann, wenn es um die Verteilung der Sessel geht, werden wir übersehen und die Männer werden vorgezogen. Damit wird die Gefahr heraufbeschworen, dass die Wählerschaft auch mal ihren Frust gegenüber so viel männliche Arroganz äußert. Aber die Dominanz der Männer in der PSD ist noch lange kein Grund, die Angebote anderer Parteien anzunehmen!“

Dieses Gerücht zu entkräftigen sei mit der Hauptgrund für sie gewesen, eine Pressekonferenz zu veranstalten, sagte Tudoriţa Nicula. Sie gab zu, die Chance erwogen zu haben, als unabhängige Kandidatin in den Wahlkampf zu ziehen: „Aber das Wahlgesetz ist zutiefst ungerecht, wenn es fordert, dass ein unabhängiger Kandidat die Unterschriften von 50 Prozent plus einem Wahlberechtigten eines Wahlkreises zusammentragen muss, um aufgestellt werden zu können. Das ist ein flagrantes Ungleichgewicht gegenüber Listenkandidaten. Außerdem haben, rein statistisch, bei den Wahlen der letzten Jahre in Reschitza in keinem Wahlkollegium mehr als 20.000 Wähler an den Wahlen teilgenommen.“

Trotz allem: „Wenn es für die USL eine nicht erwartete, aber doch mögliche Wahlschlappe geben sollte, dann hat die PSD-Frauenorganisation beschlossen, dass wir im Winter den Rücktritt aller jetzigen PSD-Kandidaten fordern werden. Genauso brutal, wie diese mir jetzt meinen Rücktritt von der Wahlliste ‘angeboten’ haben. Gerade darin bestand ihre Hinterlistigkeit.

Der in der PSD immer noch geltende Sprachusus ‘ein Mensch und eine Frau’, wie wir das aus der Kindheit am Land kennen, muss endlich modernisiert werden und die Frauen müssen zu ihrem durch Arbeit errungenen Recht kommen. In Reschitza sind unsere männlichen  Kollegen in den vergangenen zwei Tagen sogar so weit gegangen, dass sie auch andere Kolleginnen zwingen wollten, Funktionen und Ämter aufzugeben. Erst die Intervention der Leiterin der PSD-Frauenorganisation, Umweltministerin Rovana Plumb, hat einen Stopp der Versuche ausgelöst.“

Als Frau Nicula darauf zu sprechen kam, dass sie immer ihre Mitgliedsbeiträge gewissenhaft bezahlt habe, wussten die anwesenden Jorunalisten erst nicht so recht, worauf diese Aussage abzielte. „Die zentrale PSD-Leitung hat mich bis vor ein paar Tagen immer mit ‘Frau Abgeordnete’ angesprochen“, sagte Nicula, „und ich habe auch meinen Kandidaten-Beitrag von 22.500 Lei entrichtet, den legalen Mitgliedsbeitrag, wofür ich sogar eine Quittung habe.“ Damit ist sie einer der seltenen Fälle, wo ein Listenkandidat einer Partei öffentlich sagt, wie viel der Listenplatz parteiintern gekostet hat... Und implizite etwas aussagt über Fazetten der Wahlkampffinanzierung (zumindest in der PSD 2012), auch wenn aus vorangegangenen Wahlkämpfen bekannt war, dass – etwa unterlegene – Kandidaten noch jahrelang ihren Parteien Gelder, über den normalen Mitgliedsbeitrag eines Parteimitglieds hinweg, zu überweisen hatten.

Kategorisch wies Tudoriţa Nicula aber die Aussage ab, sie habe „Probleme mit der Nationalen Integritätsagentur ANI“. Als sie kurzfristig Direktorin der Rentenkasse war und ihre Firma nicht ruhen ließ, dann hatte sie Probleme mit ANI, nicht aber jetzt, als Kandidatin für die Parlamentswahlen, behauptete sie. Und auf noch einen Aspekt wies sie hin, der ebenfalls bedenkenwert ist: die Umfragen zur Wahlabsicht bezüglich der einzelnen Kandidaten, die in der PSD durchgeführt wurden, haben Lyzeumsschüler erledigt. Sollte es deshalb wundern, wenn der Stellvertreter des Generalschulinspektors – Ioan Benga – in von Lehrern angeleiteten Umfragen, die Schüler durchgeführt haben, in einem Wahlkreis etwas mehr Wahlabsichten erzielt hat...?

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