Frauenbewegung im Internet

Hashtag löst weltweite Debatte zum Thema Sexismus aus

Sonntag, 29. Oktober 2017

Frauen aus aller Welt zeigten sich solidarisch mit der #metoo-Kampagne gegen sexuelle Belästigung. Die meisten haben Belästigungen unterschiedlichster Natur selbst erlebt.
Symbolfoto: Zoltán Pázmány

Vom alten Mann, der die junge Frau in die Ecke drängt und sie zu küssen versucht, über den jungen Mann, der ein Lächeln falsch interpretiert und mit der Anmache weitergeht, bis hin zum Exhibitionisten im Park, der sich der nichts ahnenden Passantin nähert, vom Gesprächspartner, der bei einem Interview die Journalistin zu einer „tieferen Recherche im Privaten“ einlädt, bis hin zum Unbekannten, der dem jungen Mädchen auf dem Spielplatz vulgäre Vorschläge macht – wir alle haben irgendwann mal eine sexuelle Belästigung erlebt oder erzählt bekommen. Durch zwei einfache Worte im Internet, „#metoo“ (zu Deutsch „ich auch“), werden nun die Dimensionen des Problems rund um die Welt sichtbar. Frauen werden ermutigt, sich dazu zu äußern und ihre Erfahrungen bekannt zu machen.

„Wenn alle Frauen, die sexuell belästigt oder angegriffen worden sind, ´Me too´ als Status schreiben, könnten wir den Menschen das Ausmaß des Problems bewusst machen“ – das ist der Text, der vor einigen Tagen von der US-amerikanischen Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter gepostet wurde. Durch zwei einfache Worte, als Hashtag, wurden Frauen überall auf der Welt aufgefordert, sich zu diesem Thema zu Wort zu melden. Kurz darauf startete im Internet durch #metoo eine weltweite Revolution gegen sexuelle Belästigung und Missbrauch. Hintergrund der Geschichte ist ein Hollywood-Skandal. Der US-amerikanische Filmproduzent Harvey Weinstein wird beschuldigt, zahlreiche Frauen belästigt und sogar vergewaltigt zu haben. Dabei gab auch Schauspielerin Alyssa Milano (u. a. aus der TV-Serie „Wer ist hier der Boss?“ bekannt) gemeinsam mit anderen Frauen an, vom Filmproduzenten Weinstein sexuell missbraucht worden zu sein.

Das Hashtag #metoo hat nun in den letzten Tagen eine weltweite Debatte zum Thema Sexismus ausgelöst, nachdem Zehntausende Frauen rund um die Erde sich im Internet als Opfer sexueller Übergriffe von Männern ausgegeben haben. Die Flut von Kommentaren in den sozialen Netzwerken nimmt stetig zu – bisher wurde das Hashtag bereits rund 700.000 Mal im Internet gepostet.

Kritiken wurden dabei ebenfalls ausgelöst: Frauen würden sich als falsche Opfer ausgeben und nicht jeder Mann belästige Frauen. Dabei wurden viele Frauen als „leichtsinnig“ eingestuft und eine sexuelle Belästigung sei bloß die eigentliche Vergewaltigung. Äußerungen im Internet sollen ins Nirgendwo führen, wenn sich die Frauen nicht trauen, auch etwas Konkretes in dieser Hinsicht zu unternehmen, heißt es in den Social-Media-Kommentaren.

Doch gerade diese Diskussion zeigt, wie falsch die Gesellschaft in solchen Fällen reagiert. Denn das Bekenntnis ist in diesem Fall der erste Schritt, etwas dagegen zu unternehmen; wenn die Menschen verstehen, dass jede Art von Belästigung bekannt gemacht werden muss und dass es keine Schande ist, das mit der Welt zu teilen. Doch gerade das wird erneut zum Tabuthema. Sex ist kein Thema, das angesprochen wird, und Frauen würden einen Flirt immer wieder falsch interpretieren. Ein rumänisches Sprichwort besagt: „Der Mann kann versuchen...“ Doch wo endet der Flirt und wo fängt die Belästigung an? Frauen meinen, die Belästigung beginnt, nachdem der Mann ein erstes Mal abgelehnt wird und trotzdem mit der Anmache weitergeht. Viele Männer hingegen behaupten: „Die ersten zwei Nein-Wörter zählen nicht“. So hieß es auf der Facebook-Seite des rumänischen Journalisten Liviu Mihaiu. Nicht wenige zeigten sich über die Worte des Meinungsbildners überrascht.


Laut Definition werden als sexuelle Belästigung unwillkommene und unerwünschte sexuelle Annäherungen, Aufforderungen zu sexuellen Handlungen und andere verbale oder körperliche Kontakte sexueller Art erklärt, die dabei ein feindliches oder anstößiges Umfeld schaffen. Sie kann auch als eine Form der Gewalt gegen Frauen (und Männer) und als diskriminierende Handlung verstanden werden. Ein wesentlicher Teil der Definition ist das Wort „unerwünscht“. Sexuelle Belästigung kann eine Vielzahl von Formen annehmen. Sie umfasst sowohl physische Gewalt, als auch subtilere Formen von Gewalt wie Nötigung – jemanden zu zwingen, etwas zu tun, was er oder sie nicht möchte. Sie kann langfristige Formen annehmen: wiederholte sexuelle „Witze“, zum Beispiel, wiederkehrende (unerwünschte) Einladungen zu Dates oder unerwünschtes Flirten sexueller Natur. Und sie kann ein einmaliger Vorfall sein – von unangemessenem Berühren oder Streicheln bis hin zu sexuellem Missbrauch oder Vergewaltigung.

Über eines sind sich alle in den Sozialen Netzwerken sowie im Alltag einig: Es geht in erster Linie um Bewusstsein und Erziehung. Und das soll schon in der Schule passieren. Wenn Schüler ihre Mitschülerinnen angrapschen, so sollen die Unterrichtenden sofort reagieren und nicht bloß lachen und ihren Lehrerkollegen erzählen, dass die Jungs heutzutage, sogar in der Grundschule, „etwas zu frech sind“...

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